• Romana, Flavia und Denise Grossenbacher (von links) sind seit jeher gerne in der Natur unterwegs. So auch am Trailrun-Abenteuer im Graubünden. · Bild: zvg

28.10.2025
Sport

Frauen-Family-Power aus Thörigen

Ziemlich genau 40 Prozent der Startenden am Transruinaulta (von Ilanz nach Thusis) und am Transviamala (von Thusis nach Donat) sind Frauen. Teils sind von einer Familie mehrere Generationen vertreten, so zum Beispiel von den Grossenbachers aus dem bernischen Thörigen. Denise, Flavia und Romana schnürten die Laufschuhe gar an beiden Tagen – ebenso deren (Gross-) Mutter Heidi Friedli. Vor ihrem Start berichteten sie über das bevorstehende Abenteuer in der herrlichen Natur des

Kantons Graubünden. Heidi Friedli krönte sich schliesslich zur «Schluchtenprinzessin».

Laufsport · Der «Transruinaulta» und der «Transviamala» im Kanton Graubünden erfreuen sich seit jeher grosser Beliebtheit, speziell auch bei Frauen. Bereits 2014, als der «Transruinaulta» seine Premiere erlebte und die beiden Läufe zusätzlich zum Einzelklassement als Kombinationswertung absolviert werden konnten, lag deren Anteil bei knapp 40 Prozent. In diesem Bereich bewegte er sich seither konstant, die maximale Abweichung nach oben oder unten betrug zwei Prozent. Ausnahmen gab es 2015 und 2016, als sich die Frauenquote auf 35 respektive 36 Prozent belief. Heuer, bei der 11. Austragung des «Transruinaulta» (am Samstag, 18. Oktober) und der 23. Durchführung des «Transviamala» (am Sonntag, 19. Oktober), waren es ziemlich genau 40 Prozent.

Interessante Vergleiche 
Gar die Oberhand haben die Frauen auf der verkürzten  «Transviamala curta» (11,5 Kilometer, +565 und -252 Höhenmeter am Sonntag). Hierbei bilden sie zwei Drittel des Startfeldes. Bei der Schluchtenprinzessin- resp. Schluchtenprinzenwertung, die sich aus der «Transviamala curta» und der «Transruinaulta curta» (24 km, 780 Höhenmeter am Samstag) zusammensetzt, sind es beachtliche 44 Prozent. In etwa gleich hoch ist der Frauenanteil mit 38 respektive 39 Prozent bei der «Transruinaulta curta» und beim «Transviamala trail» (19 Kilometer, +1000 und -687 Höhenmeter). Zweitgenannter Lauf ist Bestandteil des Schluchtenkönigin- beziehungsweise Schluchtenkönig-Klassements, in welchem knapp jede dritte startende Person weiblich ist. Zusätzlich umfasst dieses den «Transruinaulta Maraton» (42 Kilometer, 1800 Höhenmeter). Hier beläuft sich der Frauenanteil auf 26 Prozent.

Naturerlebnis als Hauptantrieb
Laut eines Beitrags im Magazin «Fit for Life» zur Entwicklung der Schweizer Laufszene vom Januar dieses Jahres ist der «Transruinaulta maraton» der Überflieger unter den Schweizer Marathons. Als Einziger übersteigt er in Bezug auf den Frauenanteil die 30 Prozent-Marke, die meisten Marathons weisen Quoten leicht über 20 Prozent auf. «Es scheint, dass Frauen ihre Anlässe weniger nach Streckenlänge oder Prestige (Marathon) aussuchen, sondern vor allem den Erlebniswert in der Natur gewichten», steht im dazugehörenden Text.

Thöriger Trail-Power
Stimmt dies? «Auf jeden Fall», sagt Denise Grossenbacher aus Thörigen. «Dies betrifft aber nicht nur den Wettkampf, sondern insbesondere das Training.» In der Natur ist die Trailrunning-Begeisterte oft unterwegs. Teils mit ihren beiden Töchtern Flavia und Romana sowie ihrer Mutter Heidi Friedli. Aber auch mit anderen Angehörigen des von ihr 2023 gegründeten Vereins «Trail-Run». Dieser umfasst 31 Aktivmitglieder, zwei Drittel von ihnen sind weiblich. Neun Frauen – auch die Zwillingsschwestern Rita Goetschi und Ruth Huber haben ein familiäres Verhältnis – und vier Männer beteiligten sich nun am «Transruinaulta» und am «Transviamala». Mit einer Ausnahme absolvierten alle einen Doppelstart. «Weil es eine coole Challenge ist», sagt Flavia Grossenbacher stellvertretend. «Und ich möchte Königin werden», ergänzt Denise Grossenbacher mit einem Schmunzeln vor dem Start. Für sie wie auch ihre beiden Töchter und ihre Mutter – die drei figurierten auf der «Prinzessin»-Startliste –, war das Schluchtenwochenende ein ganz besonderes: Zum ersten Mal starteten die drei Generationen gemeinsam an einem Lauf. Frauenpower pur. Was erwartete das Grossenbacher-Trio von den zwei Wettkampftagen? «Dass ich an meine Grenzen gelange, trotzdem ein schönes Erlebnis habe und stolz auf mich sein kann», sagt Romana. «Traumhafte Aussichten, interessante Trails sowie viele laufbegeisterte Mitstreiterinnen und -streiter», nennt Flavia. Denise erwähnt «die fantastische Gegend sowie zahlreiche schöne Stunden in Graubünden mit der Familie und netten Kolleginnen und Kollegen». Am meisten freute sie sich «auf die Krone, die Schlucht und die Brücken, welche ich sehr mag». Bei Flavia war es «die Herausforderung, die beiden Tage zu meistern und mich als Prinzessin küren zu lassen». Ähnlich tönte es bei Romana: «Ich freue mich auf das Ziel, dass ich es geschafft habe und mich als Prinzessin freuen kann.»

Wertvolle Tipps der Mutter
Der «Transruinaulta» bedeutet für die Frauen aus dem Hause Grossenbacher Neuland. Die 48-jährige Denise – sie verfügt über mehrere Ausbildungen im Bereich (Trail-)Running im Erwachsenen- und im Kindersport – kennt den «Transviamala» von ihrer Mutter Heidi Friedli, welche ihn schon mehrmals bestritt und der ihr stets viel Freude bereitete. Über einen Teil dieser Strecke weiss auch Romana Grossenbacher Bescheid. «Vor zwei Jahren wanderte ich mit meinem Grossmami von Thusis bis Andeer. Nun bin ich gespannt, wie sich dieser Abschnitt laufend präsentiert», sagt die 19-Jährige, die mit dem Geniessen der Landschaft eine Parallele zwischen Wandern und Trailrunning ausmacht.

Die Schönheit des Graubündens
Als «immer etwas Spezielles» bezeichnet Flavia die Atmosphäre bei Läufen in Graubünden. Im flächenmässig grössten Kanton absolvierte die 21-Jährige auch schon mehrere Orientierungsläufe und nennt eine Gemeinsamkeit zwischen dieser Sportart und dem Trailrunning: «Im Gegensatz zu Strassenläufen verfällt man nicht in einen monotonen Trott – was das Laufen spannend macht.» Denise reizen beim Trailrunning primär «die Berge, die Freiheit und die Abwechslung. Als Herzblut-Drogistin sehe ich natürlich auch praktisch alle Blumen und Kräuter». Am Transruinaulta und am Transviamala wird dies wohl nicht anders sein. Nach einer nicht optimal verlaufenen Vorbereitung ist die Zeit für sie ohnehin irrelevant. Im Vordergrund steht das Naturerlebnis.

Heidi Friedli wird «Schluchtenprinzessin»
Bleibt da natürlich noch die Frage, wie es gelaufen ist? Denise Grossenbacher (48) absolvierte an beiden Tagen die langen Strecken (42 km und 19 km) und konnte sich so in der Wertung «Schluchtenkönigin» mit einer Totalzeit von 9:25 Stunden auf dem 36. Rang klassieren (15. Rang in der Altersklasse). Susi Loosli aus Langenthal schaffte es in 8:51 Stunden auf den 31. Rang. Alle anderen absolvierten die kurzen Strecken (24 km und 11,5 km) und kamen so in die Wertung «Schluchtenprinzessin». Flavia Grossenbacher (21) war in 4:22 Stunden am flinkesten unterwegs (27. Rang/6. Rang Alterskategorie). Romana Grossenbacher (19) folgte in 4:35 Stunden auf dem 40. Rang. Sie durfte damit einen Podestplatz feiern, weil sie in der U20-Altersklasse die Silbermedaille gewann. Heidi Friedli (73) finishte in 6:22 Stunden. Diese grandiose Leistung wurde mit dem Gewinn der W70-Alterskategorie belohnt (59. Gesamtrang). Damit durfte sich Friedli als «Schluchtenprinzessin» feiern lassen. Insgesamt nahmen 1677 Läuferinnen und Läufer aus 15 Ländern an den Trailruns durch die beiden imposanten Schluchten Ruinaulta und Viamala entlang des Vorder- und Hinterrheins teil. 

Von Anita Fuchs/slh