• 17 Rundflüge führte die Motorfluggruppe Langenthal mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Kundinnen und Kunden von Inklusia durch. · Bild: Felix Ott

  • Bei anderen reichte bereits eine helfende Hand. · Bild: Felix Ott

  • Einige Personen konnten nicht selbstständig ins Flugzeug steigen. · Bild: Felix Ott

  • Bei Start und Landung wurde fleissig gewunken. · Bild: Felix Ott

  • Den Inklusia-Bewohnenden sowie den Piloten machte der Nachmittag sichtbar Freude. · Bild: Felix Ott

  • Insgesamt waren die Flugzeuge über sechs Stunden in der Luft. · Bild: Felix Ott

02.07.2026
Oberaargau

Für einen Moment über dem Alltag

Die Motorfluggruppe Langenthal ermöglichte von Inklusia unterstützten Personen Rundflüge ab Bleienbach. Insgesamt wurden 17 Flüge durchgeführt.

Bleienbach · Am Flugplatz Langenthal in Bleienbach ist am 9. Juni für Kundinnen und Kunden von Inklusia ein besonderer Nachmittag möglich geworden. Drei Piloten der Motorfluggruppe Langenthal führten insgesamt 17 Rundflüge durch. Während sechs Stunden und 22 Minuten waren sie mit internen und externen Kundinnen und Kunden von Inklusia in der Luft. Insgesamt nahmen 51 Passagiere an den Rundflügen teil. Pro Flug sassen jeweils zwei Personen mit Beeinträchtigung zusammen mit einer Begleitperson und einem Piloten im Flugzeug. Ein einzelner Rundflug dauerte rund 20 Minuten. Die Route wurde flexibel gewählt. Wo es möglich war, flogen die Piloten über die Wohnorte der Teilnehmenden. So wurde aus dem Rundflug nicht nur ein Blick aus der Höhe, sondern auch ein Wiedererkennen der eigenen Umgebung aus einer ungewohnten Perspektive. Teilgenommen haben Kundinnen und Kunden von allen drei Standorten: Herzogenbuchsee, Bleienbach und Langenthal. Für einige war der Flug mit spürbarer Anspannung verbunden. Sie wirkten vor dem Einsteigen nervös. Nach der Landung zeigte sich jedoch ein anderes Bild. Die meisten kamen mit einem strahlenden Lächeln wieder am Boden an.

Zufriedene Stimmung nach der Landung
«Es war ein sehr toller Anlass. Die Stimmung war gut und die Organisation funktionierte reibungslos», sagt Susan Mathis, Leiterin des Bereichs Kognitive Beeinträchtigungen bei Inklusia. Auch das Wetter habe mitgespielt. Weil es leicht bewölkt gewesen sei, sei es nicht zu heiss geworden. Der Anlass fand noch vor der jüngsten Hitzewelle statt. Für Inklusia haben solche Erlebnisse einen besonderen Stellenwert. Zwar gebe es im Jahresprogramm immer wieder individuelle Aktivitäten. Dass aber unterstützte Personen aus verschiedenen Standorten gemeinsam einen solchen Nachmittag verbringen, sei aussergewöhnlich, sagt Mathis.
Bereits vor rund zehn Jahren hatte es einen ähnlichen Anlass gegeben. Damals bestand ein persönlicher Kontakt zur Motorfluggruppe Langenthal. 
Für die erneute Durchführung habe sie  einfach wieder angefragt. Wegen der Coronapandemie musste der Anlass zwischenzeitlich verschoben werden. Die Motorfluggruppe sei aber sofort bereit gewesen, mitzumachen, und habe einen Spezialpreis vereinbart. Die verbleibenden Kosten wurden durch Spenden gedeckt.

Auch für die Piloten kein alltäglicher Einsatz
Auch für die Piloten war der Nachmittag nicht alltäglich. «Es war ein cooler Anlass», sagt Stefan Leder von der Motorfluggruppe Langenthal. Gleichzeitig sei der Einsatz mit besonderen Herausforderungen verbunden gewesen. Nicht alle Teilnehmenden konnten selbstständig ins Flugzeug einsteigen. Einzelne mussten hineingetragen werden. Während des Flugs mussten die Piloten zudem darauf achten, dass niemand nach Instrumenten im Cockpit griff. Grössere Probleme habe es aber keine gegeben, sagt Leder. Die Teilnehmenden hätten nach den Flügen einen sehr erfreuten Eindruck gemacht. Finanzielle Überlegungen oder zusätzliche Flugstunden seien nicht im Vordergrund gestanden. «Wir wollten den unterstützten Personen etwas ermöglichen», sagt Leder. Die Motorfluggruppe bietet auch sonst Rundflüge an. Es kämen Menschen aus unterschiedlichen Regionen, die einmal etwas Spezielles erleben möchten. Manche reisen aus der ganzen Schweiz oder aus dem Ausland an. Auch mit Gruppen hat die Motorfluggruppe Erfahrung. So nehmen jedes Jahr im Rahmen des Ferienpasses 12 bis 15 Kinder an einem ähnlichen Flugprogramm teil. Dass das Restaurant Hangar 5 für den Anlass eigens geöffnet hatte, wurde von Inklusia ebenfalls geschätzt. Dadurch konnten sich die unterstützten Personen verpflegen und nach den Flügen noch etwas auf dem Flugplatz bleiben. Der Nachmittag wurde damit nicht auf den Flug selbst beschränkt. Er bot auch Raum für Begegnungen, Gespräche und gemeinsames Warten auf den nächsten Start. Am Ende blieb ein Erlebnis, das für viele Teilnehmende nicht selbstverständlich ist. Für rund 20 Minuten konnten sie den Alltag hinter sich lassen und ihre Heimat von oben betrachten. Gerade darin lag die Bedeutung dieses Nachmittags: Er machte nicht nur einen Flug möglich, sondern auch einen Perspektivenwechsel.

Von Felix Ott