Dank Geduld und Verständnis seit 65 Jahren verheiratet: Edith und William Trösch aus Langenthal. · Bild: Walter Ryser
Geduld und Verständnis als Erfolgsgeheimnis
Morgen feiert das Ehepaar William und Edith Trösch aus Langenthal «Eiserne Hochzeit». Geduld und Verständnis bezeichnen die beiden als Erfolgsgeheimnis ihrer langen Ehe, die seit 65 Jahren Bestand hat.
Die beiden schauen sich wortlos an und sind von der Frage fast ein wenig überrumpelt. «Ja, was soll ich dazu sagen», versucht Edith Trösch auf die Frage zu antworten, was das Geheimnis ihrer langen Ehe ist. Morgen feiern William und Edith Trösch aus Langenthal «Eiserne Hochzeit». Seit 65 Jahren sind die beiden verheiratet. Nach ein paar stillen Augenblicken beginnen die beiden dann eifrig zu reden. «Geduld und Verständnis», nennt schliesslich Edith Trösch die wichtigsten Eigenschaften, die sie über all die Jahre begleitet haben und dafür sorgten, dass sie auch nach 65 Jahren noch zusammen sind und im Alter von 89 (William), respektive 87 Jahren (Edith) immer noch im eigenen Heim an der Ringstrasse leben dürfen.
10 000 Betongaragen erstellt
Gegenseitige Unterstützung und Toleranz sind laut William Trösch weitere wichtige Eigenschaften, die seiner Meinung nach Voraussetzung für eine langanhaltende Partnerschaft sind. Dazu sei eine klare Aufteilung der Verantwortlichkeiten gekommen, fügt der ehemalige Unternehmer hinzu. Edith sei für Haus und Garten sowie die Erziehung der drei Kinder zuständig gewesen. Er sei beruflich viel unterwegs gewesen. So hat er beispielsweise die Firma Haus+Herd aufgebaut, die sich als Generalunternehmen mit dem Bau von normierten Einfamilienhäusern schweizweit einen Namen machte. Später hat er mit zwei Partnern das Unternehmen SEMA Betongaragen gegründet, das er nach einigen Jahren alleine führte und mit dem er gesamthaft über 10 000 Betongaragen erstellte. Auch neben seinem beruflichen Engagement war William Trösch sehr aktiv, im Militär, wo er insgesamt 1330 Diensttage absolvierte, als Lokalpolitiker in der Planungs- und Finanzkommission und als Präsident der SVP Langenthal sowie als Sportförderer. Auf seine Initiative hin entstand 1981 der Donnerstag-Club Oberaargau, der den SC Langenthal vor dem Konkurs rettete. Insgesamt 20 Jahre lang präsidierte Trösch den Club, dessen Ehrenpräsident er heute ist.
Hochzeitsessen kostete 517 Franken
Daneben hat das Paar 1961 am Walkeweg 1 (Oberlimatte) sein erstes Haus erstellt. 1975 erfolgte der Umzug an die Ringstrasse 44, wo die beiden das 1930 von Architekt Hector Egger erbaute Haus erwarben, das sich damals im Besitz der Familie Brand (Leinenweberei) befand. Die junge Familie bezog hier ein schönes Anwesen, mit grossem Umschwung, das Edith sehr viel Arbeit bescherte. «Rückblickend gesehen muss ich zugeben, dass ich manchmal mit allem ein wenig überfordert war», gibt sie zu verstehen und erwähnt, dass es damals keine Kita und keine Elternberatung gab. «Deshalb gab es auch Zeiten, in denen wir beide nicht so gut ausgekommen sind», erwähnt sie lachend. Eine Trennung sei aber nie in Frage gekommen. «Damals gab es gar keine Alternative», sagt Edith. Zusammengehalten hätten sie aber auch die vielen schönen, gemeinsamen Erlebnisse, die mit der Hochzeit 1960 im bekannten «Würzbrunnen Chili» begannen. Noch heute besitzen die beiden die Rechnung des Hochzeitsessens von 517 Franken, die vom Restaurant «Chuderhüsi» ausgestellt wurde. Kennengelernt hatten sich die beiden auf dem Polizei-Inspektorat in Langenthal, wo William Trösch der «Oberstift» von Edith war. Geboren in Winterthur und aufgewachsen in Uster, zog Ediths Familie 1946 nach Langenthal, wo sie auf dem Polizei-Inspektorat die Verwaltungs-Lehre absolvierte. Bis zur Geburt ihres ersten Kindes, Tochter Evelyne, arbeitete Edith auf dem Arbeitsamt/AHV-Zweigstelle in Langenthal. William Trösch seinerseits wuchs in Grindelwald und Lauterbrunnen auf und zog später nach Bützberg.
Ferienreise dauerte eine Ewigkeit
Die beiden haben zusammen viele Reisen unternommen, an die sie sich gerne zurückerinnern. Lachend erzählt Edith Trösch, dass ihre erste Ferienreise nach Sizilien geführt habe. «Damals gab es noch keine so gut ausgebaute Autobahn, sodass die Reise nach Sizilien eine Ewigkeit dauerte.» Schön seien jeweils auch die gemeinsamen Jahresschlussabende von Haus+Herd, mit prominenten Gästen, gewesen, erzählen die beiden. Auch die über 100 durchgeführten Monats-Stämme des Donnerstag-Clubs sind für die beiden unvergessen. Politikerin Judith Stamm, Skirennfahrer Bernhard Russi, Fussballer Erwin Ballabio, Eishockey-Nationaltrainer Simon Schenk, «Ländler-Papst» Peter Zinsli oder Bundesrat Samuel Schmid sowie viele weitere prominente Persönlichkeiten hat man empfangen. William Trösch hat über seine beruflichen und privaten Aktivitäten feinsäuberlich Buch geführt und er sagt, dass er damit eine Ausgabe des «Unter-Emmentaler» problemlos füllen könnte.
Jassen und Eishockeyspiele besuchen
Heute nehmen es die beiden etwas ruhiger. Edith, die im letzten Jahr gestürzt ist, kann sich nicht mehr ohne Rollator fortbewegen. «Dank der Unterstützung unserer Haushalthilfe Frau Cornelia Ruckstuhl, die den Garten nun selbstständig betreut, der Spitex und unserer Tochter Evelyne Schuster, die unseren Zahlungsverkehr regelt, können wir weiterhin daheim wohnen. Wir sind froh, dass wir hierbleiben können und geniessen deshalb unser Haus und den Garten noch mehr als früher», sagt Edith Trösch dazu. William hat im letzten Jahr den Fahrzeugausweis abgegeben, was ihn aber nicht daran hindert, regelmässig an Jass-Treffen teilzunehmen, zu denen ihn Kollegen abholen oder mit Tochter Evelyne Eishockeyspiele des EHC Basel zu besuchen, wo sein Enkelkind Dario Kummer spielt. Gefeiert wird die «Eiserne Hochzeit» im kleinen Rahmen, dafür soll es nächstes Jahr beim 90. Geburtstag von William Trösch ein grosses Fest geben. Die Redaktion des «Unter-Emmentaler» gratuliert Edith und William Trösch herzlich zur «Eisernen Hochzeit» und wünscht ihnen morgen einen fröhlichen, unbeschwerten und unvergesslichen Tag.
Von Walter Ryser