• Hohe Kosten: Der FC Langenthal erhält für den Unterhalt des Fussballplatzes «Rankmatte» mehr Geld von der Stadt. Bild: Leroy Ryser

29.11.2024
Langenthal

Geld für FCL – Familienzentrum muss warten

Das geplante Familienzentrum in der Alten Mühle in Langenthal muss eine Zusatzschlaufe absolvieren. Der Langenthaler Stadtrat entschied sich für eine zweite Lesung, damit fehlende Unterlagen vom Gemeinderat nachgereicht und Zahlen zu den Kosten angepasst werden können. Dafür erhält der FC Langenthal künftig jährlich einen um 40 000 Franken höheren Unterstützungsbeitrag von der Stadt.

Aufatmen beim FC Langenthal nach der letzten Stadtratssitzung. Dieser stimmte nämlich grossmehrheitlich einer Erhöhung des jährlichen Unterstützungsbeitrags von 130 000 Franken auf 170 000 Franken zu. Damit soll der Unterhalt der Infrastruktur auf dem Fussballplatz Rankmatte finanziert werden. Seit 2020 erhält der FC Langenthal von der Stadt einen Unterstützungsbeitrag an die Infrastrukturkosten auf der «Rankmatte» von 130 000 Franken. Aufgrund steigender Energiekosten, aber auch wegen steigenden Unterhaltskosten der baufälligen Infrastruktur sowie des Kunstrasens spitzte sich die finanzielle Lage des FC Langenthal zu. Deshalb beantragten die Verantwortlichen des Klubs bei der Stadt eine Anpassung des jährlichen Unterstützungsbeitrags, nicht zuletzt, weil weitere dringende Sanierungsarbeiten (Flutlichtanlage) bevorstehen. Dazu beantragte der FCL auch den Erlass bestehender Schulden gegenüber der Stadt.

Besorgte Stadträte
Das Amt für Bildung, Kultur und Sport (ABiKuS) arbeitete daraufhin einen Vorschlag aus, der eine Erhöhung des jährlichen Unterstützungsbeitrags von 30 000 Franken vorsah, dazu ein zinsloses Darlehen für die Umrüstung der Flutlichtanlage auf ein LED-System. Einen Schuldenerlass lehnte das ABi­KuS dagegen ab. Weitere Gespräche zwischen der Stadt und dem FCL ergaben dann, dass der Unterstützungsbeitrag nicht ausreichen dürfte. Gemeinsam einigte man sich darauf, den Unterstützungsbeitrag um jährlich 40 000 Franken auf 170 000 Franken zu erhöhen. Der FC Langenthal verpflichtet sich im Gegenzug, bis Ende 2025 ein bewilligungsfähiges Baugesuch zum Neubau von Garderoben und Sanitäranlagen auf der «Rankmatte» einzureichen. Zudem muss der Klub eine Bedarfsplanung betreffend die FCL-Zukunft auf der «Rankmatte» einreichen, damit die Stadt Anhaltspunkte erhält, mit welchen künftigen Kosten noch zu rechnen ist. Mit diesem Vorgehen konnte sich der Langenthaler Stadtrat grossmehrheit-lich einverstanden erklären. Der parteilose Stadtrat Pascal Dietrich erwähnte zwar, dass dieses Geschäft in der FDP-/jll-Fraktion viel zu reden gab und man ernsthaft besorgt sei, «weil wir uns fragen, wohin das mit unseren Sportvereinen noch führen wird, weil diese offenbar auf immer grössere finanzielle Unterstützung durch die Stadt angewiesen sind». Allgemein überwog jedoch die Meinung, dass der FC Langenthal einen hohen gesellschaftlichen Nutzen erbringe im Bereich der Nachwuchsförderung sowie der Integration junger und ausländischer Kinder und Jugendlicher.

Positive Stimmung gegenüber Familienzentrum
Einen solchen Nutzen soll auch das geplante neue Familienzentrum in der Alten Mühle für die Gesellschaft von Langenthal und der Region bringen, wie Gemeinderätin Martina Moser (Ressort Sozialwesen, Altersfragen und Gesundheit) gegenüber den Stadträtinnen und Stadträten ausführte (der «Unter-Emmentaler» berichtete im Vorfeld der Stadtratssitzung darüber). Sie erwähnte, dass Familien in der heutigen Zeit mit komplexen Herausforderungen konfrontiert seien, aber in Langenthal kein niederschwelliger Begegnungsort für Familien vorhanden sei. Auch fehle eine zentrale Anlaufstelle für Angebote im Bereich der frühen Förderung von Kindern. Weiter wies die Gemeinderätin darauf hin, dass die Liegenschaft der Alten Mühle seit gut einem Jahr leer steht. Trotz der Realisierung eines Familienzentrums in diesen Räumen soll die Gratisnutzung für Vereine aber auch eine kommerzielle Nutzung der Alten Mühle weiter gewährleistet sein. Ein weiterer Leerstand des Gebäudes würde die Stadt viel Geld kosten. Mit der Realisierung eines Familienzentrums würde die Stadt der Bevölkerung an einem zentralen Ort ein attraktives Angebot im Bereich der frühen Förderung sowie für Familien ermöglichen. Dafür sollen den Nutzern des Familienzentrums diverse Dienstleistungen zur Verfügung stehen wie Kinderbetreuung, Notfallbetreuung, Schwangerschaftskurse, Babysitterkurse, Geburtsvorbereitung, Kinderbrocki oder Mütter- und Väterberatung, Beratung beim Wiedereinstieg in das Berufsleben und viele mehr. Das Vorhaben soll als Pilotprojekt über fünf Jahre realisiert werden. Die finanzielle Unterstützung des Betriebes durch die Stadt Langenthal für die Zeit des Pilotprojekts von 2025 bis 2030 beträgt maximal 475 000 Franken. Für bauliche Anpassungen in der Alten Mühle sind zudem 190 000 Franken erforderlich und für die Abgeltung der Hauswartung sowie Bewirtschaftung der Gratisnutzung in der Alten Mühle sind gesamthaft maximal 700 000 Franken vorgesehen. Damit belaufen sich die Gesamtkosten für die Stadt Langenthal während der fünfjährigen Phase des Pilotprojekts auf gesamthaft 1,365 Millionen Franken.

Nur SVP sieht keinen Bedarf
In der Diskussion wurde rasch klar, dass eine Mehrheit im Stadtrat der Realisierung eines Familienzentrums positiv gegenübersteht, nicht zuletzt, weil dieses vorerst «nur» als Pilotprojekt realisiert werden soll. Sogar von einem Leuchtturm-Projekt für Langenthal und die Region sprachen einige (Linus Rothacher/SP). Einzig die SVP-Fraktion sprach sich klar dagegen aus, wie Stadträtin Corinna Grossenbacher zu verstehen gab, die das Vorhaben nicht als Leuchtturm-, sondern als ein «Nice-to-have-Projekt» bezeichnete und darauf hinwies, dass alle im Familienzentrum geplanten Angebote für die Bevölkerung in Langenthal bereits zur Verfügung stehen würden. Eigentlich hätte das Projekt aufgrund der Stimmungslage im Stadtparlament an diesem Abend genehmigt werden können, wäre da nicht die Geschäftsprüfungskommission (GPK) gewesen, die bemängelte, dass die vom Gemeinderat zur Verfügung gestellten Unterlagen unvollständig seien und das präsentierte Zahlenmaterial zum Teil unkorrekt sei. Deshalb beantragte die GPK eine Rückweisung des Geschäfts. Weil der Grundtenor gegenüber dem Familienzentrum im Stadtrat positiv war, schlug SVP-Stadtrat Patrick Freudiger einen Kompromiss vor und stellte den Antrag, das Geschäft in einer zweiten Lesung noch einmal zu behandeln. So könne der Gemeinderat bis zur zweiten Lesung die fehlenden Unterlagen nachreichen und das Zahlenmaterial anpassen. Diesem Vorgehen schloss sich eine Mehrheit des Stadtrates an, womit das Familienzentrum nicht zurückgewiesen, sondern lediglich in eine Warteschlaufe versetzt wurde.

Von Walter Ryser