Andreas und Franziska Schär haben ihre Bäckerei nach vier Jahrzehnten in die Hände ihres Sohnes Patrick Schär übergeben. Auf dem Bild mit seiner Frau Andrea Schär und ihrem gemeinsamen Sohn Luca. · Bild: Yanick Kurth
Generationenwechsel bei der Bäckerei Schär
Nach vier Jahrzehnten erfolgreicher Tätigkeit haben Andreas und Franziska Schär ihre beliebte Bäckerei in die Hände ihres Sohnes Patrick Schär und dessen Frau Andrea Schär übergeben. Somit führt die zweite Generation den angesehenen Familienbetrieb an der Huttwiler Spitalstrasse nun weiter. Eine Bäckerfamilie, mit Leib und Seele.
Die Bäckerei Schär an der Huttwiler Spitalstrasse ist im «Blumenstädtchen» beliebt und bekannt. Wenn die Bäcker, Andreas Schär und Patrick Schär, morgens um halb vier Uhr die ersten Brote in den Ofen schieben, sind die Strassen im «Städtli» noch leer. Kurze Zeit später herrscht in der Bäckerei bereits Hochbetrieb und es duftet herrlich nach frisch gebackenem Brot. Auch im Verkaufsladen herrscht frühmorgens schon reger Betrieb, denn viele Kundinnen und Kunden können den knusprigen und frischen «Gipfeli», «gluschtigen» Sandwiches und vielen weiteren Backwaren kaum widerstehen. «Unsere Kundinnen und Kunden schätzen die frühmorgendlichen Öffnungszeiten sehr, gerade jene, die auf dem Weg zur Arbeit ihr Znüni bei uns kaufen», sagt Franziska Schär gegenüber dem «Unter-Emmentaler». Zusammen mit ihrem Mann Andreas Schär hat das eingespielte Team die Bäckerei vier Jahrzehnte lang erfolgreich geführt. Per 1. Januar haben sie ihr Geschäft nun an ihren Sohn Patrick Schär und dessen Frau Andrea Schär übergeben. «Vielerorts müssen Bäckereien schliessen, weil niemand anderes den Betrieb übernehmen möchte – wir sind sehr dankbar, übernimmt unser Sohn nun in zweiter Generation», sagt Andreas Schär. «Es ist mir eine grosse Freude, das Geschäft meiner Eltern und unseren Familienbetrieb als Bäckerei-Konditorei Schär GmbH weiterzuführen», sagt ein sichtlich gerührter Patrick Schär. Der 34-Jährige hat die Ausbildung zum Bäcker bei seinem Vater in der Bäckerei absolviert und konnte danach in anderen Bäckereien Erfahrungen sammeln, ehe er wieder zurück in den Familienbetrieb wechselte.
Know-how bleibt vorerst erhalten
«Mit einem lachenden und einem weinenden Auge geben wir den Betrieb in die Hände unseres Sohnes – eine lange Ära geht zu Ende», sagen Andreas und Franziska Schär. «Für das grosse Vertrauen in unsere Bäckerei und die Treue während den vergangenen vier Jahrzehnten bedanken wir uns bei unseren Kundinnen und Kunden ganz herzlich.» Doch die beiden bleiben der Bäckerei vorerst erhalten. Während sie im laufenden Jahr noch Vollzeit bei ihrem Sohn weiterarbeiten werden, möchten sie dann ab nächstem Jahr ihr Pensum reduzieren. Umgekehrt profitieren auch ihr Sohn und deren Frau vom Know-how, das im Geschäft erhalten bleibt. «Ich habe meinem Vater lange genug über die Schulter geschaut und kenne die handwerklichen Tricks», meint Patrick Schär, «aber für das Geschäftliche bin ich noch froh um den Beistand meiner Eltern.» Die 33-jährige Andrea Schär wird im laufenden Jahr weiterhin als Angestellte beim Kanton tätig sein und voraussichtlich im Jahr 2026 den vollständigen Wechsel in die Bäckerei machen. «Ich freue mich auf die neuen Aufgaben», sagt Andrea Schär. «Zusammen mit unserem Team und der weiteren Unterstützung durch Andreas und Franziska Schär sehen wir zuversichtlich in die Zukunft», so die jungen Geschäftsleute weiter. Den angesehenen und gut funktionierenden Betrieb will das Ehepaar nach dem gleichen Konzept weiterführen. Neue Ideen sollen aber punktuell immer Platz finden, um sich den Bedürfnissen der Kundschaft stets anzupassen. Heute arbeiten 14 Personen im Betrieb: sieben in der Backstube, sieben im Verkauf, davon ein Lernender – sie alle werden unter der neuen Regie weiterbeschäftigt. Die Kundinnen und Kunden sind froh über den Erhalt der Bäckerei Schär und das «Städtli» behält somit einen traditionsreichen Betrieb.
Bäckerei 1984 übernommen
Franziska Schär war immer die lebhafte Chefin und herzliche Gastgeberin im Laden, Andreas Schär der kreative Gestalter in der Backstube, ein Bäcker mit Leib und Seele, der immer viel Wert auf das Handwerk legte. Eine Familie, ein Lebenswerk. Eines, das mehr ist als nur Brot und Gebäck, Konfekt und Meringues. Umso schöner ist es, dass der Betrieb nun in der zweiten Generation weitergeführt wird. Andreas und Franziska Schär haben im August 1984 die damalige Bäckerei Sommer übernommen. Seither sind 40 Jahre vergangen. Der 64-Jährige hat seine Lehre als Bäcker in der ehemaligen Bäckerei absolviert und mit gerade mal 24 Jahren die Bäckerei von seinem damaligen Chef und Ausbildner übernommen. Die 63-jährige Franziska Schär hat eine KV-Lehre bei der Bank in Huttwil absolviert, dort noch einige Jahre gearbeitet und schliesslich mit 23 Jahren zusammen mit ihrem Partner Andreas Schär die angesehene Bäckerei an der Huttwiler Spitalstrasse übernommen. «Wir waren noch jung und recht unerfahren, haben uns aber Schritt um Schritt entwickelt, Personal eingestellt, Lehrlinge ausgebildet», resümiert Andreas Schär. Ihre Geschäftstätigkeit zahlte sich schliesslich aus und so wurden sie bei ihren Kundinnen und Kunden beliebt und entwickelten bis heute eine angesehene und traditionsreiche Bäckerei.
Bis 2005 Filiale an der Luzernstrasse
Nicht nur an der Huttwiler Spitalstrasse hatten die beiden das Zepter in der Hand. Bis im Jahr 2005 führten Andreas und Franziska Schär die ehemalige Bäckerei Moser an der Huttwiler Luzernstrasse. Die dortige Filiale umfasste neben den Backwaren auch einen grossen Bereich mit Lebensmitteln. Gerade die ältere Kundschaft, die in der näheren Umgebung wohnhaft war, schätzte damals diese Filiale, die etwas abseits vom Huttwiler Zentrum lag. Doch mehr und mehr veränderte sich das Kaufverhalten der Bevölkerung, die Grossverteiler erweiterten ihr Angebot und kleine Lebensmittelgeschäfte, damals noch «Tante-Emma-Läden» genannt, verschwanden zunehmend. So auch die Filiale an der Luzernstrasse. Im Jahr 2006 wurde dann im «Postzäntrum» eine Verkaufsfläche frei, welche die Bäckerei Schär bis heute als Filiale nutzt.
Uralte Rezepte bewähren sich
Seit Jahrzehnten kreiert die Bäckerei Schär unverwechselbare Gaumenfreuden, die viele Kundinnen und Kunden regelmässig in den Laden locken. Tradition und Innovation werden bei Familie Schär grossgeschrieben. «Die Rezepte der Lebkuchen, Meringues und der Williams- und Cointreau-Cakes stammen noch immer von der ehemaligen Bäckerei Sommer», fügt der neue Geschäftsführer Patrick Schär an. «Und die Chilbi-Lebkuchen sind ein altes Rezept der ehemaligen Bäckerei Moser (Luzernstrasse)», ergänzt sein Vater. Spezialisiert hat sich das Team der Bäckerei Schär vor allem auf Konfekte aller Art – Pflastersteine, Butterwaffeln, Goldtaler und Wienerkonfekt. In der Backstube sitzt bei der Produktion jeder einzelne Handgriff und jeder Arbeitsschritt ist aufeinander abgestimmt. Das eingespielte Team braucht nicht viele Worte, um sich zu verstehen. In den Jahren und Jahrzehnten habe sich auch das Catering-Geschäft und der Take-away-Bereich erfreulich entwickelt, betont die Familie. Der in der Region weitherum bekannte «Znüni-Blitz» beliefert Firmen, um deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Backwaren aus der Bäckerei einzudecken. Das Angebot ist für die Kundinnen und Kunden sehr praktisch: Denn das «Znüni» wird zu ihnen an den Arbeitsplatz geliefert. In späteren Jahren kamen auch eine Sandwichbar und ein Café, welche beide am Hauptsitz an der Spitalstrasse betrieben werden, hinzu. Alles aufgebaut von Andreas und Franziska Schär.
Mehr Zeit für sich
Konkrete Pläne für die Pension haben Andreas und Franziska Schär aber noch keine geschmiedet. Einzig mehr Zeit in ihrem geliebten Wohnwagen, welcher an einem Westschweizer See stationiert ist, wollen sie verbringen und geniessen können. «Aber natürlich freuen wir uns auch darauf, mal am Abend entspannt eine Einladung annehmen zu können und am Morgen etwas ausschlafen zu dürfen», lacht Andreas Schär.
Von Yanick Kurth/PR