Matthias Mürner in seinem Büro im Schulhaus Hofmatt in Huttwil. · Bild: Reto Pfister
Gespräche sind ein grosser Teil des Jobs
Matthias Mürner ist seit 1. August Gesamtschulleiter der Huttwiler Schule, an der er seit 27 Jahren pädagogisch tätig ist. Er vermisst es ab und zu noch, selbst vor einer Klasse zu stehen.
Matthias Mürner wollte, obwohl er sich in verschiedenen Jugendorganisationen engagierte, ursprünglich gar nicht Lehrer werden. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und war bei den Kadetten in Huttwil als Leiter tätig. Er erkannte da, dass er gerne mit Kindern arbeiten wollte und meldete sich damals für die vom Kanton angebotene Ausbildung für Lehrpersonen auf dem zweiten Bildungsweg an. 1996 war das. In diesem Jahr wurde die Ausbildung in Spiez durchgeführt. Drei Jahre dauerte diese. Danach wäre der junge Lehrer aus Huttwil gerne im Berner Oberland geblieben. Dort bevorzugte man aber Personen aus der eigenen Region, und so bewarb sich Mürner da, wo er bereits verwurzelt war. Vor 27 Jahren wurde er Lehrer in Huttwil und blieb bis heute an der Schule in jenem Ort, in dem er zuvor bereits bestens verankert war. «Hier kenne ich alles, kenne die Leute», nennt er einen grossen Vorteil darin, auch beruflich in Huttwil tätig zu sein. In den letzten Jahren übernahm Mürner kontinuierlich auch Leitungsaufgaben. Er leitete an den Huttwiler Schulen die Zyklen 1 und 2; bis im letzten Schuljahr war er für den Zyklus 2 und den Bereich MR (sonderpädagogische und unterstützende Massnahmen in der Regelschule) verantwortlich. Seit dem 1. August ist der 53-Jährige Gesamtschulleiter in Huttwil mit den Standorten Hofmatt, Städtli, Nyffel und Schwarzenbach. Die Verantwortung für den Bereich MR hat er behalten. Eines stellt Mürner klar: «Ich wurde nicht einfach so befördert und erhielt den Job, weil ich bereits hier an der Schule arbeitete», sagt er. Als er einst als junger Lehrer angestellt wurde, geschah dies über ein Bewerbungsverfahren. Genauso war es jetzt bei der Anstellung als Gesamtschulleiter. «Ich habe eine Bewerbung mit einem Motivationsschreiben eingereicht und hatte ein Vorstellungsgespräch», erinnert er sich. Richtung Schulleitung hatte sich Mürner zuvor schon bewegt, nicht nur durch seine Funktionen in Huttwil. Mürner absolvierte auch an der Pädagogischen Hochschule (PH) eine Schulleiterausbildung in Form eines CAS (Certificate of Advanced Studies).
Ein helfender Mensch mit Sinn für Diplomatie
Den 53-Jährigen reizt an seiner neuen Funktion, dass er seine Lebenserfahrung und seine grosse Erfahrung im pädagogischen Bereich weitergeben kann. Unterrichten tut er selbst nicht mehr, was er manchmal vermisst. «Es war speziell, als ich vor den Sommerferien das letzte Mal vor einer Klasse stand», erinnert er sich. Mürners neue Aufgabe beinhaltet viele Gespräche: einerseits mit Mitarbeitenden der Schule, andererseits auch mit vorgesetzten Stellen sowie der Gemeinde und dem Kanton, den Behörden und den politischen Gremien. «Meine Hauptaufgaben sind es, die Schule zu leiten, zu organisieren und sie gegen innen und aussen zu vertreten», beschreibt er seinen neuen Job. Vor dem Beginn des neuen Schuljahrs war er an den beiden Kick-off-Tagen (Zyklus 1, 2 und 3) mit dabei und stellte dem Huttwiler Kollegium die zehn von ihm formulierten Leitsätze für seine Arbeit als Gesamtschulleiter vor. Sie lauten: «Offene Tür und offenes Ohr», «Ich bin da, um zu helfen», «Informiert sein und informieren», «Wertschätzender Austausch», «Das Kind im Zentrum», «Lernen für die Zukunft», «Kontinuierliche Weiterentwicklung», «Zusammenarbeit als Motor», «Attraktives Umfeld für Lehrpersonen» und «Miteinander mit Haltung». Mürner charakterisiert sich selbst als «Helfertyp». Er kenne die Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler sowie die Behörden. «Ich bin diplomatisch, vermittle gerne», beschreibt er seine Arbeitsweise. Matthias Mürner hat in seiner langen Zeit an der Schule in Huttwil den Wandel in der Pädagogik miterlebt. «Ich weiss nicht, ob wir überhaupt Laptops hatten, als ich hier als Lehrer anfing», sagt er. Bereits in einer verantwortlichen Position erlebte er die Corona-Pandemie, in der das Homeschooling organisiert werden musste. «Das waren sicher auch spezielle Monate.»
Die Eltern interessieren sich mehr für die Schule
Mürner kommt auch auf die veränderte Rolle der Eltern zu sprechen. «Sie interagieren häufiger mit uns als früher. Ich finde das gut.» Zwei grosse Themen beschäftigten den Gesamtschulleiter in letzter Zeit. Einerseits war dies der Lehrkräftemangel. In Huttwil konnten alle Stellen besetzt werden. «Es hat uns geholfen, dass wir PH-Studierenden die Möglichkeit gaben, hier ein Praktikum zu machen», sagt Mürner. «Aus ihren Reihen konnten wir Personen definitiv anstellen.» Dazu konnten motivierte Quereinsteigende unterschiedlichen Alters für die Schule Huttwil gewonnen werden, die sich auch vorstellen können, sich an der Pädagogischen Hochschule weiter für den Lehrberuf zu qualifizieren oder dies schon tun. Zum anderen war es die Hitze, die auch zu Beginn des neuen Schuljahres noch herrschte. Der ehemalige Langenthaler Stadtpräsident Reto Müller sprach sich in seiner Funktion als kantonaler Bildungsdirektor dagegen aus, hitzefrei zu geben. Ein Entscheid, den Mürner stützt. «Wenn die Schule ausfällt, tut das den Kindern nicht gut», hat er eine klare Meinung dazu. «Sie werden aus ihrer gewohnten Struktur gerissen; einige wären auch allein zu Hause.» Die Lehrkräfte seien kreativ, würden Unterrichtsstunden auch mal in den Wald oder ins Schwimmbad verlegen oder in kühlere Räumlichkeiten auf dem Schulareal ausweichen. Gerade in den älteren Gebäudeteilen stiegen auch in Huttwil die Temperaturen zeitweise über 30 Grad. Die Schule ist in den letzten Jahrzehnten vielfältiger und multikultureller geworden. Mürners Anliegen ist es, jedem Kind einen Weg in die Gesellschaft und die Berufswelt zu ebnen. «Ich will in dieser Hinsicht etwas bewegen können», nennt er ein klares Ziel in seiner neuen Funktion.
Von Reto Pfister