• Die grösste von Hand befeuerte Dampflokomotive Europas zog am Sonntagnachmittag hunderte von Besucherinnen und Besuchern ins Eisenbahndepot nach Huttwil. · Bilder: Yanick Kurth

  • Vor dem Huttwiler Eisenbahndepot konnten Lokomotiven und historische Züge aus nächster Nähe betrachtet werden.

  • Simon Minder vom Verein Historische Eisenbahn Emmental (VHE) erklärte den Besucherinnen und Besucher wie eine Dampfmaschine funktioniert.

  • Ein Lokomotivführer ruft seinen Kollegen zu, dass er noch mehr Kohle braucht.

  • Die grösste noch in Betrieb stehende Diesel-Lok der Schweiz verlässt den Bahnhof Huttwil in Richtung Sumiswald.

  • Bei der grössten von Hand befeuerten Dampflokomotive Europas wurden fleissig die Smartphones gezückt.

08.10.2024
Huttwil

Grösste Dampflok Europas besuchte Huttwil

Die beliebten Huttwiler Dampftage lockten am vergangenen Wochenende wiederum viele Besucherinnen und Besucher ins «Blumenstädtchen» und sorgten beim Eisenbahndepot für ein reges Treiben. Unter anderem waren die grösste noch betriebsfähige Grossdiesellok und die grösste handbefeuerte Dampflokomotive Europas zu Gast.

Den Fotoapparat um den Hals gehängt und mit einer Tasche in der Hand schlenderte ein alter Mann von Stand zu Stand. Er kam mit den Ausstellern ins Gespräch. Man kennt sich. Das Pfeifen und Zischen von stehenden und fahrenden Dampflokomotiven war im Huttwiler Eisenbahndepot gut zu hören. Während draussen die echten Eisenbahnen über die Schienen glitten, tuckerten im Huttwiler Eisenbahn-Depot gemächlich Miniaturzüge durch grüne Modelllandschaften. Fans aus der ganzen Schweiz reisten am vergangenen Wochenende nach Huttwil, um historische Züge aus nächster Nähe betrachten zu können. Wenn der Verein Historische Eisenbahn Emmental (VHE) seine Züge an den Huttwiler Dampftagen auf die Schienen schickt, liegt jeweils eine Menge Nostalgie in der Luft. 

Grossdiesellok und riesige Dampflokomotive
Die beliebten Huttwiler Dampftage haben sich in der schweizweiten Eisenbahnszene einen Namen gemacht, und so erscheinen jedes Jahr auch Gast­vereine. Die einmalige Fahrt mit der grössten betriebsfähigen Diesellok der Schweiz war ein besonderes Highlight. Bei offenen Fenstern konnten die Fahrgäste die arbeitende Grossdiesellok in voller Fahrt bestaunen. Weiter traf am frühen Sonntagnachmittag die grösste von Hand befeuerte Dampflokomotive Europas im Bahnhof Huttwil ein. Empfangen wurde die riesige Dampflok im «Blumenstädtchen» von hunderten Eisenbahnfans. Nach einem zweistündigen Aufenthalt folgte dann wieder die Rückreise nach Koblenz. Die historische und gemütliche Fahrt mit dem 66-jährigen alten Schnauzenpostauto führte die Reisenden über die Fritzenfluh nach Sumiswald. Von 1963 bis 2001 transportierte das «Wyssacher-Poschi» auf der Strecke Huttwil–Wyss­achen Personen, Briefe und Pakete.  

Grosser Publikumsaufmarsch
«Wir sind sehr zufrieden mit dem Publikumsaufmarsch, waren im Vorfeld aber etwas nervös, da der Käsemarkt nun erstmals nicht gleichzeitig mit unseren Dampftagen stattfand und wir nicht wussten, wie sich dies auf unsere Besucherzahlen auswirken wird», wie Remo Studer, Sekretär vom Verein Historische Eisenbahn Emmental auf Anfrage des «Unter-Emmentalers» sagt. Der Käsemarkt wurde heuer nämlich erstmals vorverlegt. Die beiden Events haben in vergangenen Jahren jeweils voneinander profitiert, da etliche Besuchende an beiden Anlässen zugegen waren. «Wir verzeichneten dadurch aber nicht weniger Besucherinnen und Besucher und waren positiv überrascht», so Studer abschliessend.

Historische Züge am Leben zu erhalten, verschlingt viel Geld 
Der Verein Historische Eisenbahn Emmental (VHE) erhält für die Nachwelt eisenbahnhistorisch wichtige Zeitzeugen am lebendigen Leben. Der zeit­liche wie aber auch finanzielle Aufwand zum Erhalt dieses Rollmaterials wächst kontinuierlich an. Durch verschärfte Vorschriften können diverse Unterhaltsarbeiten nicht immer durch die Vereinsmitglieder selbst erledigt werden, sondern dafür müssen spezialisierte Firmen beauftragt werden. Ersatzteile sind teilweise nicht ab einem Lager verfügbar, sondern müssen neu angefertigt werden, was zum Teil teure Materialbeschaffungen wie aber auch altes Handwerkerwissen voraussetzen. Das Ziel des Vereines ist es, dass das historische Rollmaterial noch jahrzehntelang einem breiten Publikum anlässlich von Fahrten zugänglich und erlebbar gemacht werden kann. Die hohen Unterhaltskosten der historischen Züge können längst nicht durch die Fahrteneinnahmen gedeckt werden, denn der Verein will mit ihren preisgünstigen Fahrtenpreisen das Mitfahren möglichst allen Menschen ermöglichen. Deshalb ist der Verein fortlaufend auf Gelder wie etwa durch Sponsoring angewiesen. 

Von Yanick Kurth