Die Hüze-Guugger aus Zell in schottischen Kostümen.
Heisse Klänge bei eisigen Temperaturen
Am vergangenen Wochenende verwandelte sich Zell wiederum in eine Fasnachtshochburg. Das grosse Guggen-Monsterkonzert und der anschliessende Party-betrieb in der Festhalle und den unzähligen Bars lockten Tausende von Fasnächtlerinnen und Fasnächtler ins Luzerner Hinterland.
Pünktlich um 18.15 Uhr hallten am vergangenen Samstagabend die ersten Guggenklänge durch die Gassen von Zell. Es war windstill und trocken, aber kalt genug, um sich Mütze und Handschuhe anzuziehen. Kleine Kinder standen warm eingepackt und ausgestattet mit einem Gehörschutz in der ersten Reihe. Gespannt blickten ihre Augen auf die Bühne, auf der sich nach und nach die erste Guggenmusik einreihte. Nicht nur Guggenklänge bekamen die Zuhörerinnen und Zuhörer des Monsterkonzertes zu hören, sondern mit den farbigen Kostümen der Guggen wurde auch einiges fürs Auge geboten. Die närrisch Gesinnten machten den Abend zu ihrer Fasnachtsparty, angeheizt durch den knallharten Sound der 15 Guggenformationen. Am Monsterkonzert sorgten die Hüze-Guugger aus Zell, die Tunnuschränzer aus Altbüron, die Altishofer Schlossruugger, die Honigchuze aus Roggliswil, die Menznauer Seewooggosler, die Ricke-Grunzer aus Ebersecken, die Latärnegugger aus Schötz, die Jordan-Guggenmusig aus Schüpfheim, die Chommerouer Ratteschwänz, die Hürntalschränzer aus Buchs/Uffikon, die Zuger Belcantos aus Baar, die Oberaargauer haub-haub aus Langenthal, die ehemaligen Fröschlochruugger aus Zell, die Bielbachfäger aus Ruswil und die Lättguuger aus Winikon für eine gigantische Unterhaltung. Die Guggenformationen gaben dabei alles. Auch das Publikum, das dicht gedrängt zu Hunderten vor ihnen feierte. Doch nicht alle richteten ihre Aufmerksamkeit auf die Guggen. Hie und da sah man wieder einen alten Freund, dort stiess man mit einem anderen Freund an – und plauderte, falls es der Lärmpegel überhaupt zuliess.
Einzigartige Guggen
Die farbigen, fantasievollen Kostüme der Guggen, aber auch der Fasnächtlerinnen und Fasnächtler leuchteten, und die Guggen zeigten mit Begeisterung ihr Können. Jede Gugge war einzigartig. Sei es bei der Wahl der Musikstücke oder bei den Kostümen. Mal melancholisch, mal überbordend, gelegentlich etwas exaltiert – so präsentierte sich das bereits zur Tradition gewordene Monsterkonzert inmitten von Zell. Das macht den Anlass so speziell. Nach knapp anderthalb Stunden wurde der Festbetrieb in und um die Martinshalle in Zell eröffnet. Es brauchte am einen oder anderen Ort schon etwas Ellbogeneinsatz, um sich bis an die unzähligen Bars durchzukämpfen. Nicht nur die jüngere Generation wusste zu feiern, sondern auch die Rentnerinnen und Rentner amüsierten sich an der MEGA-Fasnachtsparty prächtig. Eine besondere Vielfältigkeit in Zell, denn nicht alle Events schaffen es, das Publikum aus allen Altersgruppen anzulocken. Überall herrschte eine friedliche und vorfasnächtliche Stimmung.
Erstmals an zwei Tagen
Die MEGA-Fasnachtsparty ging heuer unter dem Jubiläums-Motto «Set 45 Johr am Donnere» über die Bühne. Für die organisierende Guggenmusik «Fröschlochruugger» ist es ein besonderes Jahr. Sie feiert heuer ihr 45-jähriges Bestehen. «45 Jahre Guggenmusik – wer hätte gedacht, dass man so lange Krach machen kann und dafür noch Applaus bekommt?», sagt Elian Ruckstuhl, Präsidentin der «Fröschlochruugger». Bei OK-Präsident Christoph Marti liefen an der MEGA-Fasnachtsparty alle Fäden zusammen. «Heuer hat die MEGA aufgrund unseres Jubiläums am Freitag und Samstag stattgefunden», betont er. «Wir waren überwältigt vom derart grossen Interesse und durften am Freitag knapp 1000 Besuchende und am Samstag rund 2200 Besucherinnen und Besucher bei uns begrüssen», freut sich Christoph Marti. Dies, obwohl in der näheren Umgebung noch weitere Fasnachts-Anlässe veranstaltet wurden. Laut Marti ist der neu aufgegleiste MEGA-Park bei den Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern besonders gut angekommen. Diese Location brachte das Feeling von Mallorca und dem Ballermann ins Luzerner Hinterland. «Die Getränke aus den Liter-Kübeln waren derart beliebt, dass am Samstag noch kurzfristig Nachschub organisiert werden musste», sagt Marti. Bis in die frühen Morgenstunden tummelte sich viel Volk auf dem Gelände. Laut dem Organisator verlief alles reibungslos und friedlich. Die rund 50 Mitglieder zählende Guggenmusik «Fröschlochruugger» organisierte den Anlass zwar eigenhändig, durfte aber auf die Unterstützung von weiteren Vereinen zählen.
Von Yanick Kurth