Hotelboy Valentin Schalk (Ron), Direktorin Barbara Buschor (Milena) und Concierge Melchior Krüsi (Noah) mit der unschuldig zu verhaftenden Wanda Majakowski (Nina) sowie den zwei Polizistinnen (Lara und Saniay). · Bilder: Hans Mathys
Hochbetrieb im «Grand Hotel Olympic»
30 Schülerinnen und Schüler des Oberstufenzentrums Langenthal traten mit dem Musical «Grand Hotel Olympic» zweimal auf die Bühne des Stadttheaters. Auf eindrückliche Weise inszenierten sie die Geschichte des einst im Glanz erstrahlenden und heute heruntergekommenen Hotels in den Schweizer Alpen.
Die Achtklässler des Oberstufenzentrums Langenthal haben mit der Auswahl des Stücks «Grand Hotel Olympic» von Autor Gerhard Schütz – geboren am 15. Dezember 1956 in Bonn – die Messlatte hoch gesetzt. Dies mit grossem Erfolg, denn die Theaterproduktion überzeugt von A bis Z. Das Stück bewegt sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Es verbindet dramatische, berührende und komische Momente miteinander. Eine Schulklasse entdeckt während des Schneesportlagers mysteriöse Spuren aus der Vergangenheit – und das längst vergessene Hotel beginnt, seine Geschichte zu erzählen. In der Gegenwart offenbart das Gebäude, dass es seine besten Zeiten längst hinter sich hat. In einer alten Truhe stossen Schülerinnen und Schüler auf rätselhafte Fundstücke wie verrostete Schlittschuhe, eine rote Abendrobe, Gedichte, Pinsel und so weiter. Die alte Hotelbesitzerin beginnt, ihre Geschichte zu erzählen.
Gäste aus aller Welt logierten hier
Beim Rückblick in die Vergangenheit, aufs Jahr 1937, herrscht im damals luxuriösen Hotel Hochbetrieb. Gäste aus aller Welt logieren hier – darunter Dichterinnen und Dichter, Politikerinnen und Politiker, Liebende sowie Lebenskünstler weiblichen und männlichen Geschlechts. Hinter der schönen Fassade lauern jedoch Geheimnisse, Sehnsüchte und Wendungen, die das Schicksal des Hotels für immer verändern werden. Hier verkehrten früher noble Gäste aus aller Welt. Heute dient das marode, verlotterte Hotel als günstiges Skilagerhaus, in dem auch der Lift längst seinen Geist aufgegeben hat. «In Reparatur», steht auf einem Schild. «Das isch e längi Gschicht», sagt die in die Jahre gekommene Hotelbesitzerin Célestine (Lisa) zu den Skilagerkindern und beginnt von den einst vornehmen Gästen zu erzählen, die hier logierten. Das köstlich unterhaltene Publikum erfährt, was in den Glanzjahren des Hotels feudale Kreise hier erlebten.
«Weichei» oder nur eine Ausrede?
Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Direktorin Barbara Buschor (Milena) und Concierge Melchior Krüsi (Noah), die an der Reception – hier sind aktuell sieben Schlüssel aufgehängt – Freuden und Leiden der anspruchsvollen Gäste erfahren und dabei schon mal einen Rüffel einstecken müssen. «Ich bin unzufrieden, sehr unzufrieden», beklagt sich Madame Françoise de Malville (Carla S.), wobei diese Reklamation wohl an Zimmermädchen Rosa Grimm (Jana) zu richten ist. Diverse kernige Sprüche lösen beim gut gelaunten Publikum wiederholt kollektives Lachen aus. So auch, als ein Gast an der Reception einen zerbrochenen Ski präsentiert und behauptet, ganz normal gefahren zu sein, als plötzlich ein Baum entgegengekommen sei. Der Concierge macht auch gute Miene zum bösen Spiel, als sich jemand telefonisch krankheitshalber für den Skikurs abmeldet. «Gute Besserung. Ich verstehe, dass sie nicht kommen können», quittiert der Concierge die Absage, die wohl als Ausrede einzustufen ist und findet, als er den Hörer aufgehängt hat, das passende Wort: «Weichei». Die Liste der Absagen wird länger und länger. Der wahre Grund dafür ist wohl Skilehrer Toni Abegglen (Danilo), dessen Unterricht gefährlich und gar nicht dem Können der Teilnehmenden angepasst ist.
Musical mit Songs und Tänzen
Weil «Grand Hotel Olympic» ein Musical ist, kommt das Publikum in den Genuss von erfrischend vorgetragenen acht Songs: «Forever Young» (zuletzt als Zugabe nochmals gesungen), «Memories», «Price Tag», «Love Story», «Je veux», «Marry You», «Ausklaar» und «Auf uns». Die für die musikalische Gesamtleitung zuständige Lehrerin Anna-Lena Berner leistet hier gemeinsam mit dem Chor (ohne Notenblätter) ganze Arbeit. Eine Augenweide sind auch die Darbietungen der Tanzequipe. Mit einem «Damentrick» gelingt es der jungen Célestine de Malville (dargestellt von Kim), die Aufmerksamkeit von Hotelboy Valentin Schalk (Ron) auf sich zu lenken. Sie lässt ihr Taschentuch fallen – und der Hotelboy, der die Direktorin zuweilen mit seinen rezitierten Gedichten nervt, hebt es auf. Zwischen den beiden «funkt» es sogleich – wie ebenfalls bei Wanda Majakowski (Nina), der unerschrockenen Künstlerin, und Leonhard Menzel (Mikel), dem Künstler, der kein solcher, sondern Journalist ist. Angedeutet wird zudem, dass sich eine Liebelei zwischen dem Waffenfabrikanten Hubert Bührer (Thierry) und Françoise de Malville anbahnt. Drei Miniauftritte hat Scheich Ibn S. (Ilya), der in Begleitung von den zwei weiblichen italienischen Hotelgästen Lucia (Yanna) und Leonora (Eva) die Treppe runterkommt. Bald zeigt sich, dass sich das Hotel speziell bei Stammgästen besonderer Beliebtheit erfreut.
Concierge in Bestechungsnotlage
Wie soll sich der Concierge verhalten, als ihn Marlene Braunwald (Medaa) bestechen will und dabei mit einer Tausendernote winkt? Die Lage spitzt sich zu, als die beiden Polizistinnen (Lara und Saniay) auftauchen, um die (unschuldige) Wanda zu verhaften. Es kommt aber wie erhofft zum Happy End. Dies einerseits bei den 30 Leuten auf der Bühne, als auch bei jenen 30 hinter der Bühne. Beeindruckend, was die drei Klassen der 8 A, B und C – begleitet von der Band «Satellight» – geleistet haben. Unter der Gesamtleitung von Anna-Lena Berner, Valentina Wüthrich und Urs Wegmüller – unterstützt von Michael Gerber (Bühnenbild) und Kathrin Oplatka (Theaterpädagogin) – ist dem Team ein grosser Wurf gelungen. Hier stimmten auch Details wie die edle goldene Beschriftung der Reception, die funktionierende Hotelklingel und die Fenster mit Blick auf die mit Schnee bedeckten Alpen. Dabei war ersichtlich, ob es Tag oder Nacht war. Manchmal fielen sogar Schneeflocken. Das bei der ersten Vorstellung 250- und bei der zweiten 200-köpfige Publikum ist des Lobes voll. Das Fazit von Lehrer Urs Wegmüller: «Wir haben uns immer wieder über den unermüdlichen Einsatz der Jugendlichen und aller beteiligten Lehrpersonen gefreut. Ebenfalls haben uns die Band Satellight sowie die Crew des Stadttheaters tatkräftig und professionell unterstützt. Von den Schülerinnen und Schülern wurde viel verlangt: zuhören, aufeinander Rücksicht nehmen, miteinander singen, zusammen proben. Wir waren ein super Team. So ist mit diesem Musical ein Gemeinschaftswerk entstanden, und wir können nun auf ein gelungenes Projekt zurückblicken.» In dieser Dimension sei das «Grand Hotel Olympic» das erste grosse Musical seit einigen Jahren gewesen, das das Oberstufenzentrum Langenthal «gestemmt» habe. Urs Wegmüller strahlt nach dem aktuellen Erfolg und den positiven Rückmeldungen Zuversicht aus: «Wir hoffen, dass es schon bald wieder ein Musical gibt.»
Von Hans Mathys