• Geschäftsführer René Trösch führte durch den Showroom. · Bild: Reto Pfister

  • Früher wurde hier Porzellan gebrannt – heute befindet sich hier ein kleines Museum. · Bild: Reto Pfister

  • Auf dieser Tasse ist das Langenthaler Wappen abgebildet. · Bild: Reto Pfister

  • Dieser Teller weist eine spezielle Oberflächenstruktur auf. · Bild: Reto Pfister

  • Das «Bopla»-Geschirr kann man immer noch kaufen. · Bild: Reto Pfister

07.07.2026
Langenthal

Hohe Qualität als Markenzeichen

Produziert wird in der Langenthaler Porzellanfabrik schon seit längerer Zeit nicht mehr. Porzellan aus Langenthal gibt es aber nach wie vor. Geschäftsführer René Trösch erklärt, wie das genau funktioniert.

Die Porzellanfabrik Langenthal, kurz «Porzi» genannt, feiert 2026 ihr 120-jähriges Jubiläum. Ein Buch ist dazu entstanden, verschiedene Anlässe standen auf dem Programm. Produziert wird auf dem Porzi-Areal schon seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr. Porzellan aus Langenthal gibt es jedoch immer noch. 
Gefertigt wird es mittlerweile in Karlsbad in Tschechien. René Trösch, der Geschäftsführer der Porzellanfabrik Langenthal AG, erklärt, wie die «Porzi» heute funktioniert.

Verkauf und Marketing erfolgen von Langenthal aus
Seit 2002 gehört die Porzi zur in Karlsbad beheimateten Benedikt-Gruppe. Produziert wird zentral in Karlsbad. In Langenthal gibt es einen Showroom, in dem Geschirr aus Porzellan gekauft werden kann; auch ein Lager besteht weiterhin. Der Verkauf in der Schweiz und das Marketing erfolgen ebenfalls von Langenthal aus. Auf der Unterseite ist das Logo der Porzellanfabrik eingraviert, allerdings ohne Schweizer Kreuz, weil zentral in Tschechien produziert wird.
«In jedem Land sind andere Dekors und Designs gefragt», liefert Trösch die Begründung, warum eine Vermarktung speziell für die Schweiz zwingend notwendig ist. Auch die Designs selbst werden nicht mehr in Langenthal entwickelt. Die Porzellanmalerin, die noch lange nach der Übernahme durch die Benedikt-Gruppe vor Ort tätig war, ist inzwischen pensioniert. Sie wurde nicht ersetzt. Wirtschaftlich wäre es kaum vertretbar gewesen, die Stelle neu zu besetzen.
Denn auch vor der Porzellanherstellung hat die technologische Entwicklung nicht Halt gemacht. Es gibt nach wie vor spezielle Designs, die von Hand auf Teller, Tassen und Bowls gemalt werden. Vieles kann jedoch im Siebdruckverfahren gemacht werden, einiges sogar in einem Digitaldruckverfahren. Das Porzellan selbst wird bei einer hohen Temperatur von 1440 Grad Celsius gebrannt, was für die Langlebigkeit der Produkte sorgt. 
«Nachhaltigkeit und Qualität sind uns wichtig», sagt Trösch. «Anders wäre es nicht möglich, gegen die Konkurrenz zu bestehen.» Gerade in Fernost gibt es Hersteller, die optisch sehr ansprechende Ware produzieren, die zudem preislich günstiger ist. Trösch gibt ein Beispiel, warum es sich lohnen kann, qualitativ hochwertiges Porzellan aus Langenthal zu kaufen. «In Fernost wird bei der Produktion manchmal Knochenmehl beigemischt», sagt Trösch. «Auf so hergestellten Tellern wird das Essen rascher kalt, vor allem beim Essen im Freien.» Ein wichtiger Punkt – gerade bei den grösseren Institutionen, die ihr Geschirr bei der «Porzi» beziehen. 60 Prozent des Langenthaler Porzellans werden an Restaurants, Hotels, Spitäler und Alterseinrichtungen verkauft.

Die Rohstoffe sind in Tschechien alle vorhanden
Porzellan ist ein hundertprozentiges Naturprodukt; es wird aus den Rohstoffen Kaolin, Feldspat und Quarz hergestellt. Diese Rohstoffe sind in Tschechien allesamt vorhanden, weshalb eine zentrale Fabrikation des Porzellans in Karlsbad Sinn ergibt. Teller werden aus Granulat gepresst, Tassen und Schalen werden gedreht. Auch wichtig zu wissen: Bei einer Geschirrserie ist kein Teller exakt gleich gross und gleich schwer, Differenzen von fünf bis zehn Gramm sind üblich. Alle zwei Wochen bringt ein Lastwagen neu produzierte Ware aus Tschechien in den Oberaargau. 
Wird eine Geschirrserie entwickelt, vergehen zwei bis drei Jahre, bis das definitive Produkt auf den Markt gelangt. «Es gibt meist vier bis fünf Anpassungen, bis definitiv feststeht, wie eine Tasse oder ein Teller aussieht», verrät Trösch. Wird eine Serie einmal ins Angebot aufgenommen, wird sie für längere Zeit erhältlich bleiben. «Qualität, Langfristigkeit und Nachhaltigkeit sind unsere Stärken», sagt Geschäftsführer Trösch. «Bei uns ist eine Serie mindestens zehn Jahre lang verfügbar.» Dies ist gerade bei Kunden aus der Gastronomie wichtig, wenn diese Geschirr nachbestellen müssen. Die berühmt gewordene farbige «Bopla»-Serie aus den 1990er-Jahren etwa ist weiterhin verfügbar und kann auch in Langenthal gekauft werden.
Das sind Punkte, mit denen in einem hart umkämpften Markt bestanden werden kann. Am meisten verkauft wird gemäss Trösch von September bis Dezember. Private kümmern sich nach dem Sommer wieder vermehrt um die Inneneinrichtung, in der Gastronomie beginnt die Wintersaison, und Weihnachten rückt näher. 
Porzellan aus Langenthal gibt es also noch immer, auch wenn es in Tschechien hergestellt wird. Im Showroom lebt die 120-jährige Geschichte der Porzellanfabrik weiter.

Von Reto Pfister