Die erste Sumiswalder Bierwanderung fand am Samstag bei idealem Wanderwetter statt. Die Teilnehmenden waren auch deswegen bei bester Laune. · Bilder: Marion Heiniger
Hopfen, Höhenmeter und gute Laune
Bei idealem Wetter ging in Sumiswald am vergangenen Samstag die erste Bierwanderung über die Bühne, und die Teilnehmenden wurden im Viertelstundentakt auf die Strecke geschickt. Eine freie Korrespondentin des «Unter-Emmentalers» und die Redaktionsleiterin mischten sich unter die Wanderlustigen und starteten gemeinsam mit einer Gruppe um 9.45 Uhr.
Sumiswald, Bierwanderung · Vor ihnen lag ein acht Kilometer langer Wanderweg mit verschiedenen «Bier-Stationen». Wäre man ihn am Stück gelaufen, hätte die Strecke rund zweieinhalb Stunden gedauert. Dass sie das Ziel erst sechseinhalb Stunden später erreichen würden, damit hatten die beiden Frauen nicht gerechnet. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und sorgte bereits am Morgen für gute Laune. Das erste Bier – ein «Hügu Bier» – konnte direkt am Start in Bahnhofsnähe verkostet werden, was die Motivation zusätzlich steigerte. Ausgerüstet wurden die Teilnehmenden zudem mit einem Bierpass zum Umhängen sowie einem Bierhumpen mit drei Dezilitern Fassungsvermögen. Dieser wurde entweder brav im Rucksack verstaut, lässig mit einem Karabinerhaken an der Hose befestigt oder am Gürtel getragen. Bereits vor dem Start wurden erste Kontakte geknüpft. Besonders auffällig war eine Hornussergruppe aus Dieboldshausen: zehn Personen, darunter eine Frau, alle ausgestattet mit knallorangen Hüten – kaum zu übersehen und offensichtlich bereit für jedes Bier-Abenteuer. «Wir vereinen zwei Hobbys: das Wandern und das Biertrinken, und fördern so das Teambuilding», erklärte einer der Hornusser lachend. Auch die beiden «UE»-Frauen reihten sich ein und machten sich motiviert auf den Weg Richtung Sumiswalder Werkhof. Wer aber dachte, es gehe gemütlich los, wurde rasch eines Besseren belehrt. Es folgte jener Teil der Wanderung, den wohl einige gerne übersprungen hätten: Ein steiler Abschnitt führte über ungleiche Stufen hinauf Richtung Schloss Trachselwald. Spätestens jetzt wich die anfängliche Leichtigkeit einem gewissen Schnaufen. Japsend und nach Luft ringend fragten sich die beiden «UE»-Frauen, ob die Anmeldung wirklich eine so gute Idee gewesen war. Doch wie so oft im Leben folgte oben angekommen die Belohnung. Bei einem Bauernhof auf dem Harisberg wartete beim ersten Bierposten die erste Degustation mit drei verschiedenen Biersorten der Brauerei Stahler Bier aus Grossdietwil. Die Anstrengung war schnell vergessen. Der Bierpass enthielt pro Posten drei Coupons – jeder gut für einen Deziliter Bier. Wer sich nicht entscheiden konnte, probierte alle drei angebotenen Biersorten; wer wusste, was schmeckt, blieb bei einer Sorte. Die beiden «UE»-Frauen zeigten sich diszipliniert und gönnten sich vorerst nur einen Deziliter – schliesslich war der Weg noch lang und ein Bericht wollte auch noch geschrieben werden. Zudem hatte eine der beiden mit der Handykamera ohnehin alle Hände voll zu tun. Die Stimmung war bereits ausgelassen, Gespräche wurden lebhafter, und erste Bekanntschaften wurden geschlossen oder vertieft. Gut gelaunt zog die Gruppe weiter Richtung Schloss Trachselwald, wo bereits der zweite Posten wartete. Dort wurden drei Biersorten der Gasthofbrauerei zum Löwen aus Grünenmatt ausgeschenkt. Wer dachte, es bleibe bei flüssiger Verpflegung, wurde positiv überrascht: Mit Rösti und Spiegelei wurde auch für eine solide Grundlage gesorgt.
Mit Aussicht von Posten zu Posten
Der weitere Weg führte über Wiesen und durch schattige Waldabschnitte. Trotz sommerlicher Temperaturen machte eine leichte Bise das Ganze erstaunlich angenehm. Und so ging es Schritt für Schritt weiter – mal mehr, mal weniger trittsicher, aber durchgehend gut gelaunt. Auf der Haretegg wartete das Burgdorfer Bier. Unter Linden und Sonnenschirmen sowie bei schöner Aussicht über die Hügel des Emmentals lud das Ambiente zum Verweilen ein. Wer schon wieder einen kleinen Hunger verspürte, konnte sich einen «Chäsbrägu» schmecken lassen. Langsam vermischten sich die Gruppen, und immer neue Bekanntschaften wurden geknüpft. Die folgende Strecke bot eine eindrückliche Aussicht auf Sumiswald und den Heimisbach. Schon von Weitem war der nächste Posten sichtbar. Auf der Steinweid konnte man das «Mein Emmental Bier» aus Zollbrück degustieren – wiederum in verschiedenen Sorten. Für das kulinarische Wohl sorgte Steiner Fleisch aus Sumiswald. Langsam, aber sicher wurden die Aufenthalte an den Posten länger – die Hälfte der Strecke war geschafft. Die Stimmung war ausgelassen, Musik sorgte zusätzlich für gute Laune und lud zum Mitsingen ein. Auch die beiden «UE»-Frauen blieben etwas länger sitzen und genossen die Gesellschaft. Gemütlich führte die Wanderung weiter über Senggen zum nächsten Posten auf dem Rossboden. Dort sorgten die verschiedenen «proBIERmi»-Biere aus Sumiswald für eine willkommene Erfrischung. Besonders beliebt waren die Holzbretter mit fünf kleinen Bechern zum Probieren – bald standen sie auf vielen Tischen. Eine Bretzel oder eine Glace sorgten zwischendurch für das nötige Gleichgewicht. Fast ein wenig wehmütig darüber, dass dies bereits der letzte Posten vor dem Ziel war, machten sich die «UE»-Frauen wieder auf den Weg. Schon bald war der Schiessstand Sumiswald in Sicht – doch der Schein trügte: Bis dorthin zog sich der Weg noch ein gutes Stück. Zufrieden und bei bester Laune erreichten die Wanderlustigen schliesslich das Ziel, wo das «Hügu Bier» aus Sumiswald sowie Chili con Carne, Bratwurst und Pommes für das leibliche Wohl sorgten. Die Stimmung bei den Ankommenden war ausgelassen und fröhlich, und die Erkenntnis der Wandernden fiel entsprechend einhellig aus: ein wunderschöner Tag, herrliches Wetter und eine perfekt organisierte Wanderung. So meinten etwa auch Markus Sommer und Matthias Hagmann aus Heimisbach: «Es ist schön, dass jemand so etwas organisiert, das muss man unterstützen. Wir geniessen hier Heimvorteil und treffen alte Freunde.»
Positive Bilanz der Organisatoren
Auch die Bilanz der Veranstalter, der Bierfreunde Sumiswald, fällt durchwegs positiv aus: «Wir waren sehr positiv überrascht. Bereits zwei Monate vorher waren die 500 Tickets ausverkauft. In den letzten Tagen ist unser Telefon heissgelaufen, viele wären gerne noch mit dabei gewesen», sagt Michael Heiniger. «Und heute ist wirklich alles tipptopp gelaufen. Wir sind sehr zufrieden, es gab keine Probleme, die Besuchenden waren alle sehr freundlich und friedlich.» Sie hätten durchwegs positive Rückmeldungen erhalten, erklärte Heiniger. Einige hätten sogar angemerkt, dass die Bierwanderung auch nächstes Jahr wieder stattfinden sollte. Die gute Nachricht: Sie ist laut den Organisatoren bereits in Planung. Alles hat geklappt – oder doch nicht ganz? «Wir wollten am Abend einen Projektor aufstellen, um ein Spiel der Eishockey-WM live zu zeigen, aber der Projektor funktionierte nicht», erzählt Michael Heiniger. Doch dies brachte die Truppe nicht aus der Fassung – kurzerhand wurde ein Fernseher organisiert. Einige blieben noch bis spät in die Nacht und liessen die erste Bierwanderung in Sumiswald friedlich ausklingen.
Fazit der «UE»-Frauen
Ein fantastischer Tag bei herrlichem Wetter, in einer sehr schönen Landschaft und in bester Gesellschaft. Der Anlass war rundum gelungen und sehr gut organisiert. Und mal abgesehen vom Bier wurde auch etwas für die Gesundheit getan: Rund acht Kilometer, 266 Höhenmeter, etwa 13 000 Schritte und 1432 verbrauchte Kalorien – verteilt auf sechs Stunden und 36 Minuten.
Von Marianne Ruch