353 Stimmberechtigte nahmen an der Gemeindeversammlung im Hirtensaal teil. · Bilder: Felix Ott
Huttwil hält am Schulhaus Nyffel fest
An der Gemeindeversammlung prallen unterschiedliche Einschätzungen zur Bevölkerungsentwicklung und zu den Kosten aufeinander. Am Ende steht ein deutliches Votum für drei Standorte und für überschaubare Schulhäuser, in denen man sich kennt. Zudem wurde das Budget fürs kommende Jahr und ein neues Strassenbeitrags-reglement beschlossen.
Die Huttwilerinnen und Huttwiler haben an der Gemeindeversammlung ein klares Zeichen gesetzt. Das Schulhaus Nyffel soll Teil der schulischen Zukunft bleiben. Nach einer emotional geführten Debatte stellten sich die Stimmberechtigten deutlich gegen die vom Gemeinderat bevorzugte Variante ohne Nyffel. 353 Personen fanden am Mittwochabend den Weg an die Gemeindeversammlung. Zur Abstimmung stand nicht ein konkretes Bauprojekt, sondern ein Verpflichtungskredit für die Beschaffung von Planerleistungen für den zukünftigen Schulraum. Zwei Wege lagen auf dem Tisch:Variante eins sah vor, die Schule künftig auf zwei Standorte zu konzentrieren und Nyffel aufzugeben. Die Planungskosten dafür wurden auf 1,2 Millionen Franken beziffert. Variante zwei setzte auf drei Standorte mit Nyffel und sollte 1,4 Millionen Franken Planungsaufwand auslösen. Die Versammlung entschied sich mit 230 zu 111 Stimmen für die teurere, aber pädagogisch breiter abgestützte Variante mit Nyffel. Damit ist klar: Die nächsten Planungsschritte sollen davon ausgehen, dass Huttwil auch künftig drei Schulstandorte betreibt.
Blick ins Jahr 2040
Auslöser der ganzen Übung ist die Erkenntnis, dass die heutigen Gebäude und Raumstrukturen den pädagogischen Anforderungen nur bedingt entsprechen. Gleichzeitig verändert sich Huttwil. Die Gemeinde geht aufgrund der laufenden Bautätigkeit davon aus, dass bis 2040 rund 6000 Menschen im Städtchen leben werden. Heute sind es ungefähr 5200. Mit dem Bevölkerungswachstum steigt auch der Bedarf an Schulraum. In den Prognosen ist von 33 Klassen in Primarschule und Oberstufe sowie sechs Kindergartenklassen die Rede. Derzeit sind es 27 Klassen in der Volksschule und fünf Kindergartenabteilungen. Vor diesem Hintergrund wollte der Gemeinderat die Schullandschaft neu ordnen und schlug die Konzentration auf zwei Standorte vor. Aus seiner Sicht wären beide Varianten pädagogisch vertretbar, die konzentrierte Lösung dafür finanziell besser verkraftbar.
Lehrpersonen stellen Pädagogik vor Finanzen
Im Saal war spürbar, dass viele sich bewusst auf diesen Abend vorbereitet hatten. Zahlreiche Lehrpersonen und Eltern waren anwesend, insbesondere aus dem Einzugsgebiet Nyffel, aber auch aus anderen Quartieren. Mehrere Lehrerinnen und Lehrer meldeten sich zu Wort. Ein Pädagoge bezeichnete die Idee einer Konzentration auf zwei Standorte sinngemäss als zu engen Rahmen für die Kinder. Andere stützten diese Sicht und erinnerten daran, dass Schulraum mehr ist als Quadratmeter und Klassenzimmer. Ein weiteres Argument betraf die Grösse der Schulhäuser. Grössere Komplexe könnten mehr Anonymität mit sich bringen, hiess es. Je weniger man sich im Schulhaus kenne, desto schwieriger werde es, Probleme früh zu erkennen. Mehrere Voten erinnerten daran, dass gerade in einer Landgemeinde die Überschaubarkeit der Schulhäuser ein Wert an sich sei.
Demografie als Streitpunkt
Ganz einig war man sich aber nicht in der Frage, wie stark Huttwil tatsächlich wachsen wird. Ein Stimmberechtigter stellte die vom Gemeinderat präsentierten Prognosen offen in Frage. Die demografische Entwicklung in der Schweiz zeige eher eine Abflachung, argumentierte er, und fragte, ob wirklich so viele junge Familien nach Huttwil ziehen würden. Wenn die Kinderzahlen tiefer ausfallen als prognostiziert, stellte er in den Raum, brauche es den Standort Nyffel vielleicht gar nicht mehr. Gemeinderat Adrian Lienhard betonte mehrmals, das der vorliegende Plan eine Skalierbarkeit zulasse. Sollten sich die Zahlen anders als erwartet entwickeln, könnten die baulichen Massnahmen bei der Hofmatt grösser oder kleiner ausfallen. Umso deutlicher war am Ende die politische Antwort im Saal. Eine Mehrheit traute der Wachstumsprognose oder wollte sich zumindest die Option auf genügend Raum offenhalten.
Budget und Reglement genehmigt
An der Gemeindeversammlung wurde ausserdem das Budget für das kommende Jahr grossmehrheitlich angenommen. Der Gemeinderat rechnet mit einem Gewinn von rund 76 000 Franken im Gesamthaushalt. Der Steuerfuss bleibt vorerst bei 1,69 Steuereinheiten. Doch die Stimmung im Gemeinderat zeigt, dass dieser in den kommenden Jahren wohl steigen müsse. Auch der Entscheid zur Schulraumplanung wird daran nichts ändern. Zum Schluss der Versammlung stimmte die Gemeindeversammlung noch einem neuen Strassenbeitragsreglement zu. Seit Jahren hat die Gemeinde Beiträge an den baulichen Unterhalt von privaten Strassen mit Wegrecht geleistet. Das neue Reglement schafft nun die rechtliche Grundlage für solche Zahlungen.
Von Felix Ott