Trotz Regen, Bise und langen Tagen: Das Bau-Team des «Burechrieg» hat mit viel Einsatz und unter freiem Himmel eine eindrückliche Bühne geschaffen. · Bilder: Fotografica/Rolf Sutter
Huttwil hat jetzt seine Freilichtbühne
Nun ist es soweit: Die «Burechrieg»-Bühne steht. Nach zehn intensiven Aufbautagen mit Baggern, Kran, Frontlader und viel Handarbeit von 16 Beteiligten steht sie in voller Pracht auf der Wiese hinter dem Spycher Handwerk. Seit dem 10. Mai finden die Proben direkt auf der neuen Bühne statt.
Federführend bei der Umsetzung war Lukas Müller der Schreinerei holzx. «Ich hatte vorher noch nie ein Bühnenbild gebaut – und genau das hat mich gereizt», erzählt er. Als Pro Regio ihn im Herbst 2023 mit einer Anfrage kontaktierte, war für ihn rasch klar: Im Kern handelt es sich um eine Holzbauerarbeit. Deshalb holte er Ruedi Bärtschi mit seinem Zimmereibetrieb mit ins Boot. Weiter mit dabei war Jves Zaugg, OK-Mitglied des «Burechriegs». Zusammen haben die Männer die Details geplant, die Arbeiten koordiniert und beim Aufbau Hand angelegt. Die Grundlage für das Bühnenbild lieferten Zeichnungen des Regisseurs Ulrich Simon Eggimann. «Als ich die Regie im Frühling 2020 übernahm, erfuhr ich, dass es noch kein Bühnenbild gab. Ich brauchte aber eine Vorstellung vom Raum – also setzte ich mich an den Küchentisch und begann zu zeichnen.» Die zentralen Elemente seien von Anfang an klar gewesen: Die Stadt Bern, das Schloss Trachselwald, das Haus von Leuenberger – und sein Versteck sollten angedeutet werden. «Am Schluss kam eine Zeichnung heraus, die Lukas Müller übernommen und auf die Dimensionen des Spielgeländes angepasst hat.» Dann begannen die konkreten Arbeiten. «Die Herausforderung war: Wie lässt sich ein so grosses Bühnenbild stabil und wetterfest für rund drei Monate aufbauen – und dabei möglichst einfach und kostengünstig bleiben?», so Müller. Hinzu kam bald weiteres, praktisches Bedürfnis: Wo sollen sich die rund 100 Schauspielerinnen und Schauspieler umziehen, schminken und warten? «So entstand die Idee, mit vier grossen Bürocontainern eine stabile Basis zu schaffen – unten mit trockenen Räumlichkeiten und oben mit einem Balkon für Berns Obrigkeit.»
Material aus der Region
Nachdem vorher bereits eine Zufahrtsstrasse und ein stabiler Kiesuntergrund für die Container erstellt worden war, arbeitete ein Team von 16 Männern zehn Tage lang am Aufbau. Dabei wurden sie von sieben Dienstleistenden der Zivilschutzorganisation Trachselwald Plus unterstützt. «Die Verschalung, Platten und weitere Holzelemente hatten wir grob vorbereitet, das meiste wurde jedoch vor Ort zusammengebaut», sagt Müller. Das Wetter habe anfänglich nicht mitgespielt: «Regen und die kalte Bise verlangten Flexibilität und Durchhaltewillen. Zum Glück konnten wir die Halle vom Spycher Handwerk nutzen – dort fertigten wir die Geländer und Treppen an», so Müller. Bei der Wahl des Materials hat man bewusst auf Regionalität und Wiederverwendbarkeit geachtet. Das Massivholz stammt von der lokalen Sägerei Ammon SwissHolz, der Kies vom Kieswerk in Hüswil. Das riesige Stadttor gehört dem Spycher Handwerk – es wird normalerweise am Mittelaltermarkt verwendet. «Das Projekt hat uns viel Spass gemacht. Besonders motivierend war, dass wir sehr schnell sichtbare Resultate hatten.» Im Laufe der Proben werde man sicher noch das eine oder andere optimieren. «Aber die Grundfunktionalität steht – und die Bühne fügt sich wunderbar in die Waldkulisse ein.» Rund um die Bühne soll zudem Mais angesät werden – das werde zur besonderen Atmosphäre beitragen, so Müller. Auch Regisseur Eggimann zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis. «Die Bühne sieht imposant aus. Es vergeht kein Tag, an dem nicht ein Spaziergänger stehen bleibt und sie bestaunt.» Noch wirke alles wie frisch gezimmert – doch schon bald würden Wetter und Probenbetrieb für Patina sorgen. «Was jetzt noch fehlt, ist das Schönholz – das Häuschen, in dem Leuenberger wohnt. Und eine Scheiterbeige, die als Versteck für ihn dienen wird», so Eggimann. Über dem Tor soll ausserdem noch ein Bärenkopf des Künstlers Flugo angebracht werden. Und schliesslich fehlt noch die Tribüne – sie wird von einer Eventproduktionsfirma geliefert. Dann heisst es schon bald: Vorhang auf für den «Burechrieg»! Die Premiere findet am 5. Juli statt.