Jurorin Bettina Schliephake-Burchardt steht den Kandidatinnen und Kandidaten mit Rat zur Seite. · Bilder: zvg
Huttwiler backt im deutschen TV
Rouven Walker kennt das Backzelt nicht nur vom Bildschirm, sondern aus nächster Nähe. Der 19-Jährige Huttwiler hat sich beim deutschen Backwettbewerb bewiesen. Zwischen Rezept-Tests, Sprachübungen und intensiven Drehtagen sammelte er wertvolle Erfahrungen. Auch wenn er in der vergangenen Folge die Sendung verlassen musste – für ihn war es ein unvergessliches Abenteuer.
«Auf die Plätzchen, fertig, los», sagt die Moderatorin. Eine tiefe, melodische Stimme kommentiert das Geschehen; die Teilnehmenden haben reichlich Platz an ihren Backstationen und draussen vor dem Backzelt herrscht bestes Wetter. So präsentiert sich die Fernsehsendung «Das grosse Backen» auf dem Bildschirm. Einer, der die andere Seite kennt, ist der Huttwiler Rouven Walker. Zeitdruck, fragende Realisatoren und umherwuselnde Showrunner prägen das Bild im Backzelt. Allgegenwärtig sei zudem der gigantische Kamerakran, der hoch über den Stationen wacht. «Es war eine sehr lehrreiche Erfahrung», sagt Walker heute. In den vergangenen Wochen war er in der 13. Staffel der Sendung zu sehen. Schon als Kind sei er oft in der Küche gewesen. «Zuhause haben alle gebacken», erinnert er sich. «Irgendwann habe ich dann das Zepter übernommen.» Im vergangenen Jahr entschied er, sich beim deutschen Privatfernsehen für den Wettbewerb zu bewerben. Nach der schriftlichen Bewerbung kam eines Tages ein Telefonanruf aus Berlin. Anschliessend wurde er zu einem Live-Casting eingeladen. Dafür musste er eigens eine Torte von Huttwil nach München transportieren. Beim anschliessenden Zoom-Backen galt es, in der eigenen Küche ein Rezept per Videocall nachzubacken und dabei zahlreiche Fragen zu beantworten. Damit sollte die Situation aus der Fernsehsendung möglichst realistisch geprobt werden.
Gute Nachrichten aus Berlin
Schliesslich kam die Meldung: Er hatte sich qualifiziert. «Es war ein surrealer Moment. Ich konnte es kaum glauben», sagt der Jura-Student. Zunächst habe er sich gefragt, ob er in die Gruppe passen würde. Doch bei den Aufnahmen zeigte sich schnell: Er passte bestens hinein. «Wir waren eine super Gruppe», sagt Walker. Noch heute stehen sie in Kontakt und besuchen gemeinsam Backmessen. Bemerkenswert: Nicht selten baten ihn andere Teilnehmende um Rat. Und das, obwohl er mit 19 Jahren der jüngste Kandidat aller Zeiten war. Nach der Zusage begann eine intensive Vorbereitungszeit. Auf jeweils zwei Rezepte pro Folge konnten sich die Teilnehmenden vorbereiten. In der heimischen Küche mussten daher zahlreiche Kreationen getestet werden. Die Rezepte mitsamt Fotos mussten unter strengen Deadlines beim Produktionsteam eingereicht werden. Dieses besorgte die Zutaten und griff ein, wenn sich Rezepte zu stark ähnelten. «Es war nicht ganz einfach, die Anforderungen der Sendung mit Privatleben und Studium zu verbinden», sagt Walker. Ausserdem habe er sich vor den Aufnahmen entchlossen, sein Hochdeutsch zu verbessern. Stundenlang habe er dafür mit einer Freundin in Deutschland telefoniert. «Man darf ruhig hören, dass ich aus der Schweiz komme – verstehen sollte man mich trotzdem», meint er.
Drehtage dauern über zwölf Stunden
Die eigentlichen Dreharbeiten fanden im Mai und in der ersten Juniwoche auf Schloss Stülpe in Brandenburg statt. «Es waren sehr lange Tage», erzählt Walker. Neben den Backaufgaben standen Interviews und Einspieler an, dazu Maske sowie das ständige Aufräumen und Reinigen der Stationen. Ein Drehtag dauerte zwischen zwölf und dreizehn Stunden. Für eine Folge wurden jeweils drei Tage benötigt. Bei zwölf Teilnehmenden kam so eine enorme Menge Videomaterial zusammen. Nur ein kleiner Teil davon findet letztlich Eingang in die rund zweistündigen Sendungen. Heute schaut Walker die aktuelle Staffel gerne mit Freunden. «Es ist spannend zu sehen, welche Momente es in die Sendung geschafft haben», sagt er. Trotz vieler Schnitte wirke die Sendung authentisch. Das Redaktionsteam habe die Realität sehr ehrlich dargestellt. Walker erreichte in dieser Staffel den fünften Platz. Doch er betont: «Ich würde jederzeit wieder bei der Sendung mitmachen.» Es sei eine wertvolle Erfahrung gewesen. Gleichzeitig relativiert er: «Wahrscheinlich war mein Fernseh-Debüt auch mein letzter Auftritt im TV.»
Von Felix Ott