• Jürg Schürch, Huttwils grosser Schaffer und Macher, ist im Alter von 76 Jahren verstorben. · Bild: Marcel Bieri

  • Jürg Schürch auf «seiner» Rundbahn in «seinem» geliebten Huttwiler Sportzentrum. · Bild: Stefan Leuenberger

  • Die Leichtathletik war das Steckenpferd von Jürg Schürch. · Bild: Stefan Leuenberger

02.04.2026
Sport

Huttwils Sportzentrum-Vater ist nicht mehr

Eine der schillerndsten und charismatischsten Huttwiler Persönlichkeiten, vor allem im Sport, ist nicht mehr. Ohne Jürg Schürch hätte der Sport in Huttwil einen viel geringeren Stellenwert. Nun ist der unermüdliche Schaffer und Macher im Alter von 76 Jahren verstorben.

Jürg Schürch, 14. Oktober 1949 bis 30. März 2026 · Hockey Huttwil hat in den letzten Tagen Huttwiler Sportgeschichte geschrieben. Das Team kämpfte in der dritthöchsten Schweizer Eishockeyliga um den Meistertitel, verzückte das Publikum mit bestens unterhaltendem Powereishockey. Im vierten Spiel der Finalserie am letzten Sonntag strömten 1931 Zuschauende in die Eishalle des Campus Perspektiven in Schwarzenbach/Huttwil. So viele wie nie zuvor bei einem Eishockey-Meisterschaftsspiel mit Huttwiler Beteiligung. Zur gleichen Zeit lag jener Mann, der dafür verantwortlich zeichnet, dass dieses Kapitel Huttwiler Sportgeschichte geschrieben werden konnte, im Sterben. 

Initiator und Manager
Der 76-jährige Huttwiler Jürg Schürch zeichnete hauptverantwortlich dafür, dass in einer einstigen Kiesgrube am 2. August 1997 das Nationale Sport- und Kulturzentrum (später Nationales Sportcenter, heute Campus Perspektiven) eröffnet wurde. Ohne den unermüdlichen Schaffer und Macher hätte es in Huttwil nie Halleneis gegeben. Und damit auch nicht diese wundervollen Momente, die Hockey Huttwil in dieser Saison ablieferte. Schürch war – fast selbsterklärend – auch gleich jene Person, die das Heft in die Hand nahm, damit in Huttwil Eishockey gespielt werden konnte. Der EHC Napf wurde 1996 als Zusammenschluss der Vereine EHC Wasen-Sumiswald, EHC Huttwil und EHC Rohrbach in Huttwil gegründet. Als Präsident amtete während zehn Jahren Jürg Schürch. 2009 entstanden aus dem EHC Napf die Huttwil Falcons (Amateurmeistertitel 2010/11) und dann im Sommer 2018 – nach einer Saison unter dem Namen EHC Brandis – Hockey Huttwil. Ohne Jürg Schürchs unbändigen Drive als Initiator und Manager des Sportzentrums (von 1997 bis 2010) hätte es die unzähligen und unvergesslichen Eishockeymomente nie gegeben. 

Sportevent und Konzerte
Dank des Sportzentrum-Vaters wurde Huttwil aber nicht nur im Eishockey ein nationaler, ja sogar internationaler Begriff in der Sportszene. Sportevents in allen erdenklichen Disziplinen (sowie Konzerte mit internationalen Superstars) verliehen Huttwil eine Strahlkraft, die nie zuvor in diesem Ausmass vorhanden war. Huttwil war überall ein Begriff. Schürch sei Dank. Eine Liste der Sport- und Kulturanlässe allererster Güteklasse unter der Schirmherrschaft von Jürg Schürch ist sinnlos. Sie würde eine gesamte «UE»-Ausgabe füllen – in kleiner Resultatschrift notabene. Als gewiefter Politiker (Grossrat, Gemeinderat und von 1989 bis 2000 auch als Huttwiler Gemeindepräsident) konnte er für all seine Projekte Synergien nutzen. Neben dem Sportzentrum verfügte der langjährige Sägereimanager auch über ein zweites Lebenswerk. 39 Jahre lang amtete der einfache Familienvater als Präsident der Leichtathletik-Vereinigung Huttwil und prägte damit auch diese Sportart in Huttwil. Jürg Schürch war es auch, der 1995 die Huttwiler Fasnacht zum Leben erweckte. 

Nie vom Kurs abbringen lassen
«Schaffer» und «Macher» sind Begriffe, die Menschen mit einer überdurchschnittlichen Handlungsenergie und einer pragmatischen Arbeitsmoral beschreiben. In der Alltagssprache und Psychologie werden sie häufig als «speziell» bezeichnet, weil sie bestimmte Persönlichkeitsmerkmale vereinen, die sie von der breiten Masse abheben. Jürg Schürch war eine solche Person. Für Schaffer zählen die Ergebnisse. Mit ihrer direkten Art oder ihrer Herangehensweise, Ideen sofort in die Tat umzusetzen, können sie anecken. Schürch hatte zeitlebens mit vielen Gegnern und Neidern zu kämpfen. Aufhalten oder vom Kurs abbringen liess er sich deshalb nie. Seine 997 Diensttage als Hauptmann im Militär kamen ihm da zugute. So schuf er im Blumenstädtchen Unvergessliches. Huttwil – und insbesondere die Sportszene Huttwils – hat Jürg Schürch unendlich viel zu verdanken. Der bekannteste Huttwiler der letzten Jahrzehnte ist am vergangenen Montagabend im Spital Langenthal seinen gesundheitlichen Beschwerden erlegen. Ruhe in Frieden, «Schürch Jürgu».

Von Stefan Leuenberger