• Egal ob bei der Stallarbeit, beim Holzen oder der Feldarbeit, Morris Ryser arbeitet nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung. · Bilder: Patrick Bachmann

  • Der junge Unternehmer ist auch im Wald anzutreffen. Jährlich verkauft er 300 Ster Brennholz – alles selbst aufbereitet.

  • Auf dem Traktor ist Morris Ryser zuhause.

14.10.2025
Oberaargau

«Ich habe das Hobby zum Beruf gemacht»

Ein Porträt eines jungen Unternehmers aus Auswil mit Tatkraft, Maschinenflair und Bodenhaftung.

Wenn andere noch schlafen, steht Morris Ryser oft bereits im Stall, ist auf dem Weg zum Holzen oder beginnt mit Feldarbeiten. Um 5.30 Uhr Stiefel an, Motor starten, los. Nicht nur aus Pflicht, sondern aus Überzeugung. Er führt in Auswil einen kleinen, aber breit aufgestellten Betrieb, der sich auf Dienstleistungen in der Land- und Forstwirtschaft spezialisiert hat. Dazu gehören auch Brennholzhandel, Maschinenvermietung und Gartenunterhalt. Der 27-jährige Auswiler ist also eine Art Tausendsassa in Land- und Forstwirtschaft. «Ich mag es, wenn ich draussen arbeiten kann und jeder Tag anders ist», sagt er. «Ich habe das Hobby zum Beruf gemacht.» Dass hinter dieser Aussage von ihm kein PR-Spruch steckt, merkt man ihm schnell an. Wer mit ihm spricht, spürt Energie, Freude am Tun – aber auch den Ernst und die Verantwortung, die seine Arbeit mit sich bringt. «Das selbstständige Planen und Umsetzen motiviert mich täglich.»

Früh geerdet
Was heute ein florierendes Kleinunternehmen ist, begann schrittweise. Bereits in der Schulzeit verkaufte Morris Brennholz im kleinen Stil – sägte, spaltete, trocknete und lieferte es selber aus. Der offizielle Startschuss fiel 2018: Damals gründete er sein Unternehmen im Nebenerwerb. Ende 2020 entschied er sich für die vollständige Selbstständigkeit. Seither ist er mit seiner Firma praktisch täglich im Einsatz – sei es auf Feldern, im Wald, bei Bauernfamilien oder im Auftrag der Gemeinde. Schon als Kind fühlte sich Morris Ryser draussen am wohlsten. Während andere Kinder Spielkonsolen ausprobierten, zog es ihn aufs Feld, zu den Landwirten. Dort verdiente er sich Sackgeld, half beim Heuen oder im Stall. «Ich war einfach gerne draussen und mit Maschinen unterwegs.» Noch als Kind fuhr er bereits Traktor. «Das war für mich keine Arbeit, sondern das Schönste überhaupt.» Die schulische Zeit hingegen war nicht einfach, er musste Ausgrenzung erleben. Umso mehr mochte er es, wenn sein Einsatz auf Bauernhöfen gefragt war und seine Fähigkeiten geschätzt wurden. Nach dem 10. Schuljahr fand er im Werkhof Lotzwil seine Berufung – im wahrsten Sinne: Dort absolvierte er die Lehre zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ, ein Berufsfeld mit viel Abwechslung, Technik und Verantwortung. «Da war alles dabei: Strassenunterhalt, Gartenunterhalt, Bau, Reinigung, Elektrik, Sanitär – genau mein Ding.» Nach der Lehre blieb er dem Werkhof in Teilzeit treu, arbeitete parallel im Schulhausunterhalt in Lotzwil – und baute nebenbei sein eigenes Geschäft auf.

Viele Standbeine, grosse Flexibilität 
Die Dienstleistungspalette von Morris Ryser ist erstaunlich breit. Im landwirtschaftlichen Bereich übernimmt er Feldarbeiten, seit Neuestem mit einer Spatenmaschine, Transporte von Getreide oder (Siloballen), Ballentransporte, Hubarbeiten mit dem Frontlader oder dem Heckstapler. In der Forstwirtschaft bietet er den Vollservice für Holzschläge, Rückearbeiten mit dem Kranwagen, Holz spalten oder -bündeln an – auch Spezialholzereien gehören dazu. Ein besonderer Bereich ist der Brennholzhandel. Er verkauft jährlich rund 300 Ster Holz; luftgetrocknet, ofenfertig und oft bis vor die Haustür geliefert. Ein Teil stammt aus den eigenen Holzschlägen aus eigener Produktion, ein Teil wird als Stammware zugekauft und selbst aufbereitet. «Ich mache alles selber: Spalten, bündeln, stapeln, sägen. Mir ist wichtig, dass die Qualität stimmt.» Auch für Garten- und Liegenschaftsunterhalt ist Morris Ryser regelmässig unterwegs – Rasenmähen, Wegepflege oder Hecken schneiden. Er ist auch für die Gemeinde im Einsatz, sei es im forstwirtschaftlichen Bereich, etwa bei der saisonalen Reinigung der Schulhäuser. Die Kenntnisse aus der Berufslehre kommen ihm dabei zugute.

Immer da, wenns brennt
Und wenn Not am Mann ist, springt er als Betriebshelfer ein: «Ob Stallarbeit, Geburtenhilfe bei Kühen oder bei Notfälle – ich werde oft kurzfristig gerufen. Ich bin fast rund um die Uhr erreichbar. Wenn jemand Hilfe braucht, dann bin ich da.» Die meisten Kunden kennt er persönlich, viele davon sind Stammkundinnen und Stammkunden. Bei trockenem Wetter ist er meist draussen beschäftigt, bei schlechtem Wetter wird in der Werkstatt geschweisst oder repariert. Er besitzt einen Maschinenpark, der sich sehen lässt: Vier Traktoren, ein Rückewagen, Seilwinde, Bündelgeräte, Spalter und weitere Geräte stehen bereit, damit er effizient und flexibel arbeiten kann.

Kein 08/15-Unternehmer
Was Morris Ryser besonders macht, ist nicht nur sein riesiges Arbeitsspektrum, sondern seine Persönlichkeit. Er wirkt jugendlich und voller Tatendrang, aber auch absolut verlässlich. Seine Energie wirkt ansteckend. Er ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt – aber einer, auf den man zählen kann. Büroarbeit? Nicht seine Lieblingsbeschäftigung, gibt er offen zu. Ferien? Selten. Und wenn, dann eher tageweise. «Mir gefällt das Handwerkliche – wenn ich sehe, was ich am Ende des Tages geschafft habe», sagt er. Auch die Abwechslung schätzt er sehr. «Ich bin nicht jemand, der jeden Tag am gleichen Ort arbeiten möchte.» Die Anzeige in der Dorfzeitung RohrbachPlus ist sein erstes Inserat. «Ich musste noch nie Werbung machen – gute Arbeit spricht sich herum.» Einige Kunden übernahm er von Ueli Zürcher, der aus zeitlichen Gründen mit dem Brennholzverkauf aufgehört hat. Die anderen Brennholzkunden und die Landwirte wurden durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu Kunden. Hans Lanz, Vermieter des Firmenstandortes, hilft tatkräftig im Hintergrund mit, ist darum besorgt, dass nach getaner Arbeit alles ordentlich und sauber bleibt. In Spitzenzeiten stehen ihm, wenn nötig, noch Freunde zur Seite.

Wenig Freizeit
Morris Ryser wohnt mit seinem Vater Fred in einer WG-ähnlichen Gemeinschaft in Auswil. Fred, früher im Baugewerbe tätig, kümmert sich um den Haushalt und kocht regelmässig; eine grosse Unterstützung für den vielbeschäftigten Sohn. Er musiziert, mag Kunst und findet mit einem Augenzwinkern, Morris arbeite zu viel und gönne sich zu wenig Freizeit. Mit ihnen lebt auch ein Hund, und gelegentlich laufen vier Hühner im Garten herum – die gehören allerdings Morris’ Freundin. In ihrer knappen gemeinsamen Freizeit unternehmen die beiden Spaziergänge oder Wanderungen oder kümmern sich um die gemeinsamen Hühner.

Mit viel Einsatz zum Ziel
Morris Ryser gehört zu einer neuen Generation von Land- und Forstarbeitern: bodenständig, technisch versiert und gleichzeitig offen, kommunikativ und mit Weitblick. Und obwohl er fast ständig im Einsatz ist, wirkt er nie gehetzt. Vielleicht, weil er genau dort ist, wo er hingehört: draussen, mittendrin, mit beiden Beinen auf dem Boden – und mit viel Herzblut bei der Arbeit. Sein erfolgreicher Betrieb zeigt, dass Engagement, Zuverlässigkeit und Vielseitigkeit zum Ziel führen können.

Von Patrick Bachmann