Claudia Rindlisbacher anlässlich der Neujahrsapéros 2023 (links) und 2024 des Regierungsstatthalteramts. · Bilder: Marion Heiniger
«Ich werde sehen, wohin mich die Zukunft führt»
16 Jahre lang hat Claudia Rindlisbacher beim Regierungsstatthalteramt gearbeitet, acht Jahre davon als Regierungsstatthalterin. Angefangen beim Amtsbezirk Trachselwald, später beim Verwaltungskreis Emmental. Nun hat sie per Ende 2024 ihre Demission eingereicht. Einen Anschlussplan hat sie bewusst noch keinen.
Emmental · «Der Job fägt, er ist abwechslungsreich, er ist spannend und man lernt sehr viel, aber er ist auch sehr anstrengend», beschreibt Claudia Rindlisbacher ihre Arbeit als Regierungsstatthalterin im Verwaltungskreis Emmental. Nach 16 Jahren auf dem Regierungsstatthalteramt hat sie sich entschieden, nochmals etwas Neues zu wagen und deshalb per Ende 2024 demissioniert. «Ich bin mit 46 Jahren in einem Alter, wo ich mich nochmals verändern kann», erklärt sie. Wie genau diese Veränderung aussehen wird, weiss sie aber selbst noch nicht. «Ich habe noch überhaupt keinen Plan und werde sehen, wohin mich die Zukunft führt, es gibt so viel Spannendes, was ich machen könnte.»
Übergabe bereits erfolgt
Ihr halbes Arbeitsleben hat Claudia Rindlisbacher auf dem Regierungsstatthalteramt verbracht. Nach dem Jurastudium absolvierte sie 2003 ein Praktikum beim damaligen Regierungsstatthalteramt Trachselwald, 2009 wurde sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin angestellt. Bereits ein Jahr später wurde sie stellvertretende Regierungsstatthalterin, dies bereits im neuen Verwaltungskreis Emmental. Und schliesslich übernahm sie am 1. September 2016 das Amt der Regierungsstatthalterin, als ihr Vorgänger Markus Grossenbacher in den Ruhestand ging. Nun, am 31. Dezember 2024, hat auch Claudia Rindlisbacher dem Regierungsstatthalteramt den Rücken gekehrt, ihre Nachfolgerin Alexandra Grossenbacher, bisher Geschäftsleiterin der Gemeinde Konolfingen, übernahm am 3. Januar 2025. Dazwischen wird der stellvertretende Regierungsstatthalter und Leiter der Rechtsabteilung, Semir Hermidas, die Geschäfte weiterleiten. Die Übergabe an ihre Nachfolgerin ist bereits erfolgt. «Es ist sehr viel, ich konnte gar nicht alles übergeben, aber ich habe sehr gute Mitarbeitende, die die Geschäfte im Griff haben und Alexandra Grossenbacher bei ihrem Start helfen werden», zeigt sich Claudia Rindlisbacher beruhigt.
Komplexere Fälle
Gerne erinnert sich Claudia Rindlisbacher an die letzten 16 Jahre beim Regierungsstatthalteramt zurück, in der sie viele schöne, aber auch einige tragische Geschichten erlebt hatte. Verändert habe sich viel durch die Digitalisierung, aber auch durch den Wandel der Zeit. «Die Ansprüche der Menschen sind höher geworden, dadurch wurde unsere Arbeit komplexer und auch komplizierter.» Zudem habe sie mit dem Wechsel zum Verwaltungskreis Emmental nicht mehr so viel Zeit für die einzelnen Gemeinden gehabt. «Es ist ein grosser Unterschied, ob man zehn Gemeinden wie beim Amtsbezirk Trachselwald betreut oder 39 Gemeinden beim Verwaltungskreis Emmental», erklärt die Juristin. Auf die Frage, was sie ändern würde, wenn sie es denn könnte, musste Claudia Rindlisbacher nicht lange überlegen. «Durch die Zunahme der Komplexität der Fälle und die höheren Ansprüche der Menschen, würde ich mir mehr personelle Ressourcen wünschen. Diese sollten dafür eingesetzt werden, um den Menschen die Umstände besser erklären zu können, warum etwas so ist, wie es ist. Das würde einiges vereinfachen und alle wären zufriedener. Andernfalls müssen wir uns als Gesellschaft langsam überlegen, was wir uns in Zukunft noch für Aufgaben leisten wollen», gibt sie zu bedenken. Doch nun ist die Zeit zum Loslassen gekommen. Vermissen werde sie in erster Linie ihre tollen Mitarbeitenden, die vielen verschiedenen Kontakte, welche sich in den vergangenen Jahren ergeben haben und irgendwie auch die abwechslungsreiche und interessante Arbeit. «Nicht vermissen hingegen werde ich die tragischen Fälle und das Unglück der Menschen, das ich in all den Jahren immer wieder erlebt habe.»
Von Marion Heiniger