Hebamme Stefanie Kurt übergibt die Petition an Rolf Hayoz Direktor ad interim der SRO AG. · Bild: Marcel Bieri
14 934 Unterschriften und ein offener Brief
Die Hebammen übergeben ihre Petition bezüglich der Schliessung der Geburtenabteilung am Spital Region Oberaargau (SRO) in Langenthal, die 43 Oberaargauer Gemeindepräsidenten fordern in einem gemeinsamen Schreiben die Sistierung der Schliessung.
Die Schliessung der Geburtenabteilung am Spital Region Oberaargau (SRO) in Langenthal wirft weiter hohe Wellen, obwohl sie kaum mehr abzuwenden ist. Per Ende September wird sie mit jener des Spitals Burgdorf zusammengelegt. Gemäss der «Berner Zeitung» verlieren 15 Hebammen und zwei Stillberaterinnen ihre Stelle, auch viele auf der Wochenbettstation und der Gynäkologie tätige Frauen werden sich anders orientieren müssen. Kommentarlos wollen weder die Direktbetroffenen noch die lokalen Politikerinnen und Politiker die Schliessung hinnehmen. Bereits unmittelbar nach der Bekanntgabe der Schliessungspläne lancierten die betroffenen Hebammen eine Petition, die auch von allen Langenthaler Ortsparteien von links bis rechts mitgetragen wurde. 14 934 Unterschriften kamen zusammen, sie wurden am Dienstagnachmittag von Betroffenen, Mitgliedern des Vereins «Erhalt der Geburtenabteilung Langenthal», Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Ortsparteien und unterstützenden Personen übergeben. Seitens der SRO AG nahmen Rolf Hayoz, der Direktor ad interim, und COO Timo Thimm die Petition entgegen. Vom Verwaltungsrat erschien niemand an der Übergabe. Die Anwesenden äusserten ihren Frust und ihre Forderungen. Die freischaffende Hebamme Ursina Tschannen zeigte sich gemäss einer Medienmitteilung der Petitionärinnen schockiert, dass das Spital keine Möglichkeit finde, für das bedeutende Ereignis Geburt das Angebot aufrecht zu erhalten. Sie erwarte von der SRO-Leitung, dass sie ihre Verantwortung gegenüber der regionalen Bevölkerung wahrnehme und das Spital nachhaltig führe. Einen Tag nach der Petitionsübergabe meldeten sich am Mittwoch der Verein Region Oberaargau sowie die Präsidentinnen und Präsidenten der 43 Oberaargauer Gemeinden zu Wort. In einem offenen Brief an den Regierungsrat fordern sie, eine konkretisierte Gesamtstrategie vorzulegen und die angekündigte Schliessung zu sistieren.
Die konkreten Forderungen umfassen folgende vier Punkte:
– Die Schliessung der Geburtenabteilung bei der SRO AG ist zu sistieren, bis die in der Motion Lerch geforderte Gesamtstrategie, beziehungsweise der in der Motion Müller verlangte Spitalbericht, vorliegt. Beide Motionen wurden für dringlich erklärt und werden somit in der Wintersession im Grossen Rat behandelt.
– Die regionale Verankerung des Verwaltungsrates der SRO AG ist rasch gemäss den Vorgaben des Spitalversorgungsgesetzes sicherzustellen. Dieser überprüft den fraglichen Beschluss in dieser Zusammensetzung.
– Der Regierungsrat wird ersucht, seine Führungsverantwortung wahrzunehmen und im Spitalbereich eine aktivere Rolle im Sinne einer konkreten und prospektiven Gesamtstrategie wahrzunehmen und umzusetzen. Dies zusammen mit den zuständigen Verwaltungsräten, der Standortgemeinde und der Region.
– Der Regierungsrat ist dafür besorgt, dass die wohnortsnahe Spitalversorgung mit drei Kantonen besser koordiniert und abgesprochen wird. Dies ist eine Aufgabe der Kantonsregierung und darf nicht allein dem Verwaltungsrat der SRO AG überlassen werden.
Partnerschaftliche Zusammenarbeit
Am Ende des offenen Briefs wird Verständnis dafür geäussert, dass das Gesundheitswesen und insbesondere der Spitalbereich vor grossen Herausforderungen stehen. Man sei bereit, vernünftige Anpassungen mitzutragen. Aber nicht auf die Art und Weise, wie jüngst bei der Schliessung der Geburtenabteilung in Langenthal praktiziert. Stattdessen wird eine partnerschaftliche Zusammenarbeit unter Einbezug der Standortgemeinde, der Region und der Bevölkerung erwartet.
Von Reto Pfister/pd