Ein geöffnetes Nest der asiatischen Hornisse mit Larven und ausgewachsenen Tieren. · Bilder: Feuerwehr Huttwil
Invasive Hornisse erreicht die Region
Im Jahr 2024 wurde die asiatische Hornisse erstmals in der Region Huttwil gesichtet, nun wurden erste Nester gemeldet und entfernt. Das zeigt: Die invasive Art ist in der Region Huttwil angekommen. Ein Grund zur Sorge ist das für den Menschen nicht, für vor Ort heimische Insekten aber durchaus. Auch deshalb soll man, falls man ein Nest erkennt, dieses unbedingt melden.
Die asiatische Hornisse ist schon seit ein paar Jahren immer mal wieder in den Medien und nicht selten werden auch «Schauermärchen» verbreitet. Dabei ist die asiatische Variante aber weder gefährlicher, noch grösser oder gar aggressiver als die hier heimische europäische Hornisse. Tatsächlich ist sie sogar leicht kleiner und reagiert etwa ähnlich unzufrieden, wenn man sich ihrem Nest nähert, wie das europäische Exemplar. Und dennoch soll man, wenn man ein Nest dieser Gattung sieht, dieses fotografieren und melden, damit es entfernt werden kann. Gründe dafür gibt es mehrere. Einerseits bildet die Art in ihren Nestern gleich mehrere Königinnen, wodurch die Art sich invasiv vermehrt. Andererseits sind die Nester wesentlich grösser und können dadurch deutlich mehr Tiere beheimaten als das europäische Pendant. Und zuletzt besitzen sie die Fähigkeit, an Ort und Stelle zu fliegen, wodurch ihnen vor allem Bienenhäuser hilflos ausgeliefert sind. So wurde bereits beobachtet, dass asiatische Hornissen beim Eingang warten bis Bienen ausfliegen, um diese dann verspeisen zu können.
Nester in der Region entfernt
Diese Informationen stammen zu einem grossen Teil von Bruno Bolliger. Er ist einerseits Imker und andererseits in der Feuerwehr Huttwil zuständig, wenn es um die Entfernung von Wespen- und Hornissennester geht. Heuer wurde er bereits drei Mal aufgeboten, um Nester der asiatischen Hornisse zu entfernen. «Zwei davon waren in Rohrbach und eines in Huttwil», bestätigt er, der dafür auch bereits geschult wurde. «Beim ersten Einsatz wusste ich nicht so wirklich, was mich da erwartet. Da habe ich mir durchaus ein paar Gedanken gemacht.» Wespen- und Hornissen-Nester entfernt er zwar schon seit mehreren Jahren, die erwähnten Schauermärchen hätten aber auch ihn nachdenken lassen. Zu Zwischenfällen kam es bei den drei erwähnten Aufträgen aber nicht. Für Jedermann ist ein solcher Einsatz aber trotzdem nicht. Bruno Bolliger erklärt: «Es gibt Orte, an denen der Einsatz eines Biozides nicht erlaubt ist. Dann muss man die Insekten quasi mit einem Staubsauger wegsaugen. Das dauert länger, ausserdem muss man näher ans Nest ran. Und das führt dazu, dass die Hornissen mich finden und sich zu wehren versuchen.» Ein Nest habe er aussaugen müssen, da sei dann durchaus «die Post abgegangen», weshalb er niemandem rät, an einem solchen Nest herum zu hantieren. «Etwas einfacher ist es, mit einer etwa acht Meter langen Lanze in das Nest zu stechen und ein Biozid-Pulver freizusetzen. Das ist innert Kürze gemacht, sodass man sich entfernen kann. Bevor die Hornissen einen finden, ist das dann schon erledigt, weshalb man die Nester dann einfacher entfernen kann.» Aktuell werde darüber diskutiert, den Einsatz von Bioziden grundsätzlich zu erlauben, weil Beispiele aus Frankreich zeigen, dass man der invasiven Art quasi ausgeliefert ist. «In Frankreich hat man grosse Probleme mit der asiatischen Hornisse. Weil sie Zucker braucht, bedient sie sich beispielsweise auch an Früchten, was Ernten von Zwetschgen oder Erdbeeren arg in Mitleidenschaft ziehen kann.» Damit müsse man künftig leben, ist das Mitglied der Feuerwehr Region Huttwil überzeugt, die invasive Art könne man kaum mehr aufhalten, sagt er weiter.
Meldungen erfolgen online
Melden solle man die Nester trotzdem. Dafür wurde im Jahr 2023 bereits ein Online-Portal eingerichtet, das Informationen zur Erkennung der asiatischen Hornisse bietet und auf welchem man die Standorte der Nester mitteilen und wenn möglich ein Bild beilegen kann. Die Meldungen unter www.frelonasiatique.ch führten in diesem Jahr bereits zu rund 1500 Einträgen, woraufhin Nester durch Spezialisten entfernt werden konnten.
Kosten trägt der Kanton
Zu diesen gehört nun auch Bruno Bolliger, der kürzlich einen weiteren Kurs des Inforama in Rüti zu diesem Thema besuchen durfte. «Wir sind froh, dass wir auch in diesem speziellen Gebiet helfen können», sagt derweil Martin Jordi als Kommandant der Feuerwehr Region Huttwil stolz. Aus finanziellen Gründen lohnt es sich aber nicht, die Feuerwehr bei einem gefundenen Nest direkt aufzubieten. Der Kanton trägt zwar die Kosten für die Entfernung, das geschieht aber nur dann, wenn die Meldung auch über die zuvor erwähnte, offizielle Anlaufstelle erfolgt.
Von Leroy Ryser