• Gelebte Schiesssport-Nostalgie: Beim Oberwaldschiessen wird unter freiem Himmel geschossen. Die Kommunikation erfolgt per Horn.

  • Bester Jungschütze: Sascha Heiniger (SG Eriswil).

  • Jakob Zwygart (Feldschützen Affoltern) ist Oberwaldmeister 2025. · Bilder: zvg

07.03.2025
Sport

Jakob Zwygart hat es wieder getan

Der 77-jährige Jakob Zwygart von den Feldschützen Affoltern hat es wieder getan. Nach 2020 konnte sich der treffsichere Rentner zum zweiten Mal den Titel des Oberwaldmeisters sichern.

83. Oberwaldschiessen · «Es ist schon ein bisschen verrückt. Da schiesse ich 2014 am Oberwaldschiessen das Maximum von 50 Punkten – und gewinne nicht, weil der punktgleiche Rüedu Steffen von den Häbernbad-Schützen noch älter ist als ich. Und nun werde ich zum zweiten Mal nach 2020 mit 49 Punkten Oberwaldmeister», lacht der 1947 geborene Rentner ungläubig. Möglich machte der erneute Triumph am prestigeträchtigen Naturschiessen am ersten März-Sonntag die Altersregel. Beim Sieg 2020 schoss ein Quartett 49 Punkte. Nun war es sogar ein Quintett, das nur bei einem der zehn Schüsse nicht eine Fünf traf. Von den Präzisionsschützen Roland Roth (SG Wyssachen), Roland Röthlisberger (SG Heimisbach), Martin Meer (SG Eriswil), Hansrudolf Minder (SG Eriswil) und eben Jakob Zwygart (FS Affoltern) war Letztgenannter – wie schon beim Sieg 2020 – mit Abstand der älteste Schütze. «Ich freue mich sehr über den erneuten Erfolg an diesem Traditionsschiessen», so Zwygart. Der Freiluftstand im Oberwald ist speziell. Allein die Kommunikation zwischen Scheibenstand und Schützenläger mit Horn ist beeindruckend. Die Einrichtung mit Bunker, Fahnen und Kellen hat einen herrlich nostalgischen Touch. Jakob Zwygart, seit Jahren Mitglied der über Jahrzehnte erfolgreichen Gruppe «Kirchbühl» der Feldschützen Affoltern, hat sein Feuer um 10 Uhr absolviert. «Es war bedeckt, etwas trüb. Diese neblige Sicht mag ich sehr. Ich habe schnell gespürt, dass es mir gut läuft. Ich habe auch sofort bemerkt, als mir in der Dreierserie ein Schuss etwas zu hoch geriet», berichtet der Oberwald-Champion. Genau dieser eine Schuss war dann auch eine Vier statt eine Fünf, womit am Ende 49 statt das Maximum von 50 Punkten resultierten. Nach seinem Glanzresultat machte sich der Rüegsauschacher auf den Heimweg, um nach seiner Frau zu schauen. «Auf die Rangverkündigung hin war ich dann wieder im Oberwald, um den schönen Becher in Empfang zu nehmen.» Anschliessend sassen die Schützenfreunde Zwygarts im Oberwald und später auch noch im Restaurant Tannenbad zusammen. «Dort habe ich zur Feier des Tages eine Runde ausgegeben.»

Luegmeister und SM-Silber
Der ehemalige Filialleiter der Bernerland Bank in Dürrenroth ist nach einem Jahr Schiesssport-Pause wieder voll im «Chut». Der Oberwaldmeistertitel reiht sich in einem schönen Palmarès ein, welches der mehrfache Grossvater in vielen Jahrzehnten Schiesssport erreicht hat. «Den Luegmeister von 2014, den ich 2022 wiederholen konnte, in einem Feld von 700 Schützen stufe ich am höchsten ein», sagt Zwgart, der 1980 mangels Karabinergruppe von den Infanterieschützen Sumiswald zu den Feldschützen Affoltern wechselte. «Mein klar grösster Erfolg ist aber die Silbermedaille im Feld E mit der Affolterer Gruppe Kirchbühl an der Schweizer Gruppenmeisterschaft 300 m im Zürcher Albisgütli von 2019.» 

Steter Gast im Fitnessstudio
Jakob Zwygart ist trotz fortgeschrittenem Alter sehr fit. «Die Knie machen manchmal ein bisschen, was sie wollen. Aber in meinem Alter muss etwas ein bisschen weh tun. Sonst wäre es doch nicht normal», lacht der stets aufgestellte Zeitgenosse. Mit einem Kollegen unternimmt er regelmässig Velotouren mit dem Flyer. Dreimal pro Woche ist Zwygart im Fitnessstudio anzutreffen, wo er Kraft und Ausdauer trainiert. «Wer glaubt, dass im Schiessen ohne gute Kondition etwas zu gewinnen ist, der irrt gewaltig.» Aufgehört hat er dafür vor einiger Zeit mit einem langjährigen Hobby. Um als Heissluftballon-Pilot weiterfahren zu können, wären zu viele Nachprüfungen notwendig gewesen. Jakob Zwygart verbringt viel Zeit mit seiner Frau und hilft ihr, wo immer es notwendig ist. «Wir machen Ausfahrten und geniessen einfach die gemeinsame Zeit.»

Auszug aus der Rangliste: Sektionen (10 Klassierte): 1. Feldschützen Dürrenroth, 46,484; 2. Feldschützen Walterswil, 46,018; 3. Sportschützen Huttwil, 45,929; 4. Feldschützen Schon­egg, 45,738; 5. Feldschützen Affoltern, 45, 507; 6. SG Wasen, 45,216; 7. Feldschützen Häbernbad, 44,766; 8. SG Eriswil, 44,727; 9. SG Wyssachen, 44,329. – Gastsektion: SG Heimisbach, 46,913. – Einzel (194): 1. Jakob Zwygart, Affoltern, 49; 2. Hansrudolf Minder, Eriswil, 49; 3. Martin Meer, Eriswil, 49; 4. Roland Röthlisberger, Heimisbach, 49; 5. Roland Roth, Wyssachen, 49; 6. Fritz Fuhrer, Heimisbach, 48; 7. Hans Kohler, Affoltern, 48; 8. Lorenz Winkelmann, Wasen, 48; 9. Hanspeter Mai, Wyssachen, 48; 10. Bruno Röthlisberger, Heimisbach, 48; 11. Ueli Gerber, Huttwil, 48; 12. Urs Hiltbrunner, Häbernbad, 48; 13. Tamara Roos, Heimisbach, 48; 14. Lukas Niederhauser, Huttwil, 48; 15. Angela Sommer, Dürrenroth, 48; 16. Beat Muster, Huttwil, 47; 17. Marcel Vögeli, Huttwil, 47; 18. Peter Kumli, Dürrenroth, 47; 19. Peter Dubach, Affoltern, 47; 20. Benedikt Bieri, Häbernbad, 47; 21. Stefan Mosimann, Affoltern, 47; 22. Martin Schüpbach, Eriswil, 47; 23. Nadia Dummermuth, Wyssachen, 47; 24. Stefan Sommer, Häbernbad, 47; 25. Marcel Sommer, Häbernbad, 47; 26. Christoph Wüthrich, Schonegg, 47; 27. Eliane Ruch, Häbernbad, 47; 28. Matthias Wittwer, Walterswil, 47; 29. Nicole Horisberger, Dürrenroth, 47; 30. Philipp Aeschbacher, Heimisbach, 47; 31. Christian Gerber, Huttwil, 47; 32. Florian Imeri, Heimisbach, 47. – Jungschützen (9): 1. Sascha Heiniger, Eriswil, 45; 2. Alexis Wüthrich, Schonegg, 44; 3. Jonas Minder, Häbernbad, 43; 4. Cornelia Meister, Wasen, 42; 5. Adrian Rickli, Huttwil, 41.

Von Stefan Leuenberger