• Kaum angeliefert, wird der 10 Meter lange und 12 Tonnen schwere Solartank vom Pneukran angehoben. · Bilder: Thomas Peter

  • Helfende Hände geben dem Solartank die exakte Richtung.

  • Josef Jenni in einer der Allmend-Wohnungen.

11.03.2025
Huttwil

Jennis Sonnenhäuser: Kopieren erwünscht

Für die Überbauung Allmend in Huttwil wurde vergangene Woche der dritte und letzte 12 Tonnen schwere Solartank aus dem Hause des Oberbur­ger Solarpioniers Josef Jenni angeliefert. Dank seiner So­lar­wärme-Tech­nik sind die Heizkosten praktisch bei null. Und da Jenni die Wohnungen sozu-sagen zum Einstandspreis anbietet, sind sie nur minim teurer als «standardbeheizte».

 

Josef Jenni ist auch mit bald 72 Jahren ein Wirbelwind. Kaum begrüsst er die Presse, zieht es ihn schon zum Händeschütteln zu den Anwohnenden der drei Mehrfamilienhäuser, um sie zum Ereignis des Tages willkommen zu heissen: Die Anlieferung des 10 Meter hohen, 12 Tonnen schweren und 111 000 Liter fassenden Solartanks. Und schon spricht Josef Jenni mit den Bauarbeitern, kehrt dann für einen kurzen Augenblick zur Presse zurück und ist etwas «aufgeregt», weil sich der Konvoi mit dem Tank verspätet. Doch dann geht es ratzfatz. Keine zehn Minuten nach der Ankunft hängt der Solartank am grossen Kran, schwebt über die Baustelle zum vorgesehenen Loch des dritten Mehrfamilienhauses und wird routiniert versenkt. Kein Touchieren, kein erneutes Hochziehen, alles perfekt auf Anhieb.

«Das darf kopiert werden»
Trotz seiner umsichtigen Quirligkeit: Sich Zeit nehmen für die Interessierten an seinen Projekten ist Josef Jenni wichtig. Gerne berichtet er in aller Ausführlichkeit, was seine Ideen, Gedanken und Beweggründet sind. «Wir können mit diesem Projekt aufzeigen, dass ganzjährig vollsolargeheizte Häuser schon längst massentauglich sind.» Diesen Beweis hat er schon in Ober­burg angetreten, wo er zwischen 2005 und 2015 drei 100 % solarbeheizte Achtfamilienhäuser realisierte. «Wir bauen diese Häuser nicht aus Spekulationsgründen, sondern es geht vielmehr darum, dass wir ein Beispiel zeigen können: Schaut her, das funktioniert, das darf kopiert werden. Und wir freuen uns über jeden, der das nachmacht.» Da spricht der Idealist aus Josef Jenni. In der Schweiz und dem benachbarten Ausland seien so nach den Ideen von Josef Jenni und seinem Team zwischen 30 und 40 vollsolargeheizte Häuser, darunter auch Mehrfamilienhäuser, gebaut worden.

Warum gerade Huttwil
Und nun die Solarüberbauung Allmend, obwohl Huttwil für den Wohnungsbau eigentlich nach aussen hin kein einfaches Pflaster sei, wie Josef Jenni selber zu verstehen gibt. Der Leerwohnungsbestand sei weitherum in den Medien verbreitet worden. Auch die Bevölkerungszahl steige nicht im angestrebten Masse, erklärt Josef Jenni. «Wir sind aber in erster Linie wegen dem verfügbaren Land nach Huttwil gekommen. Und wir haben diese Häuser gebaut, um Impulse für die Firma Jenni zu erhalten. Ohne dieses Projekt wäre unsere Grossspeicherproduktion wohl nie auf dem Stand, auf dem sie sich heute befindet.»

Kein Zeitdruck
Bei der Realisierung der drei Achtfamilienhäuser in Huttwil nimmt oder besser lässt sich Josef Jenni wie schon in Oberburg viel Zeit. Initiiert wurde die Überbauung bereits 2016, 2018 fand der Spatenstich für das erste Mehrfamilienhaus statt. Dessen Wohnungen sind praktisch alle verkauft. Das zweite Wohnhaus soll noch in diesem Jahr weitestgehend fertiggestellt werden und beim dritten ist der Endzeitpunkt noch nicht fest definiert. Nach der Nennung von einigen Jahreszahlen durch den «Unter-Emmentaler» hakt Josef Jenni am ehesten beim Jahr 2028 ein mit der Anmerkung: «Vielleicht auch früher oder später.» Man stehe eben nicht so unter Druck, die Häuser seien nicht mit Hypotheken belastet und so könne man sich Zeit lassen. «Wir haben gegenwärtig zum Glück anderweitig sehr viel zu tun, vor allem bei Industriebauten etwa bei der Kadi, Ricola, Migros oder Zweifel, die Wärmespeicher einbauen liessen.» Durch die Coronazeit und auch die unsichere Weltlage mit der Ukraine habe die Nachfrage stark angezogen. Die Überbauung Allmend sei deshalb eher ein Arbeitspuffer in flaueren Zeiten.  

Heizkosten praktisch bei null
Welchen Vorteil bieten denn solche vollsolargeheizten Wohnungen? Die jährlichen Heizkosten von bis zu 3000 Franken fallen praktisch vollständig weg. «Gegenwärtig könnte man mit der überschüssig erzeugten Energie das Schwimmbad Huttwil beheizen», hält Jenni bildhaft fest. Sollten die gespeicherte Solarwärmeenergie für einmal doch nicht ausreichen, so gibt es im mittleren Haus eine Pelletheizung. Zudem seien die drei Mehrfamilienhäuser in Huttwil wärmetechnisch miteinander verbunden, so dass die Energie ausgetauscht werden könnte, sollte ein Haus deutlich mehr verbrauchen als die anderen. «Wir haben die Wohnungen sehr solide gebaut mit hochwertigen Komponenten. Wir haben wirklich alle Register gezogen. Wir haben eine vollständig durchgehende Isolation, da gibt es kaum Kältebrücken.» Die Heizleistung liege unter 10 Kilowatt, das Doppelte sei sonst üblich. «Ein ganzjährig solargeheiztes Haus ist ein Gesamtkonzept. Wenn wir eine schlechtere Dämmung hätten, müsste der Wärmespeicher doppelt so gross sein, dann ginge das auch. Wir haben auch dreifach Silverstar Krypton Fenster, das ist schon ein eigentlicher Luxus.» Die Fenster gehörten ebenfalls zum Heizkonzept und lieferten mindestens ein Drittel der Wärmeenergie.

Zum Einstandspreis
Gegenüber einer herkömmlichen Heizung verursache die Solarwärmetechnik laut Josef Jenni Mehrkosten von rund 150 000 Franken. «Diesen Mehrbetrag können wir aber mit vielen Eigenleistungen durch unsere eigenen Leuten teilweise auffangen. Wir bauen sozusagen ohne Architekten und sparen diese Kosten ein. Alle Ingenieur-Leistungen machen wir selber, was viel kostengünstiger ist, als wenn wir sie extern vergeben.» Gewinn abwerfen müsse die Überbauung in Huttwil nicht wirklich. «Das erste Mehrfamilienhaus haben wir im Stockwerkeigentum mehr oder weniger zum Einstandspreis oder sogar noch darunter verkauft», gibt Josef Jenni zu verstehen. Ein Teil der Kosten werde dabei über das Werbebudget verbucht. «Wir wollen die Idee umsetzen und wir wollen, dass diese Idee Schule macht. Jede andere Firma, die auf diesem Sektor arbeitet, ist ein Kämpfer für das gleiche Ziel. Wenn wir eine Energiewende wollen, dann müssten hunderttausend Leute daran arbeiten und nicht wie jetzt viel zu wenige. Während man Neubauten, die im Betrieb energetisch sehr gut sind, schon lange realisieren kann, sind im Hinblick auf die Energiewende die schon bestehenden Häuser das grosse Problem, die saniert man nicht so schnell. Da fehlen oftmals gute Ideen. Der Jenni hat aber noch viel Fantasie, daran dürfte es nicht liegen.» Auch mit fast 72 wirbelt und weibelt er weiter.

Sonnenhäuser – 24 Wohnungen emissionsfrei beheizt
Die drei Achtfamilienhäuser in der Solarüberbauung Allmend verfügen je über drei 4½-Zimmer- (118 m2) und drei 5½-Zimmer-Wohnungen (133 m2) sowie je eine 4½-Zimmer- (115 m2) und eine 5½-Zimmer-Dachgeschosswohnung (150 m2). In jedem Mehrfamilienhaus befindet sich eine thermische Solaranlage mit einem zentral platzierten Wärmespeicher von 111 000 Liter Warmwasser, der ganzjährig eine Raumtemperatur von 21 Grad und genügend Warmwasser ermöglicht. Auf jedem Gebäude befinden sich 162 m2 thermische Solarkollektoren, welche die Sonnenstrahlen in Wärme umwandeln. Die Anlage wird emissionsfrei ausschliesslich über die Sonnenkollektoren betrieben. Die Wohnungen sind auch per Lift erreichbar. Zudem gibt es eine Tiefgarage. top

Von Thomas Peter