• Sie engagier(t)en für die Geschicke der Gemeinde Wyssachen (von links): Gemeindeverwalterin Stephanie Wittmer, Andrin Eggimann, Klaus Ruf, Hans Peter Baltensperger, Richard Meister, Christian Schneider, Doris Zaugg Fitze und Hans Jürg Mai. · Bilder: Barbara Heiniger

  • Hans Peter Baltensperger wäre bereit, nochmals das Gemeindepräsidium zu übernehmen. Doch müssen die Wyssacher anfangs Jahr die Änderung des Organisationsreglements bezüglich der Amtszeitbeschränkung gutheissen.

10.12.2024
Oberaargau

Kein Ansturm aufs Gemeindepräsidium

An der Gemeindeversammlung wurden Andrin Eggimann und Klaus Ruf als neue Mitglieder des Gemeinderates in stiller Wahl bestätigt. Für die freie Wahl des Gemeindepräsidiums wurden keine Vorschläge gemacht. Da Amtsinhaber Hans Peter Baltensperger Interesse signalisierte, das Amt weiter auszuüben, wird der Gemeinderat eine Anpassung des Organisationsreglements bezüglich Amtszeitbeschränkung in Prüfung geben, damit die Gemeindeversammlung Anfang 2025 darüber abstimmen kann. Ohne Diskussion wurde das Budget 2025 genehmigt. Informationen gab es zum Projekt Glasfaser sowie zum Spiel-, Begegnungs- und Pausenplatz.

Oberaargau · Es war sehr still im Saal vom Kirchgemeindehaus Wyssachen, als Gemeinderätin Doris Zaugg Fitze die 83 anwesenden Stimmberechtigten (9,74 Prozent) um Vorschläge für das Gemeindepräsidium bat. Laut Organisationsreglement (OgR) laufen auf 31. Dezember 2024 Amtsdauern aus. Es mussten Neuwahlen für eine Amtsdauer von vier Jahren (1. Januar 2025 bis 31. Dezember 2028) getroffen werden. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wurden aufgefordert, Wahlvorschläge für die Behörden einzureichen. Dies geschah für den Gemeinderat und die Kommissionen, bis zur angegebenen Frist wurden aber keine Wahlvorschläge fürs Gemeindepräsidium gemacht. Obwohl auch eine Findungskommission im Vorfeld viele Personen angefragt hatte, die Gemeindeführung wollte niemand tragen. Darum fanden an der Gemeindeversammlung freie Wahlen mit mündlichem Vorschlagsrecht statt. Klar wurde auch kommuniziert, dass die beiden amtierenden Gemeinderäte Christian Schneider und Richard Meister sich für dieses Amt nicht zur Verfügung stellen. Und so blieb es still, kein Vorschlag wurde gemacht, dies obwohl Doris Zaugg Fitze mehrmals nachfragte. Damit kam der «Plan B» ins Spiel, der Gemeinderat hatte nach einer Lösung gesucht. Der amtierende Gemeindepräsident Hans Peter Baltensperger wäre bereit, das Präsidium weiterzuführen. «Mein Herz brennt immer noch für die Gemeindepolitik und ich habe momentan die nötige Zeit dafür», sagte er zu den Anwesenden. Aufgrund der Amtszeitbeschränkung (OgR Art. 46, 3 Amtsdauern) konnte er sich aber nicht mehr aufstellen lassen. Die Versammlung stimmte zu, dass über die Anpassung des Organisationsreglements der Gemeinde Wyssachen an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung anfangs 2025 abgestimmt wird. Danach können auch wieder Vorschläge eingereicht werden und es wird sich zeigen, ob der alte Gemeindepräsident auch der neue sein wird. 

Andrin Eggimann und Klaus Ruf im Gemeinderat
Da für den Gemeinderat und die Kommissionen nur so viele Vorschläge waren, wie Sitze zu vergeben sind, kam es zu stillen Wahlen. Neu im Gemeinderat sind Andrin Eggimann und Klaus Ruf, zusammen mit Christian Schneider und Richard Meister ist der Gemeinderat von Wyssachen in der nächsten Legislatur voraussichtlich ohne weibliche Vertretung. Mitglieder der Baukommission sind Janick Oppliger und Fabian Wymann (neu) sowie Daniel Steffen und Eva Uhlmann (bisher). Mitglieder der Bildungskommission sind Debora Baumann (neu) sowie Anja Maag, Dirk Mathys und Peter Zaugg (bisher). Als Rechnungsprüfungsorgan wurde die tilia treuhand gmbh, Weier im Emmental, gewählt.

Keine Diskussion um das Geld
Der Ressortvorsteher Finanzen, Gemeinderat Richard Meister, erläuterte das Budget 2025. Es schliesst in der Erfolgsrechnung bei einem Aufwand von 4 788 663 Franken mit einem Aufwandüberschuss von 164 164 Franken ab. «In der Feuerwehr steigen die Kosten immer mehr», hielt Richard Meister fest. Die Auswirkungen vom Finanz- und Lastenausgleich, die soziale Sicherheit und der Verkehr sind einige Gründe für das negative Budget. Die Steueranlage bei 1,9 Einheiten und die Liegenschaftssteuern von 1,5 Promille des amtlichen Wertes wurden gleich belassen. Die Feuerwehrersatzabgabe wurde von sechs auf zehn Prozent des Kantonssteuerbetrages erhöht, mindestens 40 Franken, höchstens 450 Franken. Obwohl rote Zahlen präsentiert wurden, gab es keine Diskussion in der Versammlung. Die Stimmberechtigten genehmigten das Budget 2025 einstimmig. Das Budget 2025 für die Investitionsrechnung sowie der Finanzplan 2025 bis 2029 wurden zur Kenntnis genommen. 

Ein Dank für grosse Arbeit
Mit grossem Dank wurde Gemeinderätin Doris Zaugg Fitze verabschiedet. Sie beendet nach acht Jahren ihre Gemeinderatstätigkeit als einzige Frau im Gremium. Von 2022 bis 2024 war sie zudem Vize-Gemeinderatspräsidentin. Zudem wirkte sie als treibende Kraft bei «Wyssachen in Bewegung». Auch mit grossem Dank verabschiedet wurde Gemeinderat Hans Jürg Mai, der im Ressort Bau und Werke viel Arbeit geleistet hat. «Seit 20 Jahren steht Hans Peter Baltensperger im Dienst der Gemeinde. Für diese lange Zeit gehört ihm ein Dankeschön», sagt Doris Zaugg Fitze. Die Gemeinderätin zeigte auf, was der amtierende Gemeindepräsident alles geleistet hat. «Er kennt jeden Stein in der Gemeinde, hat sich aber den Blick gegen aussen bewahrt und kann Probleme mit Weitsicht lösen», sagte sie in der Laudatio. Mit grossem Applaus der Versammlung wurde Hans Peter Baltensperger für sein Engagement gedankt. Aus der Bildungskommission wurde Susanne Leuenberger verabschiedet, aus der Baukommission waren es Hans Hostettler und Peter Heiniger. Gemeinderat Christian Schneider informierte über die Situation rund um das Glasfaserprojekt in der Gemeinde Wyssachen, bei dem im Moment etwas Stillstand herrsche. Schulleiter Patrik Baumann gab bekannt, dass die Finanzen rund um den naturnahen Spiel- und Pausenplatz auf Kurs sind. Rund 97 000 Franken sind bereits auf dem Konto und zugesagt sind 141 000 Franken, dazu noch etliche Sachspenden. Am 21. Juni 2025 soll die Einweihung mit einem Dorffest gefeiert werden. 

Von Barbara Heiniger