• Reto Bärtschi, Künstler und künstlerischer Leiter der Kunsthalle. · Bilder: Prisca Rotzler Köhli

22.11.2024
Langenthal

Kunsthalle auf Zeit für Künstler aller Sparten

Am 30. November öffnet Langenthals erste Kunsthalle ihre Türen. Unter der künstlerischen Leitung von Reto Bärtschi werden in den kommenden zwei Jahren lokale und internationale Künstlerinnen und Künstler aller Sparten ihre Werke präsentieren. Danach wird die Elektrotunnelofenhalle abgerissen.

In die längst ausser Betrieb gesetzte Elektrotunnelofenhalle auf dem Areal der ehemaligen Porzellanfabrik Langenthal – kurz Porzi - kehrt Leben ein. Ein grosser «Wächter» von Reto Bärtschi und ein Graffiti von Cyril Jäggi laden zum Besuch. Drinnen stehen Leitern herum, weisse Paneelen als Schallschlucker werden aufgehängt und Menschen in Arbeitskluft, darunter auch Reto Bärtschi, sind am Werk, um die Halle in eine Kunsthalle zu verwandeln. Bärtschi wurde von einer Gruppe Künstlerinnen und Künstlern angefragt, ob er nicht auf dem Porzi-Areal eine Kunsthalle schaffen wolle. Er liess sich vom Konzept des Museums Franz Gertsch inspirieren und machte in verschiedenen Medien auf die Idee aufmerksam. «Es hat eingeschlagen wie eine Bombe», erzählt er. Vom 30. November bis Ende Dezember sind Künstlerinnen und Künstler aller Sparten eingeladen, die Kunsthalle zu bespielen. Sie können ein Werk ihrer Wahl präsentieren. «Ich liefere zwei Nägel und den Hammer», erklärt Bärtschi das Vorgehen. Kommen könne, wer wolle, solange es Platz habe. 

Warum der Begriff «Kunsthalle»?
Für Reto Bärtschi ist eine Kunsthalle ein offener Ort, der Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit gibt, sich selbst zu sein und zu experimentieren. Selbst grosse Objekte finden in der Halle Platz. Bärtschi weist auf das Tor hin: «Hier kann man mit einem Fahrzeug reinfahren und anliefern, was bei einer Galerie oder einem Museum meist nicht der Fall ist.» Die Dezember-Kunstschau wird nicht kuratiert. Ab 2025 bis 2027 folgen sieben kuratierte Ausstellungen, in denen sämtliche Kunstsparten vertreten sein werden: Bilder, Performances, Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien, Theater und Musik. Gerade zum Theater hat Bärtschi eine besondere Beziehung, da er in Kassel mit Schwerpunkt Theater studiert hat. Er betont mehrfach: «Es ist keine Reto-Bärtschi-Show. Ich bin in der Funktion des künstlerischen Leiters hier und werde von Kuratorinnen und Kuratoren sowie von Helferinnen und Helfern begleitet.» Eingeladen zu den Ausstellungen von Januar 2025 bis Ende Dezember 2027 sind etwa 50 Prozent ober aargauische Kunstschaffende, 30 Prozent nationale und rund 20 Prozent stammen aus dem Ausland. Sämtliche Ausstellungen bis 2027 sind bereits organisiert. Die Kunstwerke können erworben werden, es werden aber – so Bärtschi – auch unverkäufliche Sammlungen gezeigt. Ausserdem wird es eine Merchandising-Ecke geben, wo zum Beispiel nebst anderem kleine Formate erworben werden können. Für Reto Bärtschi gehört zur Kunst auch das Geniessen. In der Halle wird es eine Art Café geben. Das angrenzende Restaurant «przi rest lthal» ist mit von der Partie. So richten sich die Ausstellungszeiten nach den Öffnungszeiten des Restaurants (siehe unten). Draussen ist Cyril Jäggi an der Arbeit. Sein farbenfrohes Graffiti erzählt von der Porzellanfabrikation, der Kunsthalle und von Urtieren, deren Überreste gemäss des Graffiti-Künstlers Material für heutige Bedürfnisse liefern. 

Von Prisca Rotzler Köhli