Die Familie zieht an einem Strang und lebt dieselben Werte (von links): Samuel, Julia, Severin, Romana, Stefanie, Walter und Simona Zumbühl. · Bild: Regina Jäger
Leidenschaft für Naturheilkunde
Der Brunnmatthof der Familie Zumbühl liegt idyllisch eingebettet im Luzerner Hinterland – ein Ort, an dem Natur, Wissen und Gemeinschaft auf besondere Weise zusammenfinden. Hier haben Romana und Walter Zumbühl über viele Jahre hinweg einen Raum der Begegnung geschaffen, in dem Menschen zusammenkommen, lernen und bewusst zur Ruhe finden können.
Ein vielfältiges Angebot an Kursen, Seminaren und Vorträgen lädt dazu ein, die Natur neu zu entdecken, das eigene Wissen zu vertiefen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Ziel ist es, möglichst viele Menschen für die Zusammenhänge der Natur zu sensibilisieren und gleichzeitig ein achtsames Miteinander zu fördern. Romana und Walter Zumbühl gehören zu den Pionieren der Heilkräuterkunde in der Schweiz. Bereits seit rund 30 Jahren finden auf dem Hof Kurse statt, die sich mit Themen wie Natur, Persönlichkeitsentwicklung, Achtsamkeit und Kräutern beschäftigen. Aus einer tiefen Verbundenheit zur Pflanzenwelt heraus entwickelte sich Schritt für Schritt ein umfassendes Bildungsangebot. Als Romana Zumbühl vor rund 20 Jahren ihre Ausbildung in Naturheilkunde absolvierte, entstand die Idee zur Heilpflanzenschule – ein Angebot, das damals in dieser Form schweizweit einzigartig war und bis heute viele Menschen inspiriert.
Nächste Generation schon involviert
Im Laufe der Jahre hat das Interesse an diesem Thema stark zugenommen. Viele der heute bestehenden Heilpflanzenschulen wurden von ehemaligen Teilnehmerinnen des Brunnmatthofs gegründet. Ein grosser Teil der Besuchenden sind weiblich aus der ganzen Schweiz, die den Weg ins Luzerner Hinterland auf sich nehmen, um sich intensiv mit Pflanzenheilkunde auseinanderzusetzen. In den Anfangsjahren führte Romana Zumbühl die Kurse allein durch, organisierte sämtliche Abläufe selbst und kümmerte sich sogar persönlich um die Verpflegung der Teilnehmenden. Mittlerweile ist die Heilpflanzenschule gewachsen, und sie wird von einem Team unterstützt, das die verschiedenen Bereiche des Betriebs bereichert. Dazu gehören auch zwei Lernende, die das Bildungsjahr Hauswirtschaft auf dem Hof absolvieren. Dass sich der Brunnmatthof zu einem so vielseitigen Ort entwickeln konnte, ist nicht zuletzt der Offenheit der Besucherinnen und Besucher zu verdanken. Immer wieder brachten sie neue Ideen und Wünsche ein, aus denen nach und nach zusätzliche Kursangebote entstanden. Heute umfasst das Programm unter anderem die Grundausbildung zur Heilpflanzenfachperson, verschiedene Kräuterkurse, Seminare zu Aromatherapie und Räuchertraditionen sowie Angebote rund um die Frauengesundheit. Mit der Zeit ist auch die nächste Generation in den Betrieb hineingewachsen. Drei der fünf Kinder engagieren sich aktiv auf dem Hof und bringen ihre eigenen Fachgebiete ein. Die älteste Tochter Stefanie ist Naturheilpraktikerin mit fundiertem Fachwissen und einem feinen Gespür für die Wirkungsweise von Pflanzen. Neben ihrer praktischen Tätigkeit gibt sie ihr Wissen als Referentin in den Heilpflanzenkursen weiter. Julia Zumbühl ist ausgebildete Köchin und verbindet kulinarische Kreativität mit ihrem Interesse an Wildpflanzen. Sie sorgt nicht nur für die Verpflegung der Kursteilnehmenden, sondern bietet auch eigene Wildkräuterkochkurse sowie Kräutersalzkurse an. Sohn Samuel hat nach der Drogistenfachschule noch eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert. Er führt in Nebikon die Brunnmatt-Drogerie, wo wertvolle Hausspezialitäten entstehen, darunter Salben, Urtinkturen, Körper- und Pflanzenöle. Die enge Verbindung zwischen Anbau, Verarbeitung und Anwendung macht die Qualität der Produkte besonders nachvollziehbar.
Natürlicher Kreislauf als Grundlage
Auf dem Brunnmatthof wird vieles bis heute in sorgfältiger Handarbeit hergestellt. Die Nähe zur Natur prägt den Alltag und schärft den Blick für die Pflanzen der eigenen Umgebung. Wer Kräuter sammelt, beginnt automatisch, seine Umwelt bewusster wahrzunehmen und die natürlichen Rhythmen zu verstehen. Immer wieder kommen auch die Lehrlinge aus der Drogerie in Nebikon auf den Hof, um bei der Kräuterernte mitzuhelfen und ihr Wissen über pflanzliche Rohstoffe zu erweitern. Diese direkte Erfahrung schafft ein tieferes Verständnis für Qualität, Verarbeitung und Wirkung. «Wir haben eine grosse Liebe und Begeisterung für alles Lebendige», sagt Romana Zumbühl. «Unsere wichtigsten Lehrmeister waren die Tiere auf unserem landwirtschaftlichen Betrieb. Seit über 20 Jahren arbeiten wir antibiotikafrei und setzen konsequent auf Naturheilkunde.» Die Landwirtschaft ist bis heute ein zentraler Bestandteil des Hoflebens. Sowohl pflanzliche als auch tierische Lebensmittel werden hier produziert. Dabei spielen natürliche Kreisläufe eine entscheidende Rolle. Hofinterne und externe Prozesse sind so gestaltet, dass möglichst ressourcenschonend und im Einklang mit der Natur gearbeitet wird. Bereits seit 2013 ist der Betrieb Bio-Knospe-zertifiziert – ein klares Bekenntnis zu nachhaltiger und verantwortungsvoller Landwirtschaft. Für die Besucherinnen und Besucher wird spürbar, wie eng alles miteinander verbunden ist. Gemüse, Kräuter und Salate, die in der Küche verwendet werden, stammen direkt vom Hof. Dadurch entsteht ein authentischer Bezug zwischen Anbau, Verarbeitung und Genuss. Wenn die Erntezeit beginnt, sind alle gefragt. Oft entscheidet das Wetter darüber, wann es genau losgehen kann. Manchmal öffnet sich nur ein kurzes Zeitfenster, in dem die Kräuter optimale Qualität haben. Dann packen alle mit an. «Wenn die Wetterprognose stimmt, fragen wir im internen Kräuterwirbel-Chat kurz: Wer hat Zeit? Dann geht es los – Brennnesseln sammeln oder Löwenzahnblätter pflücken. Wir stehen für Premiumqualität. Diese können wir nur gewährleisten, wenn wir konsequent auf Handarbeit setzen und jeden Arbeitsschritt sorgfältig ausführen», erklärt Romana Zumbühl. «Nur wenn alle Abläufe perfekt ineinandergreifen, entsteht am Ende ein Produkt mit intensiver Wirkung und unverwechselbarem Geschmack.»
Ruheplätze und weite Aussichten
Zum Brunnmatthof gehört ein harmonisch gewachsenes Gebäudeensemble mit Seminarhaus, Küche und Kräuterstube. Besonders eindrücklich sind die liebevoll gestalteten Kräutergärten, die nicht nur Lernorte, sondern auch Rückzugsräume sind. Kleine Sitzplätze laden dazu ein, innezuhalten, zu beobachten und die Umgebung bewusst wahrzunehmen. Von der Terrasse aus eröffnet sich ein weiter Blick bis zum Pilatus, zur Rigi und zum Titlis. Die Weite der Landschaft schafft Raum für neue Gedanken und lädt dazu ein, sich ganz auf den Moment einzulassen. Die Anlage ist den Kursteilnehmenden vorbehalten und bietet damit eine ruhige, konzentrierte Atmosphäre fernab vom Alltag. Viele Besucherinnen und Besucher berichten, dass sie die besondere Stimmung des Ortes bereits bei ihrer Ankunft wahrnehmen. Es entsteht das Gefühl, Ballast ablegen zu dürfen und sich ganz auf die Erfahrung einzulassen. «Dieser Ort konnte nur entstehen, weil mein Mann Walter und ich uns immer gegenseitig unterstützt haben», sagt Romana Zumbühl. «Unsere gemeinsame Vision durften wir mit vielen Menschen teilen. Unsere Leidenschaft für die Naturheilkunde weiterzugeben und zu sehen, wie dieses Wissen in Familien und Gemeinschaften weiterlebt, erfüllt uns mit grosser Dankbarkeit.» Die Werte, die auf dem Brunnmatthof gelebt werden, reichen weit über Fachwissen hinaus. Achtsamkeit, Respekt und ein liebevolles Miteinander bilden die Grundlage der Arbeit. Gleichzeitig geht es darum, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen und die eigene Verbindung zur Natur zu stärken. Diese Haltung wurde auch an die Kinder und mittlerweile an die Enkelkinder weitergegeben. Ein vollständiger Rückzug aus dem aktiven Alltag ist für Romana und Walter Zumbühl derzeit kaum vorstellbar – zu stark ist ihre Begeisterung für das, was sie gemeinsam aufgebaut haben. Kraft schöpfen sie in der Natur, die seit jeher Quelle ihrer Inspiration ist. Ein besonderer Moment in Romana Zumbühls Laufbahn war der Sieg in der siebten Staffel der Fernsehsendung «Landfrauenküche» im Jahr 2013. Der dort präsentierte «Landfrauenbraten» wurde anschliessend vielfach nachgefragt. Noch wichtiger als der Wettbewerbserfolg war für sie jedoch die Möglichkeit, eine Botschafterin für regionale und saisonale Küche zu sein. «Mir ist es ein grosses Anliegen, die Familie wieder bewusst an einen gemeinsamen Tisch zu bringen. Sich Zeit zu nehmen für das Kochen, wertvolle Lebensmittel zu verarbeiten und den Familientisch als Ort der Begegnung zu pflegen – das sind wichtige Werte, die uns im Alltag oft verloren gehen.» Der Brunnmatthof ist damit weit mehr als ein Bildungsort. Er ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Tradition, Wissen und Gemeinschaft zusammenwirken können – getragen von der Überzeugung, dass alles miteinander verbunden ist.
Von Bürte Lachenmann