• Grün, schön und mit harmonischem Dorfbild: Luthern ist auf der neuen Michelin-Karte der 56 schönsten Dörfer der Schweiz vertreten. · Bilder: Gabriela Graber

  • Kevin Quattropani vom Verein «Die schönsten Schweizer Dörfer», Gemeinderätin Anita Bernet und Krone-Wirt Alex Peter sehen in der Präsenz auf der Karte eine Chance für mehr Sichtbarkeit für Luthern. · Bilder: zvg/Gabriela Graber

14.04.2026
Luzerner Hinterland

Luthern auf der Karte der schönsten Dörfer

Die Napfgemeinde wurde vor kurzem in eine Michelin-Karte aufgenommen – als eines der 56 schönsten Dörfer der Schweiz und als einzige Gemeinde im «UE»-Gebiet. Die Karte ist erst die dritte dieser Art, die Michelin herausgibt, und die erste für die Schweiz. Was erhofft sich Luthern von dieser Erwähnung? Der «UE» hat nachgefragt.

Ascona, Morcote, Gruyères und Poschiavo: Sie alle finden sich auf der neuen Karte mit den 56 schönsten Dörfern der Schweiz. Neben bekannten Tourismusorten sind darauf auch kleinere Gemeinden vertreten – darunter Luthern im Luzerner Hinterland. «Das Dorf befindet sich in sonniger Lage in einem schönen Tal an der Grenze zwischen dem Kanton Luzern und dem Kanton Bern. Die vorherrschende Farbe ist sicherlich Grün», heisst es auf der Webseite des Vereins «Die schönsten Schweizer Dörfer», der die Auswahl zusammen mit dem renommierten französischen Verlag Michelin Editions erstellt hat. «Idyllisch am Fusse des Napf gelegen, mit einem der schönsten alten Ortskerne der Schweiz, hat Luthern mit dem Luthern Bad einen weiteren Höhepunkt – einen Wallfahrtsort mit einem mystischen unterirdischen Bad», heisst es weiter. Dass Luthern in einer Liste von schönen Dörfern vorkommt, ist nicht ganz neu. Die Napfgemeinde ist seit 2017 Teil des Vereins «Die schönsten Schweizer Dörfer». Michelin hat dessen Liste nun für die neue Karte übernommen. Neu ist damit vor allem die zusätzliche internationale Sichtbarkeit.

Homogenität und Schönheit als Kriterien
«Wir sind Teil einer weltweiten Vereinigung von insgesamt über 1000 Dörfern. Bei der Auswahl geht es um Kriterien wie Schönheit und Homogenität des Dorfbilds. Ausserdem darf die politische Gemeinde nicht mehr als 10 000 Einwohner haben», sagt Kevin Quattropani, Präsident des Vereins «Die schönsten Schweizer Dörfer». «Bei unserer Gründung 2015 haben wir unzählige Dörfer recherchiert – und sind auch auf Luthern gestossen. Wir haben das Dorf besucht, mit dem Gemeindepräsidenten Alois Huber gesprochen – und dann ergab ein Wort das andere.» Für die Mitgliedschaft im Netzwerk zahlt Luthern knapp unter 1000 Franken pro Jahr – ein Betrag, der sich laut Quattropani lohne. So kämen auf den Verein immer wieder grosse Reiseveranstalter, Verlage oder Zeitungen zu, die Kollaborationen mit dem Verein anstreben, was den Mitgliedern zum Teil grosse Aufmerksamkeit verschaffe. «Letztes Jahr war es National Geographic Japan, das unseren Dörfern – und auch Luthern – einen Platz in einem japanischen Reiseführer verschafft hat. Vor drei Jahren haben wir zudem mit dem renommierten italienischen Verlag De Agostini zusammengearbeitet.» Und dieses Jahr habe Michelin Editions den Verein kontaktiert. «Sie sagten, sie möchten eine Themenkarte erstellen und fragten uns, ob wir Interesse hätten, eine solche Karte für unsere Dörfer zu realisieren». Zum Schluss sagt Quattropani, dass er es begrüssen würde, wenn künftig auch ein Dorf aus dem Emmental dem Verein beitreten würde.

Sanfter Tourismus erwünscht
Alex Peter, Wirt der Krone, freut sich über die Erwähnung. «Es wäre natürlich schön, wenn dadurch ein paar weitere Touristen nach Luthern kommen würden», sagt er. Derzeit konzentriere sich der Tourismus auf Frühling, Sommer und Herbst. Viele der Gäste seien Wanderer und Radfahrer, dazu kämen Übernachtungsgäste aus ganz Europa. Für Peter macht jedoch nicht nur der Dorfkern den Reiz des Luthertals aus, sondern das Gesamtbild mit Landschaft, Weilern und Höfen. Allerdings habe es nicht nur Vorteile, zu den schönsten Dörfern zu gehören: Weil die Krone wie viele Häuser im Dorfkern unter Denkmalschutz stehe, sei den Eigentümern etwa der Bau einer Photovoltaikanlage nicht bewilligt worden. Neben Orten wie Ascona oder Poschiavo auf der Karte präsent zu sein, sei für Luthern etwas Besonderes, sagt Anita Bernet, Gemeinderätin mit Ressort Bildung und Kultur. Dass das Dorf deswegen überrannt würde, erwartet sie aber nicht. Es wäre schön, wenn die Leute hierher kämen, unsere Landschaft geniessen würden, das Luthern Bad besuchten – und dabei auch vor Ort etwas konsumieren würden, sodass das lokale Gewerbe profitiert.» Denn Luthern habe viel zu bieten. «Unsere Landschaft ist schön. Und gerade das Luthern Bad – ob man gläubig ist oder nicht – hat eine besondere Anziehungskraft.» Zusätzlich erhofft sich die Gemeinderätin, dass zukünftig mehr Personen mit dem ÖV anreisten. An Wochenenden seien die Parkplätze beim Luthern Bad oft überfüllt. Das Problem: «Auf der einen Seite möchten wir mehr ÖV-Verbindungen – dafür müssen wir aber erst die Fahrgastzahlen steigern. Hätten wir mehr und bessere Verbindungen, kämen vielleicht mehr Personen mit dem öffentlichen Verkehr.» Ob die Michelin-Karte tatsächlich mehr Gäste nach Luthern bringt, wird sich zeigen. Die Hoffnung im Dorf ist jedenfalls klar: ein paar mehr Besuchende, die bleiben – und am besten mit dem Bus kommen. Massentourismus will hier niemand. Und wer Luthern kennt, versteht, warum.

Von Gabriela Graber