• Die Fassduubeli-Band beim Üben im Lokal nahe der Langenthaler Bahnstation Gaswerk. · Bild: Reto Pfister

  • Werner Stocker (rechts) stiess Ende der 1980er-Jahre zur Band. Er ist als Perkussionist mit dabei. · Bild: Reto Pfister

  • Heinz Gränicher (links) ist der Gründer der Fassduubeli-Band. Er ist auch heute noch Bandleader und Komponist. · Bild: Reto Pfister

  • Die Fassduubeli bei einer der vielen Teilnahmen an der Langenthaler Fasnacht. · Bild: zvg

  • Die Fassduubeli bei einem Fasnachtsauftritt in der Anfangszeit der Band. · Bild: zvg

10.12.2025
Langenthal

Mehr als nur Musik auf Fässern

Seit 44 Jahren besteht die Langenthaler Steelband Fassduubeli. Immer noch wird sie von Heinz Gränicher geleitet und ist Stammgast an der Langenthaler Fasnacht. Auch im Ausland ist die Steelband in der Vergangenheit schon aufgetreten.

Heinz Gränicher, von seinen Freunden «Hanggi» genannt, hat immer schon Musik gemacht. Er spielte Gitarre und Klavier und hatte eine Band namens «Hanggi Five», die es sogar in eine Samstagabendsendung des Schweizer Fernsehens schaffte. Gränicher war Lehrer in Bützberg. Mit dem Kollegium machte er anfangs der 1980er-Jahre einen Ausflug. Gegen Ende des Ausflugs beschloss eine kleine Gruppe, sich musikalisch an der nächsten Langenthaler Fasnacht zu beteiligen. Sie begab sich zur Firma Motorex, um dort gebrauchte Fässer zu holen, und begann auf diesen herumzuklopfen. Im Jahr 1981 war die Geburtsstunde der Steelband «Fassduubeli» mit Gränicher als Bandleader. 44 Jahre später besteht die Band immer noch, und der heute 73-Jährige geht immer noch mit derselben Freude zur Probe ins Lokal nahe der Langenthaler Bahnstation Gaswerk. Doch zurück zur Anfangszeit. Die Gruppe begann auf den Fässern herumzuklopfen, mit dem Ziel, eine einfache Tonleiter zu erstellen. Drei Stücke umfasste das erste Repertoire, Gränicher kann sich nicht mehr genau erinnern, welche es waren. «Es waren wohl Stücke von Harry Belafonte», vermutet er.

Unterschiedliche Anzahl Töne
Die Fassduubeli-Leute suchten nach der Gründung Kontakt zu anderen Steelbands. Diese waren damals stark im Aufkommen, so dass die Langenthaler auch ohne Internet Bands, etwa im Raum Zürich, fanden. Auch zu Leuten aus der Karibik, dem Ursprungsgebiet der Steelbands, entstand Kontakt. Ein erster Versuch, von einem Lehrer aus Übersee Tipps zu erhalten, schlug allerdings fehl. «Er sagte uns einfach, dass wir mit einem Fünfkilohammer auf die Fässer schlagen sollen. Er war wenig kooperativ, wollte sein Wissen ausschliesslich mit den Bands teilen, deren Lehrer er war», erinnert sich Gränicher. Die Fassduubeli-Band ging auch so ihren Weg. Um eine Steelband aufzubauen, sind verschiedene Schritte nötig. Die gebrauchten Fässer aus dem gewerblichen Alltag hatten bald ausgedient. Die Fassduubeli-Leute beschafften sich in Bern Fässer bei Felix Rohner, der auch Steeldrums herstellte. Der Instrumentenbau wiederum ist auch nicht ganz so einfach, wie man ihn sich vorstellt. Denn es sollen ja verschiedene Register in einer Band gespielt werden. Grundsätzlich wird bei Fässern mit einem Hammer der Boden heruntergetrieben. Fässer, auf denen melodiöse, hohe Töne gespielt werden sollen, erhalten anschliessend 24 bis 28 Tonfelder. Sollen Basstöne erzeugt werden, reichen deren drei pro Fass.

Guter Zusammenhalt
1987 stiess der heute 77-jährige Werner Stocker zur Band. Seine Frau war bereits dort aktiv dabei. «Die Musik hatte mir immer schon gefallen», sagt er. «Der Zusammenhalt unter den Bandmitgliedern ist gross.» Die Anzahl Personen hat sich bis heute nicht gross verändert, aktuell gehören deren 19 der Fassduubeli-Band an. Viel mehr dürften es auch nicht sein, der Platz im Übungslokal ist begrenzt. In einer Steelband zu spielen erscheint einfach. Ist es aber nicht. «Man muss stets üben und dranbleiben», sagt Heinz Gränicher. Einmal pro Woche, jeweils am Mittwoch, ausser in den Schulferien, wird geübt. Das Repertoire umfasst derzeit 30 Stücke. Ein Drittel sind Eigenkompositionen von Gränicher, zwei Drittel sind Stücke aus der weiten Musikwelt, von Pop bis zu lateinamerikanischer Musik, auch Klassisches und Volkstümliches hat die Steelband schon gespielt. Die Stücke sind jeweils auswendig zu lernen. Dafür bekommt jedes Mitglied seine Stimme auf einer CD und in vereinfachter Notenschrift, einzelne Bandmitglieder behelfen sich mit einem eigenen «Spicker.»

Auftritte auch im Ausland
Fassduubeli hat in den mehr als vier Jahrzehnten des Bestehens zahlreiche Auftritte absolviert. Etwa in Vodnany, der tschechischen Partnerstadt von Aarwangen. Oder an einem Carneval Vénitien in Remiremont in Frankreich. Auch in die Karibik, nach Barbados, reiste man gemeinsam. Die Band hatte zuvor mit Auftritten einiges an Geld eingenommen und finanzierte so die gemeinsame Reise in die Ursprungsregion der Steelbands. «Gespielt haben wir dort nicht», sagt Gränicher. «Aber einigen Bands zugehört und Inspiration gesammelt.» Auch heute noch tritt Fassduubeli regelmässig auf. Die Langenthaler Fasnacht gehört zum Fixpunkt des Jahres, die Band kann auch für Firmenanlässe, Hochzeiten, Brunches, Geburtstagsfeiern oder Feste gebucht werden. Die ganz grosse Zeit der Steelbands ist allerdings mittlerweile vorbei, deren Anzahl in der Schweiz ist rückläufig. «Es ist nicht immer ganz einfach, Nachwuchs zu finden», sagt Gränicher, der auch für das Stimmen der Instrumente verantwortlich ist. Bei Fassduubeli denkt man jedoch nicht ans Aufhören. «Es macht immer noch viel Spass, die Band zu leiten und selber zu spielen.» 

Von Reto Pfister