Neukranzer Michael Reinhard aus Wasen (rechts) im dritten Gang gegen Marco Aemmer aus Oberhofen am Thunersee. · Bilder: Barbara Loosli
Michael Reinhard aus Wasen ist Neukranzer
Mit dem Seeländischen Schwingfest in Ipsach bestritten die «Bösen» das dritte Gauverbandsfest auf Berner Boden. Vom Schwingklub Sumiswald erreichten mit Gustav Steffen, Fabio Hiltbrunner und Patrick Schenk drei gestandene Schwinger den Kranz. Im Fokus stand der vierte Sumiswalder Kranzgewinner: Der 24-jährige Michael Reinhard aus Wasen erhielt erstmals Kopfschmuck. Auch der Melchnauer Routinier Severin Staub kam in den Genuss eines Kranzes.
Seeländisches Schwingfest in Ipsach · Es war der einzige Festsieg, der Fabian Staudenmann (Guggisberg) auf Berner Boden noch fehlte: der Sieg am Seeländischen Schwingfest. Der Mittelländer «Eidgenosse» bezwang im finalen Gang des Tages den Emmentaler Überraschungsmann Jonas Wüthrich (Trub) und liess sich am Bielersee vor den 4000 Zuschauerinnen und Zuschauern in die Höhe stemmen. Insgesamt wurden 25 Kränze abgegeben. Zehn und damit die meisten Kränze gingen ins Emmental. Die Berner Oberländer sicherten sich sechs Kränze, die Mittelländer drei, die Oberaargauer zwei, die Seeländer drei und die Gästeschwinger einen Kranz.
Der Neukranzer im Fokus
Am «Seeländischen» stand aus regionaler Sicht Michael Reinhard vom Schwingklub Sumiswald im Zentrum. Der 24-jährige Athlet aus Wasen konnte am Seeländischen Schwingfest das erste Mal in seiner Laufbahn vor die Ehrendamen treten und sich den heiss begehrten Kopfschmuck aufsetzen lassen. «Ich habe mir im Vorfeld drei Siege vorgenommen. Als ich dann in der Endabrechnung deutlich besser abschloss, dachte ich, dass es für den ersten Kranz reichen könnte», freute sich Reinhard. Der gelernte Landmaschinenmechaniker bodigte Mael Sommer (Büren zum Hof), Marco Aemmer (Oberhofen am Thunersee) und Nathan Schmid (Grasswil). Das Duell mit dem Kranzschwinger Simon Graf (Schwanden) endete gestellt. Er musste sich einzig im zweiten Gang vom Gästeschwinger Thomas Kuster (Altstätten/SG) den Rücken vom Sägemehl putzen lassen. Im letzten Gang und in der letzten Minute bodigte Michael Reinhard etwas überraschend den Seeländer Kranzschwinger Damian Gnägi (Aarberg) und erreichte damit seinen ersten Kranz. «Mir bedeutet der erste Kranz sehr viel, und er gibt mir die nötige Motivation, dass hoffentlich noch mehr Kränze folgen werden und ich die Trainings weiterhin konstant besuche», erzählte der Neukranzer gegenüber dem «UE». «Mein Saisonziel ist es, gesund und verletzungsfrei zu bleiben. Falls es gut läuft, kann ich vielleicht noch einen weiteren Kranz erreichen», meinte Reinhard abschliessend.
Gustav Steffen und Fabio Hiltbrunner weit vorne
Der 30-jährige Turnerschwinger Gustav Steffen (Ranflüh/SK Sumiswald) überzeugte in Ipsach und mischte an vorderster Front mit (Rang 3b). Der Emmentaler Verteidigungskünstler bodigte Sämi Nufer (Ringgenberg), Patrick Walther (Huttwil), Sandro Lehmann (Meiringen) und Simon Stucki (Horboden). Der 28-fache Kranzschwinger spürte ganztags kein Sägemehl am Rücken, denn gegen den erfahrenen «Eidgenossen» Philipp Roth (Biberist) konnte Gustav Steffen sechs Minuten lang standhalten. Der Emmentaler rang zudem im fünften Gang dem Oberaargauer «Eidgenossen» Lukas Tschumi (Wolfisberg) einen «Gestellten» ab. Mit einem Sieg hätte Gustav Steffen sogar selbst noch Chancen auf eine Schlussgang-Teilnahme gehabt. Punktegleich rangierte sein Klubkollege und seit dem Oberbühl-Schwinget wieder im Sägemehl stehende Fabio Hiltbrunner (Schmidigen-Mühleweg/Rang 3d). Der 20-jährige Landwirt scheiterte im Anschwingen am Berner Seeländer Matthieu Burger (Lüscherz). Seine Kämpfe gegen Nils Theiler (Emmenbrücke), Remo Zürcher (Rüedisbach), Levin Neuenschwander (Oberönz) und Marco Aemmer (Oberhofen am Thunersee) schloss der Sieger des Jubiläumsschwingfests «125 Jahre ESV» 2024 in Appenzell allesamt mit der Höchstnote von 10,00 Punkten ab, womit er wieder vorne mit dabei war. Hiltbrunner ist nach seiner längeren Zwangspause wieder mit voller Wucht zurück und lässt dies seine Gegner deutlich spüren. Im fünften Zweikampf gegen Reto Thöni (Innertkirchen) kassierte Hiltbrunner allerdings ein Unentschieden. Nach dem Verletzungs-Comeback ist es für Hiltbrunner nach dem «Emmentalischen» bereits der zweite Kranzgewinn in der noch jungen Saison.
Eichenlaub nach längerer Durststrecke
Grund zum Jubeln hatte auch ein erfahrener Sumiswalder «Eidgenosse»: Der 32-jährige Patrick Schenk (Weier) konnte sich im Berner Seeland ebenfalls unter die Kranzgewinner mischen (Rang 6a). Nach längerer Durststrecke – seinen letzten Kranz erreichte der Emmentaler am letztjährigen Seeländischen Schwingfest in Detligen – durfte Patrick Schenk wieder einmal vor die Ehrendamen treten. In den ersten beiden Gängen musste der gelernte Zimmermann die Punkte noch mit den stark auftretenden Kranzschwingern Nicolas Zimmermann (Riggisberg) und Leandro Nägeli (Hasliberg Reuti) teilen. Damit wurde der «Eidgenosse» seiner Favoritenrolle nicht gerecht. «In den beiden ersten Gängen hatte ich gute Gegner, gegen die ich keine Lösung fand», sagte Patrick Schenk gegenüber dem «Unter-Emmentaler». «Anschliessend wusste ich, was ich leisten musste, um den Kranz noch erreichen zu können. Das ist mir glücklicherweise gelungen.» Nach den beiden Unentschieden meisterte der Routinier seine Aufgaben mit Bravour. Der 45-fache Kranzschwinger reihte vier Siege aneinander und legte Hansueli Schütz (Reichenbach im Kandertal), Sämi Nufer (Ringgenberg), Marcel Mösli (Gais) und Daniel Bühlmann (Rothenburg) aufs Kreuz. In der letzten Minute war es um die Gegenwehr des Innerschweizers Daniel Bühlmann dann ebenfalls geschehen. Der Holzbauingenieur Patrick Schenk setzte sich im sechsten Gang gekonnt durch – und sicherte sich somit nach langem Unterbruch wieder einmal den Kranz. Ein Motivationsschub für die weitere Kranzfestsaison. Nachdem der Langenthaler Athlet Severin Staub (Melchnau) am Baselstädtischen Schwingfest zwei Tage zuvor noch haarscharf am Kranz vorbeigeschlittert war, rangierte der Oberaargauer am «Seeländischen» wieder in den Kranzrängen (Rang 7e). Staub brachte Pius Thöni (Brienz), Stefan Hofer (Grünenmatt) und Marco Iseli (Reutigen) zum Fallen. Im Anschwingen gegen Adrian Reichenbach (Gstaad) versuchten die beiden sechs Minuten lang viel, um den Gegner auf den Rücken zu bringen. Doch sie konnten sich gegenseitig immer wieder befreien – und rangen einander einen «Gestellten» ab. Im letzten Duell teilte Strub die Punkte mit Remo Rutsch (Rapperswil/BE). Einzig vom Seeländer Eidgenossen Matthieu Burger (Lüscherz) wurde Staub bezwungen. Einen Kranz gewinnen konnte auch der Heimiswiler Simon Wüthrich. Der für den Schwingklub Zäziwil antretende Regionale konnte vier Gänge für sich entscheiden.
Knapp am Kranzgewinn vorbei
Simon Röthlisberger (Hasle bei Burgdorf/SK Sumiswald) hingegen verpasste das Eichenlaub mit drei Siegen und zwei Remis nur um das verflixte «Vierteli» (Rang 9a). Dem erfolgreichsten Huttwiler Athleten Patrick Walther fehlte lediglich ein halber Punkt zum Kranz (Rang 10d). Der 30-jährige Oberaargauer gestaltete drei Gänge siegreich, während zwei Duelle gestellt ausgingen.
Auszug aus der Rangliste: 1. Fabian Staudenmann, Guggisberg, 58,75; 2. Etienne Burger, Les Prés-d’Orvin, 58,00; 3a. Jonas Wüthrich, Trub, 57,25; 3b. Gustav Steffen, Ranflüh/SK Sumiswald, 57,25; 3d. Fabio Hiltbrunner, Schmidigen-Mühleweg/SK Sumiswald, 57,25; 6a. Patrick Schenk, Weier/SK Sumiswald, 56,50; 7a. Michael Reinhard, Wasen/SK Sumiswald, 56,25; 7c. Simon Wüthrich, Heimiswil, 56,25; 7e. Severin Staub, Melchnau/SK Langenthal, 56,25; 9a. Simon Röthlisberger, Hasle/SK Sumiswald, 55,75; 10d. Patrick Walther, Huttwil/SK Huttwil, 55,50; 10g. Florian Röthlisberger, Lotzwil/SK Langenthal, 55,50; 10h. Tim Wüthrich, Grossdietwil/SK Langenthal, 55,50; 11b. Stefan Gerber, SK Sumiswald, 55,25; 11h. Michael Zingg, Eriswil/SK Huttwil, 55,25; 12j. Flurin Eymann, Schwarzenbach/SK Huttwil, 55,00; 13e. Loris Steffen, Hasle/SK Sumiswald, 54,75; 13f. Konrad Steffen, Wynigen/SK Sumiswald, 54,75; 15g. Jonas Hodel, Huttwil/SK Huttwil, 54,25; 15j. Ivan Rohrbach, SK Langenthal, 54,25; 16c. Patrick Steffen, Hasle/SK Sumiswald, 54,00; 18a. Alex Eymann, Schwarzenbach/SK Huttwil, 53,50; 18c. Sandro Röthlisberger, Hasle-Rüegsau/SK Sumiswald, 53,50; 19a. Sebastian Mathys, SK Langenthal, 53,25; 20e. Stefan Hofer, Grünenmatt/SK Sumiswald, 53,00.
Von Yanick Kurth