Dominik Hodel, stolzer Neukranzer vom Schwingklub Huttwil, bezwingt im letzten Gang Benjamin Burren aus Gasel.
Mit Festsieg auf grosse Enttäuschung reagiert
Der Emmentaler Matthias «Disu» Aeschbacher hat nach der grossen Enttäuschung am «Emmentalischen» (kein Kranzgewinn) mit dem Gewinn des Mittelländischen Schwingfests in Stettlen in eindrücklicher Manier reagiert. Auch ein Huttwiler hatte Grund zum Feiern: Dominik Hodel kam mit fünf Siegen zu seinem ersten Eichenlaub und erreichte mit Rang 4a eine Top-Platzierung.
Mittelländisches Schwingfest in Stettlen · Der Sieger am Mittelländischen Schwingfest in Stettlen heisst Matthias Aeschbacher (Rüegsauschachen). «Disu» setzte sich beim stark besetzten zweiten Gauverbandsfest der Berner gegen eine namhafte Konkurrenz durch. Der 34-jährige Athlet vom Schwingklub Sumiswald bestritt den Schlussgang zusammen mit dem Berner Oberländer Curdin Orlik, nachdem sich die beiden Spitzenschwinger Fabian Staudenmann (Bern) und Michael Moser (Zäziwil) im fünften Gang gegenseitig neutralisierten. In der Hälfte des Schlussganges packte Aeschbacher seinen Klassiker aus und bodigte den Thuner Königsbruder mit einem wuchtigen inneren Haken. «Den Schlussgang wollte ich unbedingt gewinnen, nachdem ich im Anschwingen gegen den gleichen Gegner noch ein ‹Glauer› abliess», schmunzelte Matthias Aeschbacher während des Siegesinterviews. «Nach der Startniederlage dachte ich nicht, dass es noch etwas wird.» Die beiden Spitzenschwinger reichten sich bereits im Anschwingen die Hand. Dort konnte der Berner Oberländer kurz vor Ablauf der Zeit den Emmentaler noch ins Sägemehl betten. Im Schlussgang endete die Revanche dann für «Disu» positiv. Für Matthias Aeschbacher ist es der 17. Kranzfestsieg. Das «Mittelländische» gewann er nach 2018 und 2021 zum dritten Mal. Zuletzt triumphierte Aeschbacher vergangene Saison am Schwarzsee-Schwinget.
Sieg gegen Adrian Walther
Nach der Enttäuschung vor einer Woche am Emmentalischen Schwingfest – erstmals seit 2011 verpasste der Routinier an seinem Heimfest den Kranz – konnte Matthias Aeschbacher am vergangenen Sonntag eine eindrückliche Antwort liefern. Am Vormittag brachte der Publikumsliebling die beiden Kranzschwinger Florian Matter (Rubigen) und Damian Dubach (Reichenbach) mit der Höchstnote von 10,00 Punkten zum Fallen. Seine Gegner hatten gegen die resoluten Angriffe des Emmentalers keine Chance. Am Nachmittag setzte «Disu» seine Siegesserie fort und brachte den Kranzschwinger Remo Rutsch (Rapperswil) beim ersten Angriff aufs Kreuz. Im fünften Zweikampf bodigte er doch eher überraschend den Sieger vom Emmentalischen Schwingfest, Adrian Walther (Habstetten), und schaffte so die Qualifikation für den Schlussgang. Walther startete selbst einen Kurzangriff, hob «Disu» an, doch der Emmentaler Routinier nutzte die kurze Unachtsamkeit des Mittelländers aus und brachte Adrian Walther schliesslich 3:30 Minuten vor Gangende mit dem Rücken voran ins Sägemehl. Matthias Aeschbacher scheint nach seiner eher durchzogenen bisherigen Saison wieder auf dem Weg zur Topform zu sein. «Ich bin mit der Einstellung ans ‹Mittelländische› gereist, eine solide Leistung zu erbringen und den Kranz zu holen», sagte er. Und weiter: «Dieser Sieg bedeutet mir wirklich sehr viel. Die Saison war bisher nicht unbedingt gut. Das Resultat am ‹Emmentalischen› hat mir schon zu denken gegeben.» Aeschbacher steht damit bei 17 Kranzfestsiegen und 104 Kranzgewinnen.
Dominik Hodel mit Top-Platzierung und erstem Eichenlaub
Das Feiern beim Schwingklub Huttwil geht weiter. Nachdem vor einer Woche der Huttwiler Patrick Walther am «Emmentalischen» seinen vierten Kranz der Karriere ergattern konnte, überzeugte am «Mittelländischen» sein Klubkollege und Angriffskünstler Dominik Hodel (Huttwil) mit einer herausragenden Leistung (Rang 4a). Damit rangierte der Oberaargauer in der Schlussabrechnung noch vor so manchem namhaften «Eidgenossen» und Kranzschwinger. Der 25-Jährige durfte bei der Rangverkündigung vor die Ehrendamen treten, um sich zum ersten Mal den heiss begehrten Kranz aufsetzen zu lassen. Sein Vater Urs Hodel war 2004 in Luzern der letzte Athlet vom Schwingklub Huttwil, der an einem Eidgenössischen Schwingfest im Sägemehl stand. Der gelernte Landschaftsgärtner brachte Mathias Steffen (Urtenen-Schönbühl), Lenny Horat (Hasliberg Reuti) und die beiden Kranzschwinger Michael Heim (Oberwil) und Adrian Reichenbach (Gstaad) auf den Rücken. Im letzten Zweikampf legte der Huttwiler den Einheimischen Benjamin Burren (Gasel) auf den Rücken. Hodel überzeugte ganztags mit einer konstanten Leistung. Einzig im dritten Gang scheiterte der «Blumenstädter» am ebenfalls stark auftretenden Kranzschwinger Silvan Trittibach aus Diemtigen. Nach dem fünften Duell hatte Dominik Hodel dank starker Vorarbeit den Kranz schon fast auf sicher in der Tasche. Ein Unentschieden hätte dem Huttwiler im letzten Duell gereicht, um das Eichenlaub zu erhalten. «Ich reiste ohne grosse Erwartungen nach Stettlen. Am Mittag bemerkte ich, dass etwas drin liegt. Dass es am Ende zu einem so guten Rang reicht, hätte ich allerdings nicht gedacht. Endlich hat es mit meinem ersten Kranzgewinn geklappt», erzählte Dominik Hodel gegenüber dem «Unter-Emmentaler».
Melchnauer musste um Kranz zittern
Der Sumiswalder Kranzschwinger Gustav Steffen (Ranflüh) kam mit vier gewonnenen Duellen ebenso in den Genuss eines weiteren Kranzes (Rang 7g). Der 30-jährige Holzbautechniker scheiterte unter anderem am Spitzenschwinger und «Eidgenossen» Fabian Staudenmann (Bern). Noch haarscharf unter die Kranzgewinner durfte sich der Langenthaler Athlet Severin Staub (Melchnau) reihen (Rang 8i). Der 23-jährige Oberaargauer fand gegen Marco Aemmer (Oberhofen am Thunersee), Dario Bühler (Scharnachtal) und Christian Wüthrich (Trub) drei gewinnbringende Züge. Nur dank des Schlusserfolgs mit der Höchstnote von 10,00 Punkten gegen Wüthrich reichte es dem gelernten Milchtechnologen noch zum bedeutsamen Kopfschmuck. Die drei restlichen Duelle gingen allesamt gestellt aus. «Ich war am Schluss sehr froh, dass es noch für den Kranz gereicht hat. In den drei gestellten Duellen war ich vermutlich zu wenig konsequent», so Staub. Sein Klubkollege Lukas Jäggi (Gutenburg) hingegen hatte weniger Glück (Rang 10c). Der Oberaargauer verpasste mit drei Siegen und zwei Remis den Kranz um lediglich einen halben Punkt. Sogar nur das verflixte «Vierteli» fehlte dem Heimiswiler Simon Wüthrich (Rang 9a) zum Kopfschmuck.
Auszug aus der Rangliste: 1. Matthias Aeschbacher, Rüegsauschachen/SK Sumiswald, 58,25; 2a. Bernhard Kämpf, Sigriswil, 58,00; 2b. Fabian Staudenmann, Bern, 58,00; 3. Nicolas Zimmermann, Riggisberg, 57,75; 4a. Dominik Hodel, Huttwil/SK Huttwil, 57,50; 4b. Adrian Walther, Habstetten, 57,50; 5a. Michael Moser, Biglen, 57,25; 7g. Gustav Steffen, Ranflüh/SK Sumiswald, 56,75; 8i. Severin Staub, Melchnau/SK Langenthal, 56,50; 9a. Simon Wüthrich, Heimiswil, 56,25; 10c. Lukas Jäggi, Gutenburg/SK Langenthal, 56,00; 12c. Sven Burkhalter, Sumiswald/SK Sumiswald, 55,50; 12h. Jonas Hodel, Huttwil/SK Huttwil, 55,50; 13h. Tim Wüthrich, Grossdietwil/SK Langenthal, 55,25; 13l. Ivan Rohrbach, SK Langenthal, 55,25; 14c. Simon Friedli, SK Langenthal, 55,00; 16d. Sandro Röthlisberger, Hasle-Rüegsau/SK Sumiswald, 54,50; 16e. Simon Röthlisberger, Hasle-Rüegsau/SK Sumiswald, 54,50; 16k. Simon Röthlisberger, Melchnau/SK Langenthal, 54,50; 16n. Manuel Aegerter, SK Sumiswald, 54,50; 16o. Stefan Gerber, SK Sumiswald, 54,50; 17b. Florian Röthlisberger, Lotzwil/SK Langenthal, 54,25; 17c. Adrian Bürki, Sumiswald/SK Sumiswald, 54,25.
Von Yanick Kurth