Rainer Zgraggen (Architekt), Martin Stöckli (Infrastrukturchef), Peter Zumstein (Vize- präsident Aero Club) und Rolf Reber (Mitglied Baukommission).
Moderner Wind, junges Wirtepaar
Am Wochenende öffnet auf dem Flugplatz Bleienbach das neu erbaute Restaurant Hangar 5. Geführt wird es von Janine Held und Ronny Herzig, die bis Anfang Juli das Restaurant Rank in Aarwangen führten.
Bleienbach · Es ist an der Zeit gewesen, dass in Sachen Restaurant auf dem Flugplatz Bleienbach etwas geht. Das alte Gebäude stand dort bereits seit Jahrzehnten, es zog im Winter durch, man konnte sich kaum an die Fenster setzen. Ein unbefriedigender Zustand für eine gastronomische Einrichtung, die nicht nur Besuchenden und Benutzenden des Flugplatzes dient, sondern auch allen, die die Gegend rund um den Flugplatz als Naherholungsgebiet nutzen; zu ihnen gehören viele Familien. Im Frühling 2024 reifte im Vorstand des Aero-Clubs Regionalverband Langenthal, des Betreibers, die Erkenntnis, dass man daran etwas ändern wolle. Gesagt, getan. Etwa anderthalb Jahre später öffnet am Wochenende das neue Restaurant Hangar 5 in einem modernen, zweistöckigen Gebäude, das einem Flugzeughangar nachempfunden wurde. Geführt wird es von Janine Held und Ronny Herzig, einem jungen Wirtepaar, das zuvor das Restaurant Rank in Aarwangen geführt hatte.
Keine Unterkellerung
Am Anfang des Projektes stand ein eigentlich geplanter Architekturwettbewerb. Für diesen zu Rate gezogen wurde Rainer Zgraggen, Architekt, ehemaliger Präsident und Ehrenmitglied des Aero-Clubs. Zgraggen sollte ursprünglich nur den Wettbewerb begleiten und moderieren und als Fachmann letztlich die Auswahl mittreffen, welches der eingereichten Projekte das Beste sei und realisiert werden sollte. Projektvorschläge trudelten ein, «Es gab am Ende aber keinen Wettbewerb, weil das Variantenstudium von Architekt Zgraggen die Lösung schon aufzeigte», sagt Martin Stöckli, im Aero-Club zuständig für die Infrastruktur. Zgraggen erkläre sich danach bereit, die Architekturarbeiten für den Aero-Club durchzuführen. Er entwarf ein Projekt, das nicht unterkellert ist. Dies wegen des Grundwassers, das auf dem Areal bei unter dem Boden liegenden Geschossen zum Problem werden könnte. Zwei Stockwerke umfasst der Hangar 5. Im Erdgeschoss befindet sich das Restaurant mit den Küchenräumlichkeiten, die Aussenterrasse ist direkt vom Restaurantinnern aus zugänglich. So ist es möglich, direkt aus der Küche heraus auf die Plätze draussen zu servieren ohne grosse Umwege zu gehen. Im Gebäude befinden sich auch andere Räumlichkeiten. So etwa ein Saal für Veranstaltungen des Aero-Clubs, ein Versammlungsraum, der vom Vorstand zu Besprechungen und Sitzungen genutzt werden kann, oder das sogenannte C-Büro. Dieses müssen etwa die Piloten zwingend aufsuchen, wenn sie einen Flug durchführen wollen. Sie melden ihn dort an, erhalten Informationen über den Flugplan oder das Wetter. In der heutigen digitalisierten Zeit muss dieses Büro, von aussen mit einem gut sichtbaren grossen C markiert, nicht sehr gross sein, ein kleiner Raum reicht dafür aus. «Im Vergleich zum jetzigen Zustand ist dieses moderne kleine Büro ein klarer Fortschritt», sagt Infrastrukturchef Stöckli.
Sieben Kisten Papier nach Bern
Speziell ist das Bewilligungsverfahren, das für einen solchen Restaurant-Neubau auf einem Flugplatz nötig ist. Zuständig dafür ist nicht die Gemeinde wie bei einem Neubau in einem Dorf oder in einer Stadt. Auf einem Areal mit Luftverkehr ist es mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) eine Behörde in Bern. Dieses prüft unter anderem, ob das Restaurant genug Sicherheitsabstand zu den Arealen aufweist, auf denen Flugzeuge starten und landen. Speziell ist auch, dass beim BAZL das elektronische Baubewilligungsverfahren noch nicht Einzug gehalten hat, das auf kommunaler Ebene (E-Bau) schon länger Standard ist. Alles muss nach wie vor auf Papier dokumentiert werden. «Wir sind mit sieben Kisten voller Unterlagen nach Bern gefahren», sagt Peter Zumstein, der Vizepräsident des Aero-Clubs. Das Verfahren ging dann schnell vonstatten, die Bewilligung wurde rasch erteilt, da am Projekt nichts zu beanstanden war. «Die Abwicklung ging zügig vonstatten, da kann ich die Behörde nur loben», sagt Baukommissionsmitglied Rolf Reber.
Er ist in der Segelfluggrupp
Das Projekt kostete 1,8 Millionen Franken. Ein Drittel konnte aus Eigenmitteln finanziert werden, etwa aus den Einnahmen aus dem laufenden Betrieb. Für zwei Drittel wurde ein Bankkredit aufgenommen. Auf der Suche nach geeigneten Pächtern stiessen die Verantwortlichen des Aero-Clubs rasch auf Ronny Herzig und Janine Held. Herzig, der Koch gelernt hat, hat einen Bezug zur Fliegerszene. Er fliegt in Langenthal Modellflieger und hat eine Kollegin in der Segelfluggruppe, die von Bleienbach aus ihre Flüge unternimmt. Bis Anfang Juli führten die beiden erfolgreich das Restaurant Rank in Aarwangen. «Sie sind initiative junge Leute, die bereits bewiesen haben, dass sie ein Restaurant führen können», sagt Vizepräsident Zumstein. Herzig und Held waren sofort begeistert, als sie von der Möglichkeit erfuhren, auf dem Flugplatz als Wirte tätig werden zu können. «Ja, das wäre etwas», sagte sich Janine Held, die durch ihren Partner zur Gastronomie stiess und ursprünglich Abteilungsleiterin bei einem Grossverteiler war. Der Hangar 5 weise im Vergleich zum Rank in Aarwangen einige Vorteile auf, sagen die beiden. «Die Küche ist grösser, es hat auch mehr Parkplätze», sagt Herzig. Held hat bereits Signale erhalten, dass viele Stammkunden aus Aarwangen nach Bleienbach kommen würden. Dank des Saales ist die Anlage für Anlässe optimal geeignet.
Gutbürgerliche Küche
Herzig und Held freuen sich auf die Eröffnung, auch die Umgebungsarbeiten sollten bis dann erledigt worden sein. Angeboten werden soll gutbürgerliche Schweizer Küche; an den Wochenenden soll das Restaurant durchgehend offen sein. Unter der Woche will das neue Wirtepaar abwarten, wie sich die Nachfrage genau entwickelt.
Von Reto Pfister