• Eine Maschine bringt die Teigwaren in die richtige Form.

  • Anita und Vreni Birrer stellen in Luthern seit über 20 Jahren Teigwaren in Handarbeit her.

  • Die richtige Teigkonsistenz wird mit viel Gefühl erreicht.

  • Rund 500 Kilogramm Teigwaren werden jährlich in der Manufaktur hergestellt.

  • Verschiedene Aromen verleihen den Produkten ihren besonderen Geschmack.

17.04.2026
Luzerner Hinterland

Montags riecht es in Luthern nach Pasta

Im Mittleren Hurtgraben in Luthern ist der Montag seit über 20 Jahren ein besonderer Tag. Dann stellen Anita und Vreni Birrer in ihrer Manufaktur hausgemachte Eierteigwaren her – mit Geduld, Routine und einer spürbaren Freude am Handwerk.

Luthern · Es ist ein weitläufiger Hof in Luthern. Ein Schild bei der Einfahrt deutet darauf hin, dass dies kein einfacher Bauernhof ist. Im Innern surrt eine Maschine und im Hintergrund läuft leise ein Radio. Es riecht stark nach frischem Pastateig. «Das riechen wir schon gar nicht mehr», sagt Anita Birrer mit einem Augenzwinkern. Jeden Montag ist hier Pasta-Tag. Seit über 20 Jahren stellen Anita und Vreni Birrer im Mittleren Hurtgraben in Luthern hausgemachte Eierteig-waren her. Begonnen hat alles mit einer Lücke. Die Napf Chäsi suchte 2003 Ersatz, weil die frühere Lieferantin aufgehört hatte. Anita und Vreni Birrer lachten zuerst, gingen dann aber schnuppern, kauften schliesslich die Maschine und drei Matrizen der Vorgängerin ab und machten ernst. Aus dem Versuch wurde eine kleine Manufaktur mit Zukunft. Schon bald musste die kleinere Maschine durch eine grössere ersetzt werden. 2015 war bereits von zehn Sorten Eierteigwaren und acht Sorten Spezialnudeln die Rede, 2020 dann von insgesamt zwölf Matrizen und entsprechend grosser Vielfalt an Formen, Farben und Geschmacksrichtungen. Rund 500 Kilo Teigwaren produzieren Vreni und Anita Birrer mittlerweile jährlich in ihrer Manufaktur. Erstaunlich ist auch die Beziehung der beiden Frauen. Obwohl sie den gleichen Nachnamen tragen, sind sie keine Schwestern. Sie haben zwei Brüder geheiratet und werden trotzdem oder gerade deshalb immer wieder verwechselt. In einem Porträt auf der Plattform «natürlich Luthertal» heisst es, sie seien nicht immer derselben Meinung, aber sie ergänzten sich gut. Bei einem Besuch in der Manufaktur wirkt das Duo jedoch sehr harmonisch. Sie kennen jeden Handgriff und auch wenn der Teig einmal zu flüssig ist, kehrt keine Hektik ein. 

Zutaten stammen aus der Region
In Wirklichkeit ist die Pastaproduktion eine Schule der Geduld. Der Teig besteht aus Hartweizengriess, Wasser und Freilandeiern. Die Produkte stammen allesamt aus der Region, die Eier sogar vom eigenen Hof. Je nach Sorte kommen dann Tomaten, Spinat, Curry, Knoblauch, Safran, Steinpilz oder im Frühling auch Bärlauch dazu. Die Zutaten werden in der Pastamaschine vermischt und durch verschiedene Matrizen in die richtige Pastaform gedrückt. Danach beginnt der Teil, den Kundinnen und Kunden kaum sehen. Die Teigwaren trocknen mehrere Tage, müssen regelmässig gewendet werden und werden sauber verpackt. Das Ganze läuft unter klaren Hygienevorschriften ab, die auch regelmässig kontrolliert werden. So wird beispielsweise auch die Waage, die zum Verpacken verwendet wird, immer wieder durch einen Experten geeicht. Hinter der ländlichen Herzlichkeit steckt also viel Präzision. Wer von Manufaktur spricht, muss auch von Disziplin sprechen. Und doch bleibt Raum für Spielfreude. Im Frühling ist Bärlauch gefragt, im Herbst Steinpilz. Ganz selten kommen auch Leute mit spezielleren Anfragen auf die beiden Frauen zu. So haben sie auf Kundenwunsch bereits Nudeln mit Heublumen oder Asche hergestellt. Auf die Weihnachtszeit hin gibt es Pasta in sternförmigen Verpackungen sowie in Form von Wichteln und Schneemännern. Verkauft werden die Teigwaren heute ab Hof, im Luther-Lädeli und bei der Napf Chäsi. 

Weihnachtsmarkt als Highlight
Doch ein besonderes Highlight für das Duo ist der Weihnachtsmarkt in Luthern. «Wir geniessen es sehr, wenn wir dort mit den Leuten in Kontakt kommen», sagt Vreni Birrer. Seit vielen Jahren sind die beiden am Weihnachtsmarkt präsent. Die Besucherinnen und Besucher wissen jeweils, wo sie stehen und kommen regelmässig vorbei, erzählen die beiden. So würden auch Kunden aus Basel oder Graubünden kommen. Doch Anita und Vreni Birrer verrichten ihre Arbeit nicht hinter verschlossenen Türen. Immer wieder bieten sie Gruppenangebote an. Wer kommt, erfährt Interessantes zum Thema Pasta und darf selber mit anpacken. Jeweils am Montag können fünf bis zehn Personen während rund zwei Stunden eigene Luthertaler Eierteigwaren herstellen. Dass dieses Handwerk Besuchende aller Altersklassen interessiert, zeigt auch die Beteiligung am Ferienpass. Dabei kommen Gruppen von Schülerinnen und Schülern und legen selber Hand an. So wird aus einem Produkt eine Begegnung. Anita und Vreni Birrer verkaufen nicht bloss Teigwaren. Sie machen ein besonderes Handwerk sichtbar, das sonst im Kleinen verschwinden würde. Sie zeigen, dass regionale Wertschöpfung nicht immer mit grossen Worten beginnt, sondern oft mit einer Maschine, drei Matrizen und zwei Frauen, die zuerst lachen und dann einfach anfangen. Und dennoch geht die Freude daran nicht verloren. Noch sind die beiden den Teigwaren nicht überdrüssig, erklären sie. «Teigwaren gehen immer», sagt Anita Birrer und Vreni fügt an: «Ich habe seit Jahren keine Teigwaren im Laden gekauft.» Anita und Vreni Birrer suchen mit ihrer Manufaktur nicht das grosse Geld. Viel komme durch die Teigwarenproduktion ohnehin nicht hinein. Es ist ein Projekt aus Leidenschaft. Es ist ein Hobby, das nicht nur die beiden Familien, sondern auch die Region zusammenbringt. Denn wie sagt man so schön: Liebe geht durch den Magen. 

Von Felix Ott