Rolf Uhlmann ist zum letzten Mal der Chef des Fasnachtsmarktes, an dem Masken und Kostüme verkauft werden. · Bild: zvg
Nach 30 Ausgaben hört er auf
Rolf Uhlmann organisiert in diesem Jahr zum letzten Mal den Fasnachtsmarkt und übergibt danach an Markus Huber. Zuvor hat er mit seinem Team dafür gesorgt, dass der in der Szene beliebte Anlass überhaupt noch weiter existiert.
Rolf Uhlmann ist ein Fasnächtler von klein auf. «Ich bin in der Stadt Luzern geboren und habe die Fasnacht immer regelrecht aufgesogen», sagt der 57-Jährige. Mit 22 Jahren wurde er in die Langenthaler Fasnachtsgesellschaft LFG aufgenommen und gründete 1991 die Guggemusig «Strosse-Füdeler». 1994 kam er mit seinem Kollegen auf die Idee, einen Fasnachtsmarkt zu organisieren, wo Kostüme, Masken, Instrumente, Stoffe und vieles mehr ge- und verkauft werden können. Einen solchen Anlass gab es damals bereits in Zofingen; dieser Markt existiert seit einiger Zeit nicht mehr. Derjenige in Langenthal wurde zu einer Erfolgsgeschichte. Zuerst aber musste Uhlmann, damals 26 Jahre alt, einen Schicksalsschlag überwinden. Ende 1994, zwei Monate nach der ersten Austragung, verstarb sein Mitinitiator Nino Realini in jungem Alter an Herzversagen. «Ich wollte danach erst recht den Markt zum Erfolg führen.» Was dem Gestalter und Werbetechniker gelang. Von Anfang an gehörten auch die «Guggepower»-Auftritte der lokalen und später nationalen Guggen parallel zum Fasnachtsmarkt dazu. Nun ist Schluss: Mit der diesjährigen Austragung am 18. Oktober tritt der heute 57-Jährige ab und übergibt an Markus Huber.
Keine Stände mehr verfügbar
Unter Uhlmanns Führung wuchs und wuchs der Fasnachtsmarkt. Anfangs der 2010er-Jahre wurden jeweils 170 Stände aufgestellt, der Marktperimeter wurde von der Marktgasse in den Bereich rund um den Coop vergrössert. Es hätte gar noch mehr Interessenten für einen Stand gegeben, doch einige mussten vertröstet und auf eine Warteliste gesetzt werden. Und dies nicht etwa, weil es nicht möglich gewesen wäre, Platz für mehr Stände zu schaffen. Auch nicht, weil das OK den organisatorischen Aufwand für einen noch grösseren Markt nicht hätte stemmen können. Sondern weil man punkto verfügbarer Stände schlicht an die Grenzen stiess. Diese werden jeweils angemietet. Der Fasnachtsmarkt beanspruchte sämtliche in Langenthal verfügbaren Stände und mietete jeweils 70 bis 80 zusätzliche in Huttwil. Mehr waren in der Region nicht mehr aufzutreiben. Den grossen Erfolg des Fasnachtsmarkts erklärt sich Uhlmann mit der zentralen Lage. «Wir sind zwischen den Fasnachtshochburgen Basel und Luzern gelegen, auch Solothurn und Olten sind nicht weit», sagt er. Dass es im Oberaargau einen solchen Markt gibt, sprach sich auch weiter weg herum. Karnevalisten aus Köln besuchten ihn, auch aus Frankreich fahren immer wieder Leute nach Langenthal. Dialekte aus dem süddeutschen Raum sind in der Marktgasse ebenfalls zu hören. Parallel dazu wuchs das OK auf 24 Personen an, meist war das Wetter ideal, und der Anlass warf Gewinn ab. Alle zwei Jahre konnte so eine Reise finanziert werden; das OK des Fasnachtsmarkts konnte auch immer wieder Spenden in substanzieller Höhe an Institutionen ausrichten. «Kostüme wurden stets am meisten verkauft», sagt Uhlmann.
Corona führte zu starkem Rückgang
Dann kam die Corona-Pandemie, die den Fasnachtsmarkt in erheblichem Umfang betraf. 2020 und 2021 konnte er nicht durchgeführt werden, und er erreichte danach bei Weitem nicht mehr die Grösse wie zuvor. «Covid hat uns sicher 40 bis 50 Stände gekostet», blickt der scheidende OK-Chef zurück. Weil flächendeckend wegen der Pandemie zwei Jahre hintereinander keine Fasnacht stattfand, waren etwa Maskenbauer und Kostümverleihe ihrer Arbeitsgrundlage beraubt. Einige gaben auf und wechselten den Beruf. Auch bei den Fasnächtlern spielt heute der Onlinehandel eine immer grössere Rolle. Guggenmusiken, gerade solche mit vielen jungen Mitgliedern, behalten zudem ihre Sujets und Kostüme über zwei bis drei Jahre. Auch das Ausgehverhalten hat sich verändert. Hinzu kommen zusätzliche Vorgaben für die Veranstalter, etwa im Bereich Sicherheit. So müssen auch beim Fasnachtsmarkt Betonblöcke zur Abwehr terroristischer Angriffe mit Fahrzeugen aufgestellt werden. 2023 stand das OK vor der Frage, ob der Markt noch durchgeführt werden soll. Man entschied sich dafür. «Wir wollten die 30 noch vollmachen», sagt Uhlmann. Und das OK wurde belohnt – mit einem der besten Umsätze, den es je gegeben hat. Denn das Publikum strömt nach wie vor zahlreich an den Markt, sei es wegen der Stände, sei es wegen der Auftritte der Guggen. Aktuell ist es kein Thema mehr, den Markt nicht weiter stattfinden zu lassen. Die Einnahmen beruhen auf drei Säulen: den Standmieten, der Werbung im Veranstaltungsheft und der OK-Bar, die beim Choufhüsi betrieben wird. An 65 bis 70 Ständen dürften in diesem Jahr Waren feilgeboten werden.
Richtige Zeit zum Aufhören
Jetzt, mit 57, hört Rolf Uhlmann auf. «Es ist der richtige Zeitpunkt dafür, mit Markus Huber übernimmt ein geeigneter Nachfolger.» Vorerst wird er keine Funktion mehr beim Fasnachtsmarkt einnehmen. Auch das Heft, für dessen Gestaltung er beruflich geradezu prädestiniert ist, wird er in andere Hände übergeben. «Was ich da am meisten vermissen werde, ist der Kontakt zu einigen langjährigen Partnern und Inserenten. Daraus sind Freundschaften entstanden, die ich weiter pflegen will», sagt Uhlmann. Der Fasnachtsgesellschaft wird er erhalten bleiben, sich aber auch vermehrt wieder nach Luzern ausrichten. In seiner Geburtsstadt ist er Mitglied der Guggemusig Pilatusgeister. Apropos Guggen: Deren Auftritte können in diesem Jahr zum zweiten Mal auch verfolgt werden, ohne vor Ort sein zu müssen. Auf der Website mygugg.de, die von der Guggenmusik-Community gepflegt wird, gibt es einen Livestream der Auftritte.
Von Reto Pfister