Eine erste Schicht Schotter ist verlegt. · Bilder: Reto Pfister
Neue Gleise und verschobener Einstiegsort
Beim Umbau des Bahnhofs Langenthal Süd geht es in den Endspurt. Danach erfüllt der Bahnhof die Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes. Ab dem 26. Oktober sollen die Züge zwischen Langenthal und Huttwil wieder verkehren.
Wer sich derzeit beim Bahnhof Langenthal Süd aufhält, erkennt die Umgebung kaum wieder. Der alte Unterstand des Bahnhofs ist verschwunden, ebenso die alten Elemente aus dem Porzi-Areal, die noch bis im Frühling dort standen. Gleise finden sich im Moment auch keine. An einigen Stellen liegt Schotter, an anderen Orten lässt sich das Bahntrassee bequem zu Fuss wie auf einer geteerten Strasse begehen. Im Gang ist die Etappe des Umbaus des Bahnhofs Langenthal Süd, in der dieser vollständig gesperrt ist. Dazu werden auf anderthalb Kilometern zwischen dem Bahnübergang Dennli- weg und dem Langenthaler «Hauptbahnhof» die Gleise ersetzt. Schon in weniger als zwei Wochen sollen dort wieder Züge rollen und der fahrplanmässige Bahnverkehr zwischen Langenthal und Huttwil wieder aufgenommen werden. Danach folgen noch Umgebungsarbeiten, es werden unter anderem noch Bäume gepflanzt, und es wird eine Biodiversitätsfläche angelegt.
Die Gleise hatten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht
«Wir sind auf Kurs. Das gute Wetter hat uns die Arbeiten erleichtert», zeigt sich Adrian Koller optimistisch. Koller ist bei der Bahngesellschaft BLS der Projektleiter für den Umbau des Bahnhofs. Er befasst sich bereits seit einigen Jahren mit dem Projekt. Dieses wurde aus zweierlei Gründen in Angriff genommen. Die Gleise rund um den Bahnhof Langenthal Süd hatten das Ende der Lebensdauer erreicht und mussten erneuert werden. Zudem erfüllte der kleine Bahnhof die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG) nicht mehr. Ein stufenloser Einstieg in den Zug war auf dem alten Perron nicht möglich. Die gesetzliche Frist zur Anpassung der Bahnhöfe und Bahn-Haltestellen an die Vorgaben des BehiG lief eigentlich bereits Ende 2023 ab. Gemäss Koller erfüllen mittlerweile 80 Prozent aller Bahnhöfe im BLS-Netz die Anforderungen des BehiG. Langenthal Süd ist einer der letzten Bahnhöfe, die umgestaltet werden. Die Station gehört zu den 14 Prozent der Bahnhöfe, die derzeit im Umbau sind oder deren Umgestaltung in Projektierung ist. Sobald diese Projekte ausgeführt worden sind, können 95 Prozent der Bahnfahrenden auf dem BLS-Netz hindernisfrei reisen. Ein solches Umbauprojekt erfordert eine sorgfältige und längerfristige Planung. «Normal ist, dass vier bis sechs Jahre vor der Realisierung mit der Projektierung begonnen wird.» Beim Bahnhof Langenthal Süd war die Vorlaufzeit etwas kürzer; im Jahr 2023 wurde mit der Projektierung begonnen. Die Kosten für den Umbau betragen 12 Millionen Franken und werden über den Bahninfrastrukturfonds des Bundes finanziert. Im Bereich Langenthal Süd ergaben sich einige spezielle Herausforderungen. Die alten Mauerelemente aus dem Porzi-Areal, die sich im Bereich des Bahnhofs befanden, konnten nicht einfach so abgebrochen werden. Sie enthielten Asbest. Zudem befanden sich im Bereich des Perimeters auch Öltanks, für deren Demontage ebenfalls Fachleute zurate gezogen werden mussten.
Spezielle Herausforderungen beim Bauen in städtischem Gebiet
Bei der Baustellenplanung stellten sich ebenfalls spezielle Herausforderungen. Die Baustelle ist 1,5 Kilometer lang. Die Logistik musste entsprechend geplant werden, damit das benötigte Material auch immer am richtigen Ort ist. Es wird in einem städtischen Gebiet gebaut, dementsprechend sind die Platzverhältnisse eng. Bis auf die aktuelle Phase mit fünf Wochen Totalsperrung wurde auch unter laufendem Bahnbetrieb gebaut, was entsprechende Sicherheitsvorkehrungen erforderte. Aus Sicherheitsgründen mussten jedoch die Abbrucharbeiten nachts durchgeführt werden. Dazu mussten die Pläne für den Umbau mit anderen Projekten koordiniert werden. Das Unternehmen Ducksch Anliker will in einem der benachbarten Porzi-Gebäude im Erdgeschoss einen Durchgang Richtung Bahnhof schaffen, der als einer der drei Zugänge zur neu erbauten Station dient. Die Stadt Langenthal plant zudem, eine Veloroute am Bahnhof Süd vorbeizuführen. «Wir achteten darauf, dass der Neubau der geplanten Route nicht im Weg steht», sagt Projektleiter Koller. Erleichtert wurde die Planung durch die geografische Nähe des Bahnhofs Langenthal Süd zum Unternehmen Makies in Zell. Dieses stellt Bahnschotter zur Verfügung, der auch in Langenthal verwendet wird. Die erste Schicht über dem Boden besteht aus Recyclingschotter, darüber wird neuer Schotter gelegt, ehe die Gleise eingebaut werden. Der alte Schotter wurde zur Makies gebracht, damit dieser als Recyclingschotter aufbereitet werden kann. Den neuen Schotter bezieht man aus dem Steinbruch Balmholz am Thunersee und transportiert ihn zur Makies, wo der Schotter zwischengelagert wird.
Perron wird länger und ist Richtung Lotzwil verschoben
Zwei Wochen vor dem Bauende ist bereits erkennbar, was am Bahnhof Langenthal Süd alles neu wird. Auffallend ist, dass sich der Einstiegsort geändert hat. Bis jetzt befand sich dieser nahe der Kreuzung der Thunstettenstrasse mit der Blumen- und der Eisenbahnstrasse. Das neue Wartehäuschen ist um einige Meter Richtung Lotzwil verschoben. Zudem wird das Perron von 98 auf 150 Meter verlängert, was dem Standard auf der Strecke Langenthal–Huttwil–Wolhusen entspricht. «Beim alten Bahnhof mussten die Lokführer diesen extrem präzise anfahren, damit der Beginn und das Ende des Zuges am Perron zu liegen kamen», schildert Koller die Schwierigkeit, die sich aus der früheren Perronlänge ergab. Nicht entfernt werden mussten hingegen die Oberleitungen. Diese können auch für den zukünftigen Zugverkehr rund um den Bahnhof Langenthal Süd genutzt werden. Ebenfalls saniert werden in der aktuellen Bauphase die Bahnübergänge Bleienbachstrasse und Dennliweg.
Seltene Bergmolche als Überraschung bei den Bauarbeiten
Bereits gebaut ist der zukünftige Wartebereich. Auf dem Bahntrassee davor liegt beim Besichtigungstermin des «UE» noch kein Schotter. Steht ein durchschnittlich gross gewachsener Mann auf dem Trassee, liegt die Perronkante oberhalb seiner Hüfte. Am Wochenende des 24. und 25. Oktober werden das Bahntrassee mit Schotter gefüllt und die Gleise verlegt sein. Damit wird ein ebenerdiger Einstieg in den Zug möglich. Am 25. Oktober wird ein Testzug verkehren; danach wird die Strecke freigegeben. Am Montagmorgen, 26. Oktober, fährt, wenn alles wie geplant läuft, der erste fahrplanmässige Zug zwischen Langenthal und Huttwil.Eine halbjährige Bauphase ist dann zu Ende gegangen. Eine, die auch Überraschungen der speziellen Art beinhaltete. «Im Baugebiet wurden seltene Bergmolche gefunden», verrät Projektleiter Koller. Fachleute des Kantons Bern wurden beigezogen, um einen geeigneten neuen Lebensraum für die Amphibien zu finden. Gefunden wurde dieser beim Langenthaler Schorenweiher, wohin die Molche in Absprache mit den kantonalen Fachleuten und dem Schorenweiherverein übersiedelt wurden.
Von Reto Pfister