Die Begeisterung an der Fasnacht Langenthal ist ungebrochen. Sämtliche 20 000 Plaketten waren am Sonntag ausverkauft, so dass auf Bändeli umgestiegen werden musste. · Bilder: Leroy Ryser
Neuerungen gefallen an Rekord-Fasnacht
Die Langenthaler Fasnachtsgesellschaft blickt gemäss Oberin Renate Niklaus auf eine «bombastische» Fasnacht zurück. In der Tat: Das Wetter, mit viel Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen, bescherte der Fasnacht einen Rekord-Aufmarsch an Publikum. Und die Neuerungen, die im Vorfeld viel zu reden gaben, kamen bei den Fasnächtlern und den Besuchern durchwegs gut an.
Renate Niklaus strahlt, als sie zum Gespräch mit dem «Unter-Emmentaler» erscheint. Die Oberin der Langenthaler Fasnachtsgesellschaft (LFG) hat auch allen Grund dazu, denn beim Blick zurück auf die diesjährige Fasnacht spart sie nicht mit Superlativen. Sie spricht von einer «bombastischen» Fasnacht, was sie auch mit Zahlen untermauern kann: «Wir haben so viele Fasnachtsplaketten verkauft wie nie seit 2015», erwähnt sie. Rund 20 000 waren es, was einen Rekordwert darstellt. Am Sonntag beim Umzug seien die Plaketten ausgegangen und man habe auf «Bändeli» ausweichen müssen. Man spürt im Gespräch mit der Fasnachts-Oberin die Erleichterung. «Ja, in der Tat», bestätigt sie, «denn in der LFG herrschte eine gewisse Anspannung und Ungewissheit», erzählt sie. Zum einen sei da die Sicherheit der Fasnächtler und Besucher gewesen, die die Organisatoren stark beschäftigt habe. «Nach den diversen Vorfällen bei Grossveranstaltungen in ganz Europa haben wir uns so einige Gedanken gemacht», bemerkt Renate Niklaus dazu. Zusammen mit der Kantonspolizei habe man das bestehende Sicherheits- und Notfallkonzept genau geprüft und entsprechend angepasst. «So haben wir beispielsweise die Anzahl Sicherheits-Patrouillen erhöht. Während der ganzen Fasnacht waren rund 15 Personen ständig im Einsatz», erläuterte die Fasnachts-Oberin.
Neuerungen kamen sehr gut an
Renate Niklaus ist deshalb erleichtert, dass die Langenthaler Fasnacht ohne grössere Zwischenfälle verlief. «Dabei ist mir aufgefallen, wie friedlich die Stimmung dieses Jahr war und niemand aggressiv unterwegs war, was zuletzt leider nicht immer der Fall war. Es wurde ausgelassen, aber mit Freude gefeiert», stellte die 63-jährige Sportkoordinatorin bei Pro Senectute erleichtert fest. Und dann waren da noch diverse Neuerungen, die auf die Langenthaler Fasnacht 2025 hin eingeführt wurden, nicht zuletzt auf Druck und Wunsch diverser Cliquen, aktiver Fasnächtler, aber auch, weil gewisse Formate (Gönnerabend) nicht mehr zeitgemäss erschienen und immer weniger Anklang fanden. Auch hier kann die Oberin erleichtert aufatmen, denn die Neuerungen kamen durchwegs gut an. Sie habe viel positives Feedback erhalten, von den Gastwirten, den Fasnächtlern sowie den Besuchern. Sie selbst sei vor allem von der neuen Fasnachts-Eröffnung am Freitagabend (und nicht mehr am Samstagmittag) besonders angetan gewesen, sagte Renate Niklaus. Die Eröffnung am frühen Abend vor dem «Choufhüsi» habe bei ihr Hühnerhaut erzeugt und habe sie zu Tränen gerührt. «Es ist nicht einfach, mit langjährigen Traditionen zu brechen», erwähnt sie dazu.
Gemeinderats-Neuling schlägt zu
Die Neuerungen hätten voll eingeschlagen und seien zudem von den Cliquen und Guggenmusiken akzeptiert und mitgetragen worden, führte sie weiter aus. «Das Einheizen in den Beizen» am Freitagabend (anstelle des Gönnerabends) beispielsweise habe grossen Anklang gefunden und die beteiligten «Beizen» seien alle ausverkauft gewesen. «Das hat mich doch ein wenig überrascht, aber zugleich riesig gefreut», sagt Renate Niklaus. Gleiches gelte für die «Kunterbunti Spunte Tour» am Sonntagabend, die ebenfalls für tolle Stimmung in den verschiedenen Lokalen gesorgt habe und den traditionellen Schnitzelbank-Rundkurs ablöste, was bei den Besuchern ebenfalls sehr gut ankam, weil hier vieles spontaner ablief und mehr Spielraum für Improvisationen ermöglichte und so zu einer lockeren und guten Stimmung beitrug. Natürlich werde man die eingeführten Neuerungen noch im Detail analysieren und besprechen, aber gemäss Renate Niklaus werde man am neuen Konzept sicher festhalten und, wenn überhaupt, nur kleine Korrekturen vornehmen. Vieles blieb bei der Langenthaler Fasnacht 2025 aber auch gleich wie in all den Jahren zuvor. Darunter das Fasnachts-Fischen des Langenthaler Gemeinderates am Samstagmittag. Hier konnten sich die neuen Gemeinderätinnen und Gemeinderäte erstmals so richtig ins Zeug legen. SVP-Gemeinderat Patrick Fluri meldete dabei schon einmal unmissverständlich den Anspruch auf den Gemeinderats-Platzhirsch an, gewann er doch den beliebten Anlass vor «Stapi» Reto Müller, der traditionsgemäss beim Fasnachts-Fischen eine führende Rolle übernimmt. Krönender Höhepunkt bildete wie jedes Jahr der Umzug, der nicht nur durch viele aufwändig gestaltete und mächtige Wagen-Sujets auffiel, sondern auch wegen einer Panne eines Fahrzeugs für Unmut bei einigen Besuchern sorgte, weil dadurch der Umzug ins Stocken geriet und da und dort Verzögerungen verursachte.
Laden- und Beizensterben im Fokus
Gemäss dem Fasnachtsmotto «Weisch no?» erinnerte beispielsweise die Rufener-Clique am Umzug an bessere Laden- und Gastro-Zeiten in Langenthal: «Weisch no z’Langenthau au die Läde? Hüt heimer für aui Gräber!», stand da auf dem Wagen. Oder die «Sumpfhühner» meinten dazu: «Beize-Knau in Langedau, drum serviere mit jetz im Hüehnerstau». Die «Schläpperbande» wiederum erinnerte sich an die Corona-Zeit, während «Läbet ohni Sorge» den Besuchern mitteilte: «Mir si igschneit wie im 2006» und damit an den grossen Schneefall damals im März erinnerten, der dazu führte, dass der damalige Fasnachts-Umzug abgesagt werden musste. Den eigentlichen Schlusspunkt der Langenthaler Fasnacht setzt traditionsgemäss am Hirsmontag die Kinderfasnacht, die seit vielen Jahren vom «Quodlibet», der ältesten Langenthaler Fasnachts-Clique, organisiert wird und mit dem Kinder-Umzug ihren Höhepunkt hat. «Hier holen wir unseren Fasnachts-Nachwuchs ab», sagt Renate Niklaus dazu und weist auf die überaus wertvolle Arbeit des «Quodlibet» hin, die für den Fortbestand dieses Brauchtums sorge. «Hier zeigen wir den Kindern, wie Fasnacht sein kann: Bunt, lustig, freudig und vielfältig.»
Bilder vom Kinderumzug auf Seite 9.
Von Walter Ryser