• So sieht das neue Betonwerk in Hüswil von aussen aus. · Bilder: Reto Pfister

  • Die Anlage aus anderer Perspektive.

  • Ein Lastwagen lädt Beton auf.

  • André Ackermann (Betonmaschinist) und Markus Onstein (Geschäftsführer).

  • Im Innern des Betonwerks.

28.10.2025
Luzerner Hinterland

Neues Werk, aber keine Expansion

Bei der Kieswerk Hüswil AG wurde in diesem Jahr ein neues Betonwerk in Betrieb genommen. Nachhaltigkeit und Ökologie spielen auch in dieser Branche eine immer grössere Rolle.

Luzerner Hinterland · An einer Seitenstrasse, die von Hüswil her Richtung Luthern führt, ist es knapp hinter dem Dorfzentrum nicht zu übersehen: Die Bauten des Kieswerks ragen in die Höhe, unmittelbar daneben befindet sich das Betonwerk. Hier hat sich in letzter Zeit einiges getan, Anfang Jahr wurde eine neue Anlage in Betrieb genommen. Doch zuerst ein Blick zurück. Seit 1936 wird in Hüswil Kies abgebaut – auf Initiative der Gemeinde Huttwil, die in der prekären wirtschaftlichen Situation jener Zeit den Personen aus dem Ort Arbeit verschaffen konnte (siehe Kasten). Die Kieswerk Hüswil AG ist nach wie vor im Besitz der Gemeinde Huttwil. 1967 kam am selben Standort das Betonwerk hinzu. Die Initiative ging von Baumeistern aus der Region aus. In der damaligen Hochkonjunkturphase wurde sehr viel gebaut; dementsprechend hoch war der Bedarf nach Baustoffen. Im ersten, 1967 erstellten Betonmischer konnten 1 Kubikmeter Material pro Umlauf verarbeitet werden. 1984 wurde im gleichen Gebäude ein neuer Mischer installiert. Dieser war Anfang der 2020er-Jahre am Ende seiner Lebensdauer angelangt. «Es gab nur noch drei dieser Mischer in Europa», sagt Markus Onstein, der Geschäftsführer der Kieswerk Hüswil AG. «Wenn Reparaturen anfielen, konnten die Ersatzteile kaum beschafft werden.»

«Wir sind eine Familie»
Onstein ist bestrebt, das Kieswerk in eine ganzheitliche und nachhaltige Zukunft zu führen. Der Geschäftsführer liess sich 2019 zum Betriebsökonomen FH ausbilden und legte in seiner Bachelor-Arbeit ein Konzept vor, wie der Betrieb in den nächsten Jahrzehnten geführt werden soll. «Wir sind eine Familie», streicht Onstein als Wichtigstes hervor. Kiesabbau, Betonherstellung, Aufbereitung, Recycling – alles soll aus einer Hand geschehen. 27 Personen, 19 in Vollzeit, 8 in Teilzeit, sind derzeit im Werk beschäftigt. «Die Teilzeitstellen sind uns wichtig», sagt Onstein. «So wird es zum Beispiel Landwirten ermöglicht, nebenbei noch für uns zu arbeiten.» Den Fachkräftemangel spürt man auch in Hüswil. Bis jetzt sei es jedoch immer ohne grössere Schwierigkeiten gelungen, das benötigte Personal zu rekrutieren. In der Nachbarschaft wird in Kürze ein neues Kiesabbaugebiet erschlossen. Dieses Land wird nach der Kiesausbeutung in wertvolle Fruchtfolgeflächen umgewandelt. Zudem entstehen auch ökologische Ausgleichsflächen, um in Zukunft die Biodiversität an dieser Stelle zu erhöhen. «Mir ist es wichtig, dass der Betrieb für die nächsten Generationen fit gemacht wird und auch den Wünschen entspricht, die man heutzutage an solche Anlagen stellt», sagt Onstein. Ein zentraler Punkt ist, dass ein solches Werk möglichst umweltfreundlich betrieben wird. Förderbänder auf dem Gelände sollen Transporte zwischen den einzelnen Werksgebäuden ersetzen. So kann der Ausstoss von Kohlendioxid massiv reduziert werden. Auf den Dächern werden Fotovoltaikanlagen installiert. Auch will man im Werk die Produktionsprozesse weiter vorantreiben. In einem eigenen Labor soll Forschung betrieben und diese auch der Öffentlichkeit nähergebracht werden. Onstein denkt etwa daran, Schulklassen einzuladen.

Keine Erweiterung geplant
Das neue Betonwerk wurde am 13. Januar 2025 in Betrieb genommen. «Mit der neuen Technik werden die Prozesse schneller, es kann effizienter gearbeitet werden», sagt Onstein. Der neue Mischer kann pro Umlauf 2,5 Kubikmeter Material verarbeiten. Die moderne Anlage ist ausdrücklich nicht darauf ausgelegt, die Produktionsmenge zu vergrössern. Aus Hüswil wird in die Umgebung geliefert, neben Huttwil etwa nach Langenthal, Madiswil, Dürrenroth oder Sumiswald, im Luzernischen nach Willisau, Sursee, Pfaffnau sowie nach Luthern oder Hergiswil. «Der Markt ist gesättigt, es wäre gar nicht sinnvoll, eine Expansion anzustreben», sagt Geschäftsführer Onstein.

90 Minuten Zeit für die Verarbeitung
Hinzu kommt, dass Beton nach der Herstellung – verwendet werden Zement, Wasser und Gesteinskörnungen sowie Zusatzstoffe und Zusatzmittel – innert 90 Minuten verarbeitet werden muss. Danach treten Hydratationsprozesse ein, die zu Erstarrung und Erhärtung des Materials führen. Grosse Distanzen können ohne den Einsatz von Verzögerungsmitteln gar nicht zurückgelegt werden. Beim Besuch auf der Anlage fährt gerade ein Lastwagen vor, der Beton lädt. Dieser erhält sein Material durch einen computergesteuerten Prozess direkt auf die Ladefläche. Der Chauffeur muss dann speditiv auf den ihm zugewiesenen Bauplatz fahren, damit der Beton rechtzeitig verarbeitet werden kann – und hoffen, dass er nicht irgendwo im Stau stecken bleibt.

Von Reto Pfister