Eismeister Sven Leuenberger (links) und Geschäftsleiter Thomas Schär sind derzeit speziell gefordert. · Bild: Reto Pfister
Ohne Nachtarbeit geht es derzeit nicht
Im Schoren wird wieder auf dem Eis trainiert. Bei den aktuell hohen Temperaturen ist das Eismachen eine besondere Herausforderung – inklusive ungewöhnlicher Arbeitszeiten.
Kunsteisbahn Schoren in Langenthal · Betritt man die Kunsteisbahn Schoren in Langenthal, ist es an vielen Stellen stickig heiss. Will man ein Training auf der Tribüne verfolgen, ist sommerlich leichte Bekleidung dringend empfohlen. Noch wärmer ist es im Restaurant. Und dennoch glänzt wenige Meter entfernt das Eis. Zum Zeitpunkt des Besuchs ist ein Kurs des Ferienpasses im Gang. Der Kursleiter berichtet von einer sehr guten Eisqualität, die Kinder sind mit Eifer am Werk. Eis und Hitze sind zwei Dinge, die eigentlich nicht gut zusammenpassen. Anfang der Woche wurden bis zu 35 Grad gemessen, und die Eishalle im Schoren ist aktuell nicht besonders gut isoliert. Wie ist es also möglich, dass im Schoren derzeit überhaupt Eishockey gespielt wird? Ein Einblick in die hohe Kunst des Eismachens.
Verschiebung des Saisonstarts war kein Thema
Vor diesen Erläuterungen muss jedoch erst einmal die Frage geklärt werden, ob es ein Thema war, den Saisonstart im Schoren zu verschieben. «Nein», sagen Thomas Schär und Sven Leuenberger. Schär hat Anfang August Ruedi Minder als Geschäftsleiter der Kunsteisbahn abgelöst, Leuenberger ist Eismeister. Die Anlage sei wegen der Ferienkurse und des Nachwuchses des SC Langenthal voll ausgebucht. Einige SCL-Nachwuchsteams sind in einer Intensivwoche und nutzen dafür die letzte Sommerferienwoche. Auch die erste Mannschaft des SCL startet mit dem Eistraining, um sich auf die Mitte September beginnende Saison vorzubereiten. Die anderen Kunsteisbahnen sind ebenfalls voll gebucht. Nur bei geringer Belegung wäre es ein Thema gewesen, erst später Eis zu machen. So wurde wie vorgesehen am 23. Juli mit der Vorbereitung der Eisproduktion begonnen. Zu jenem Zeitpunkt herrschten Wetterbedingungen mit Maximaltemperaturen zwischen 26 und 28 Grad sowie einer nächtlichen Abkühlung auf knapp über 10 Grad. Die Bodenplatten wurden auf Temperaturen zwischen minus 5 und minus 8 Grad heruntergekühlt. Dann begann die eigentliche Eisproduktion – und damit die grosse Herausforderung. Letzte Woche, auf dem Höhepunkt der Hitzewelle, wurden fast 37 Grad Aussentemperatur erreicht. Um überhaupt Eis machen und anschliessend eine gute Eisqualität aufrechterhalten zu können, mussten spezielle Massnahmen getroffen werden. In die Wand auf der von der Strasse abgewandten Seite hinter dem Tor wurde ein grosser, ständig laufender Ventilator eingebaut. «Dieser entzieht der Eishalle unter dem Hallendach permanent Wärme, da die warme Luft aus physikalischen Gründen steigt», erklärt Eismeister Leuenberger. Denn unter dem nicht isolierten Hallendach mit Eternit ist es noch deutlich heisser als auf den Tribünen. Direkt unter dem Dach wurden auch schon 60 Grad gemessen. Zudem mussten beim Eismachen die Arbeitszeiten auf einen Zweischichtbetrieb umgestellt werden.
Zwischen 10 und 21 Uhr war kein Spritzen möglich
Jeweils von 5.30 bis 10 Uhr konnte Wasser auf die Bodenplatte gespritzt werden, danach erst wieder in einer zweiten Schicht zwischen 21 und 1 Uhr. In den Stunden dazwischen wäre das Wasser nur ungenügend angefroren. Da neben den drei Eismeistern derzeit ein Lernender bei der Eisbahn tätig ist, konnten sich die vier Männer auf die beiden Schichten aufteilen. Bei der aktuellen Wetterlage laufen die beiden Kompressoren im Untergrund der Anlage auf Hochtouren. Im Kompressorraum ist es derzeit sehr laut und sehr heiss. Ein Ausfall wäre fatal: Das Eis würde innert kürzester Zeit schmelzen. Einer der Eismeister muss daher «Nachtwache» halten. Im Kompressorraum ist eine Kamera installiert. Der Eismeister kontrolliert nachts regelmässig die Kamerabilder, um zu prüfen, ob alles in Ordnung ist. Bei einer Störung müsste er sich umgehend in die Halle begeben und entsprechende Massnahmen einleiten. Eine grosse Herausforderung war das Anbringen der Werbeaufschriften auf dem Eis. Ein externes Unternehmen brachte diese an, anschliessend gingen die Eismeister ans Werk. «Die ersten zwei, drei Mal bin ich extrem vorsichtig ans Werk gegangen», sagt Leuenberger. Dabei musste er darauf achten, dass das Eis über den Aufschriften gefror und das aufgespritzte Wasser die Farbe nicht auflöste.
Türen schliessen und das Eis ohne Wasser reinigen
In der Halle wurden Informationen an den Türen angebracht, die darauf hinweisen, wie man sich verhalten soll, um möglichst gute Eisverhältnisse aufrechterhalten zu können. So sind die Aussentüren möglichst geschlossen zu halten. Während des Trainingsbetriebs kann die Anlage nur über den Spielereingang und den Garderobentrakt betreten und verlassen werden. Zwischen der Eishalle und dem Vorplatz befinden sich zwei Türen. Zudem sind die Coaches und Trainer angewiesen, die Bandentüren, wenn immer möglich, geschlossen zu halten, um den «Kältesee» auf dem Eisfeld aufrechtzuerhalten. Auch bei der Eisreinigung wird anders vorgegangen als üblich. Leuenberger reinigt «trocken». Er fährt mit der Reinigungsmaschine über das Eis, aus ihr strömt jedoch kein Wasser. «Das Wasser wäre wärmer als das Eis, die Eisqualität würde dadurch schlechter», erläutert er.«Jedes Grad weniger draussen hilft uns bei der Eisproduktion», sagen Schär und Leuenberger. «Es ist für uns auch gut, wenn die Sonne nicht auf das Dach scheint.» Auch nicht ideal sind feuchtwarme Wetterverhältnisse mit Gewittern, wie sie Anfang der Woche vorherrschten. Dadurch erhöht sich die Luftfeuchtigkeit, und die Eisproduktion wird wiederum aufgrund thermodynamischer Prozesse etwas anspruchsvoller.
Spiele sind für die Eismeister anspruchsvoller als Trainings
Die nächste Herausforderung stellt sich den Verantwortlichen im Schoren am Wochenende. Dann stehen die ersten Testspiele des Nachwuchses an. Zu diesen ist auch Publikum zugelassen. Die Haupteingangstüre der Anlage, die direkt ins Freie führt, muss deshalb geöffnet werden. Dass die Maximaltemperaturen knapp unter 30 Grad liegen sollen, erleichtert den Eismeistern die Aufgabe ein wenig. Derzeit wird im Schoren so oder so viel Energie verbraucht. Wo immer möglich, wurden Sparmassnahmen getroffen. Die Beleuchtung wurde auf LED umgestellt und verbraucht dadurch 60 Prozent weniger Energie. Aktuell befindet sich das Projekt «Sanierung der Eishalle Schoren» im Planungs- und Entscheidungsprozess. «In der sanierten Anlage wäre beispielsweise die gesamte Halle isoliert, und sämtliche neuen Energiesysteme inklusive Solarenergie abgestimmt und optimiert», sagen Schär und Leuenberger. Im Moment müssen sich die Verantwortlichen jedoch noch mit denbestehenden Gegebenheiten auseinandersetzen. Sie bewältigen diese Herausforderung zur grossen Zufriedenheit der Benutzenden.
Von Reto Pfister