Ausgelassene Freude bei den Invaders, dem American Football Club in Langenthal, nach dem hochüberlegenen Gewinn des NLB-Meistertitels. · Bild: zvg
Ohne Niederlage zum NLB-Meistertitel
Der American Football Club Langenthal Invaders hat den NLB-Meistertitel nach zwölf Siegen in zwölf Spielen hochüberlegen gewonnen. Der grösste Erfolg der Vereinsgeschichte ist aber nicht gleichbedeutend mit dem NLA-Aufstieg.
Langenthal Invaders · American Football ist in der Schweiz eine deutlich wachsende, aber weiterhin überschaubare Nischensportart. Swiss American Football zählt gemäss der jüngsten Verbandsbefragung 45 Vereine und 2734 aktive Mitglieder. Zum Vergleich: Der Schweizerische Fussballverband kommt auf über 520 000 Mitglieder. Damit bewegt sich American Football organisatorisch ungefähr in der Grössenordnung von Pétanque oder Cricket – weit entfernt von den grossen Schweizer Mannschaftssportarten.
Im Oberaargau präsent
Für Spektakel sorgt American Football aber nicht nur in der National Football League mit dem weltweit bekannten Meisterschaftsfinal «Super Bowl». Auch im Oberaargau sind Begriffe wie «Touchdown», «Field Goal», «Yard» oder «Quarterback» gängig. Verantwortlich dafür zeichnen die 2018 durch das Trio Marc Günter, Kenny Austin und Tom Moser gegründeten Langenthal Invaders. Die drei Football-Enthusiasten teilten eine gemeinsame Begeisterung für diesen Sport und hatten das klare Ziel, in Langenthal eine neue Ära des American Footballs einzuleiten. Am Anfang noch ohne T-Shirts und ohne Trainingsplatz ging es mit dem neuen Verein schnell aufwärts. «Rückblickend ist es beeindruckend, wie schnell alles ging», sagt Benedikt Hunn, Sponsoring- und Medienverantwortlicher im Vorstand des aufstrebenden Langenthaler Vereins.
Erster Titelgewinn 2022
2019 nahmen die Invaders bereits an der Schweizer Meisterschaft in der NLC teil, der untersten Schweizer American-Football-Liga. Nach der Pandemie konnte 2022 unter Headcoach Dennis Oppermann der bis zu diesem Zeitpunkt grösste Erfolg der Vereinsgeschichte gefeiert werden. Die Langenthaler holten sich den Meistertitel in der NLC. Nur zwei Jahre später konnte unter Headcoach Sascha Gaveau bereits der Meistertitel in der NLB bejubelt werden. Massgeblichen Anteil an diesem zweiten Titelgewinn der Vereinsgeschichte hatte John Falk, der als Defense Coordinator an der Seitenlinie verpflichtet wurde. Falk zählte einst zu den besten Football-Spielern in Europa. Die folgende NLB-Saison 2025 missglückte und brachte Ernüchterung. Umso motivierter nahmen die Invaders unter dem neuen Headcoach Armand Mensen die NLB-Meisterschaft 2026 in Angriff. «Sein kompromissloses Streben nach Perfektion, sein Fokus auf saubere Technik und sein unbändiger Wille zu gewinnen, prägten die Mannschaft von Beginn an», weiss Benedikt Hunn. «Auf seiner Arbeit basiert der Erfolg. Er und Abwehr-Dirigent John Falk waren die Eckpfeiler.» Gleichzeitig verstärkten gezielte Neuverpflichtungen das bereits solide Fundament des Oberaargauer Teams. Im Langenthaler Football-Team stehen auch in der Region wohnhafte Spieler wie Manuel Kohler aus Rütschelen, Lars Kühni aus Thörigen, Jonathan Schneeberger aus Rüegsauschachen, Naël Jeanneret aus Wasen oder die Langenthaler Dominic à Porta, Jamie Elija Baumann, Marc Reinbold, Marco Simmen, Samuel Spichiger und Clemens Frei.
Glatter Durchmarsch
Niemand konnte vor dem ersten Meisterschaftsspiel ahnen, wie überlegen die Invaders in der Meisterschaft 2026 auftreten würden. Beim Saisonauftakt gegen die Luzern Lions reichte es zu einem 14:10-Sieg. Es sollte der knappste Sieg der ganzen Saison werden. «Anschliessend lief es wie aus einem Guss», freut sich Hunn. Die Invaders dominierten die NLB nach Belieben und gewannen alle zehn Spiele der Regular Season. Durchschnittlich erzielte das Team über 30 Punkte mehr als der jeweilige Gegner und liess gleichzeitig lediglich acht Punkte pro Spiel zu. Gerade vor Heimpublikum im Stadion Hard war Langenthal eine Macht. Lausanne wurde mit 47:0, Glarus mit 49:0 und Biel sogar mit 60:0 gedemütigt. Und Shutouts gehören im American Football nicht zur Tagesordnung. Die Invaders schafften in der Meisterschaft 2026 gleich fünf davon. «Wie John Falk von der Seitenlinie die Verteidigungsstrategie der Mannschaft koordinierte, die Spielzüge vorgab und die Defense-Spieler anleitete, war einfach genial. Ebenso die Umsetzung der Jungs auf dem Feld», lobt Hunn stolz.
Auch in den Playoffs souverän
Als Qualifikationssieger traten die Invaders mit Heimrecht zum Playoff-Halbfinal gegen die Argovia Pirates an. 41:0 lautete das für den Gegner niederschmetternde Ergebnis. Auch das Finalspiel gegen die Lausanne LUCAF Owls konnte am 4. Juli vor Heimpublikum stattfinden. Die Partie auf dem Sportplatz Hard in Langenthal startete dominant für die Gastgeber, die im ersten Viertel mit 7:0 in Führung gingen. Lausanne hielt in der ersten Halbzeit dagegen und glich im zweiten Quarter zum 7:7-Pausenstand aus. Im zweiten Teil der Partie kam dann einmal mehr das Langenthaler Flaggschiff zum Tragen: die Defensive. Im dritten und vierten Viertel des Finals liess Langenthal nichts mehr zu und gewann am Ende überlegen mit 28:7 den zweiten NLB-Meistertitel der Vereinsgeschichte. «Dieser Titel ist klar höher einzustufen als jener 2024. Wir traten viel kompakter auf und konnten in zwölf Spielen zwölf Siege feiern», sagt Hunn. Zusammen mit den Fans und den Invaderettes – den vereinseigenen Cheerleadern – wurde der Erfolg ausgiebig gefeiert.
NLA-Aufstieg fraglich
Der NLB-Meistertitel ist im Schweizer American Football nicht gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die NLA. «Das ist leider korrekt so», bestätigt Benedikt Hunn. «Es gibt Auflagen vom Verband. Ein NLA-Verein muss zwingend ab der ersten Saison ein lizenziertes U19-Elite-Juniorenteam im Spielbetrieb stellen. Dies erfüllen wir aktuell nicht.» Die Langenthaler Invaders verfügen sehr wohl über eigenen Nachwuchs. Dieser ist aber alters- und leistungsmässig noch nicht so weit, um in der geforderten Kategorie antreten zu können. «Viele andere Vereine haben das gleiche Problem, weshalb wir uns an der bevorstehenden Delegiertenversammlung gesunden Menschenverstand und damit eine Lockerung des bestehenden Reglements erhoffen», so Hunn. Geschieht dies nicht, werden die Langenthal Invaders 2027 nicht in der NLA mitspielen können. «In diesem Fall müssten wir alles daran setzen, um bis zur Spielzeit 2028 ein eigenständiges U19-Elite-Juniorenteam aufgebaut zu haben. Vielleicht müsste dann auch eine Spielgemeinschaft mit einem anderen Verein, der bereits über ein U19-Elite-Juniorenteam verfügt, ins Auge gefasst werden», blickt Hunn voraus. Die DV des Verbandes Swiss American Football im August wird zeigen, wie es mit der Invaders-Elitemannschaft weitergeht. Mit dem NLA-Aufstieg würden die Invaders weitere Vereinsgeschichte schreiben. Sie wären das einzige Sportteam aus Langenthal, das in einer Mannschaftssportart in der höchsten Schweizer Liga vertreten ist.
Schlussrangliste NLB: 1. Langenthal Invaders, 20 Punkte; 2. Lausanne Owls, 12; 3. Luzern Lions, 12; 4. Argovia Pirates, 8; 5. Bienne Jets, 8;
6. Glarus Orks, 0. – Playoff-Halbfinals: Langenthal Invaders – Argovia Pirates 41:0; Lausanne Owls – Luzern Lions 13:6. – Playoff-Final: Langenthal Invaders – Lausanne Owls 28:7.
Von Stefan Leuenberger