Die Langenthalerin Carole Howald war auf ihrer Position (Second) bei 222 gespielten Steinen die beste Curlerin am olympischen Turnier in Cortina d’Ampezzo. · Bild: Keystone
Olympia-Silber für Langenthalerin Carole Howald
Die 32-jährige Langenthalerin Carole Howald gewinnt mit dem Team Tirinzoni an den Olympischen Winterspielen Silber. Nachdem die Schweizerinnen einen hervorragenden Halbfinal gegen die USA spielen, scheitern sie im Final an Schweden. Die Begegnung verlief ganz knapp. Einzelne wenige Fehler sorgen für eine bittere 5:6-Finalniederlage.
Olympische Winterspiele Mailand Cortina 2026: Curling Frauen · Es ist das achte End, welches im Finalspiel zwischen der Schweiz und Schweden über Gold und Silber entscheidet: Nachdem es den Schweizerinnen fünfmal nicht gelingt, mit einem Double-Takeout die Kontrolle über das End zu übernehmen und jeweils nur ein schwedischer Stein entfernt wird, eröffnet sich vor dem letzten Stein überraschend die Möglichkeit, doch noch zwei Punkte zu schreiben. Aber auch hier misslingt der letzte Stein von Alina Pätz, weshalb es statt einer 5:4-Führung für die Schweiz zu einem gestohlenen Stein für die Schwedinnen kommt. Zwei Ends vor Schluss führt Schweden mit zwei Punkten. «Dieser letzte Stein im achten End wird mir wahrscheinlich noch das eine oder andere Mal in den Träumen begegnen», kommentierte Alina Pätz später im Interview mit dem Schweizer Fernsehen die verpasste Chance. Zwar gleichen die Schweizerinnen im vorletzten End noch zum 5:5 aus, weil im letzten End die Schwedinnen das Recht des letzten Steins besitzen, bleiben die Vorteile aber bei den Gegnerinnen. So sorgt der letzte und 160. Stein dafür, dass Schweden mit 6:5 siegt und die Schweizerinnen Silber gewinnen.
Partie stand auf der Kippe
Die Partie war von Beginn weg hart umkämpft, und dass Schweden dank einer niederlagenlosen Gruppenphase mit dem Hammer, der das Recht des letzten Steins symbolisiert, in die Partie startet, hallt lange nach. Im ersten End gehen die Schwedinnen dadurch mit 2:0 in Führung, erst im sechsten End kann die Schweiz diesen Rückstand mit einem Zweier-Haus zum 3:3 ausgleichen. Bis dahin zeigt sich grösstenteils ein klares Bild: Schweden macht sehr wenig Fehler, während den Schweizerinnen oft «nur» akzeptable Steine, nicht aber hervorragende gelingen. Während dies im ersten Teil des Spiels für die Differenz zwischen den beiden Teams sorgt, scheint sich dies nach der Hälfte zu ändern. Plötzlich unterlaufen auch den Schwedinnen Fehler, weshalb es scheint, als könnten die Schweizerinnen die Kontrolle über die Partie übernehmen. Bei dem durchzogenen achten End gelingt das in der entscheidenden Phase aber nicht. «Wir haben den einen oder anderen Fehler zu viel gemacht. Schweden hat hervorragend gespielt, da bleibt nichts übrig, ausser ihnen zu gratulieren», erklärte Silvana Tirinzoni kurz nach dem Spiel im TV-Interview. Weil man aber dennoch sehr nahe war, um Gold zu gewinnen, sei die Enttäuschung kurz nach der Partie grösser, als die Freude über Silber, erklärte die Skip weiter. Das zeigte sich dann auch bei der Medaillenübergabe, während der unter anderem bei der Langenthalerin Carole Howald bittere Tränen flossen.
Trotzdem dürften die vier Schweizerinnen früher oder später realisieren, welch grosse Leistung sie in diesem Turnier erbracht haben. Nachdem im letzten Round-Robin-Spiel eine Niederlage gegen die USA dazu führte, dass sie gegen ebendiese Amerikanerinnen auch den Halbfinal bestreiten mussten, sicherten sie sich in diesem Duell mit einem hervorragenden Auftritt die erste Schweizer Olympia-Medaille im Frauen-Curling seit 20 Jahren. «Olympische Spiele sind extrem schwierig. Wir stehen fast 40 Stunden auf dem Eis, mental ist das auch deshalb extrem herausfordernd», resümierte Silvana Tirinzoni. Das Ziel, eine Medaille zu gewinnen, habe man erreicht, da dürfe man stolz sein. «Die Medaille sieht schön aus. Fast so schön wie die Goldene», sagte Silvana Tirinzoni, darüber werde man sich irgendwann auch richtig freuen, zeigte sie sich überzeugt. «Es wäre vermessen zu sagen, dass nur Gold zählt», sagte die 46-Jährige ausserdem. Man habe viel investiert und dennoch sei es keine Selbstverständlichkeit, überhaupt einen solchen Final erreichen zu dürfen.
Langenthalerin ist beste «Second»
Viel beigetragen hat die Langenthalerin Carole Howald. Auf ihrer Position, jener der Second, war sie über das ganze Turnier hinweg statistisch gesehen die beste Spielerin. Mit einer Erfolgsquote von 85 Prozent bei ihren insgesamt 222 gespielten Steinen sorgte sie unter anderem für einen erfolgsversprechenden Aufbau zu Beginn der jeweiligen Ends. Im Halbfinalspiel, in welchem die Schweizerinnen die wahrscheinlich beste Partie an diesen Olympischen Spielen zeigten, gelang Carole Howald sogar eine 90-pro-zentige Genauigkeit. Mehrmals be-tont wurde von SRF-Expertin Carmen Müller-Schäfer ausserdem die Bedeutung von ihrem kräftezehrenden und erfolgreichen Wischspiel, das an diesem Turnier immer wieder auf die Probe gestellt wurde. Gemeinsam mit der First, Selina Witschonke, konnten die beiden Frauen zahlreiche Steine erfolgreich beeinflussen. Dass nun nach den Goldmedaillen an Europa- und Weltmeisterschaften, den Titeln am Grandslam of Curling sowie dem Erfolg an der Players Championship auch noch die Olympische Silbermedaille dazukommt, unterstreicht die bisher hervorragende Karriere der 32-jährigen Carole Howald. Diese findet sofort eine Fortsetzung: Statt der verdienten Pause beginnt für das Team Tirinzoni die Schweizer Meisterschaft in Bern, an der es sich mit einem Sieg für die nächste Weltmeisterschaft qualifizieren will.
Resultate: Round Robin: 1. Schweden; 2. USA; 3. Schweiz; 4. Kanada; 5. Südkorea; 6. Grossbritannien; 7. Dänemark; 8. Japan; 9. Italien; 10. China. – Halbfinals: Kanada – Schweden 3:6; USA – Schweiz 4:7. – Spiel um Bronze: Kanada – USA 10:7. – Final: Schweiz – Schweden 5:6.
Von Leroy Ryser