Grossdietwil: Hauptsitz der weltweit aktiven Andermatt Group. · Bilder: zvg
Pionier des Bio-Pflanzenschutzes geehrt
Martin Andermatt, Mitgründer der Andermatt Group, hat den Global BioAgTech Lifetime Achievement Award 2025 erhalten. Dieser würdigt sein lebenslanges Engagement für eine gesündere und nachhaltigere Landwirtschaft.
Als junger Agrarwissenschaftler glaubte Martin Andermatt an etwas, das damals kaum jemand für möglich hielt: Biologischer Pflanzenschutz sollte nicht nur eine Nische sein – sondern zur Zukunft der Landwirtschaft werden. Jahrzehnte später erhält er dafür eine der höchsten internationalen Auszeichnungen der Branche – den Global BioAgTech Lifetime Achievement Award. Dieser wird einmal jährlich am BioAgTech World Congress & Expo vergeben – einem internationalen Fachkongress, der sich auf nachhaltige Landwirtschaft durch biologische Lösungen fokussiert. «Der Kongressveranstalter besuchte uns letztes Jahr in Grossdietwil und war beeindruckt von unserer Firmengeschichte. Für uns sind solche Auszeichnungen wichtig, um der Welt zeigen zu können: Der biologische Pflanzenschutz funktioniert», sagt Martin Andermatt. Der promovierte Agrarwissenschaftler war 1988 an der Zulassung des ersten biologischen Insektizids der Andermatt Group beteiligt. Seither hat er zusammen mit seiner Frau Isabel Andermatt ein globales Team von über 600 Mitarbeitenden aufgebaut – mit dem Ziel, allen Menschen gesunde Lebensmittel aus einer intakten Umwelt zugänglich zu machen.
Vom Misstrauen zur Marktreife
Andermatt erinnert sich an die Anfangsjahre im Luzerner Hinterland, als viele Kollegen den Kopf schüttelten, und biologische Schädlingsbekämpfung als weltfremde Idee abtaten. «Das Vertrauen in den biologischen Pflanzenschutz war miserabel. Es gab nur sehr wenige qualitativ gute Mittel auf dem Markt und das Wissen zur richtigen Anwendung war kaum verbreitet.» Doch mit dem Aufkommen der integrierten Produktion (IP) habe sich das geändert: «Heute ist für uns der Absatz in die integrierte Produktion viel grösser als in den Bioanbau», so Andermatt. Einen Schlüsselmoment sieht er im Jahr 1993, als Coop entschied, eine Biolinie ins Sortiment aufzunehmen. «Da wussten wir, dass der Biolandbau in der Schweiz, der damals unser wichtigster Absatzmarkt war, weiter wachsen würde», erinnert er sich. «Es ist der falsche Ansatz, Chemie auf den Feldern zu versprühen», sagt Andermatt. «Die Nebenwirkungen sind viel zu hoch. Mit den natürlichen Methoden Pflanzenzüchtung, Kulturmassnahmen oder Robotik ist es möglich, alle Pflanzenschutzprobleme zu lösen.»
Stockende Zulassung in der Schweiz
Heute hat die Andermatt Group 26 Vertriebsgesellschaften und spezialisierte Produktionsunternehmen. Diese Tochtergesellschaften sind auf vier Kontinenten vertreten und beliefern Landwirte in über 60 Ländern. Martin Andermatt zeigt sich dankbar für das weltweite Engagement seines Teams. Jedes Kilo Chemie, das dank ihrer Arbeit nicht mehr in der Umwelt landet, sei für ihn ein kleiner, aber bedeutender Sieg. «Der Sinn unserer Arbeit ist so hoch, dass ich auch in den schwierigsten Phasen nie ans Aufhören gedacht habe.» Doch als Pionierin war die Andermatt Group immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert. Aktuell bereiten vor allem die Zulassungsverfahren in der Schweiz Sorgen. «Vor 40 Jahren war die Schweiz ein guter Standort, um unser Unternehmen aufzubauen: Die Behörden waren pragmatisch und es war möglich, Produkte in angemessener Zeit und zu angemessenen Kosten zu registrieren.» Heute dagegen dauere laut Andermatt eine Zulassung 5 bis 10 Jahre. «Ich habe Verständnis, dass man neue chemisch-synthetische Produkte ausgiebig prüfen muss. Dass aber biologische Lösungen mit erwiesenem tiefem Risikopotenzial nicht bevorzugt behandelt werden, verstehe ich nicht», sagt er. Er hoffe, dass bald das Bundesparlament hier die Weichen neu stellen werde.
«Die Zukunft des Pflanzenschutzes ist biologisch»
Inzwischen produziert die Andermatt Group unter anderem in Deutschland, Südafrika und Kanada. «Den Produktionsstandort Schweiz können wir aufgrund der hohen Kosten nur halten, wenn wir uns täglich anstrengen, die Produktionskosten zu senken und die Produkte zu verbessern. Das ist uns bisher gut gelungen. Wir sind deshalb überzeugt, dass wir gewisse hochwertige Produkte auch in Zukunft in Grossdietwil produzieren werden.» Insgesamt sieht Martin Andermatt grosse Wachstumsmöglichkeiten für die Firma: «Die Hürden für die Zulassung von neuen chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln steigen weiter an. Das ist auch nur logisch, da zugelassene Produkte laufend vom Markt genommen werden müssen, weil nun offensichtliche Nebenwirkungen in den damaligen Zulassungsverfahren nicht berücksichtigt wurden.» Wenn weniger chemisch-synthetische Produkte zugelassen werden und laufend Produkte vom Markt genommen werden müssen, sei klar: «Die Zukunft des Pflanzenschutzes ist biologisch. In der Schweiz sind wir schon recht weit fortgeschritten auf diesem Weg. Weltweit gibt es aber noch ausserordentlich viel zu tun.» Die Zeit spielt ihnen in die Hände. Und Andermatt ist bereit, sie zu nutzen.
Von Gabriela Graber