• Unterstützung für die Bevölkerung in der Ukraine: Die Schulkinder von Heimisbach beteiligen sich an einem humanitären Projekt und sammeln Spendengelder für die Anschaffung eines Minenräumers. Bei der Lancierung des Projekts überreichten sie zusammen mit Schulleiterin Viktoria Murgovska Regierungsrätin Christine Häsler (ganz links und rechts in den Bildern) einen Glückpilz und eine Friedenstaube, die sie selber gebastelt hatten. · Bilder: Walter Ryser

  • Sie unterstützen das Schulprojekt «Minenräumer für die Ukraine» (von links): Schulleiterin Viktoria Murgovska, Regierungsrätin Christine Häsler, Trachselwalds Gemeindepräsidentin Kathrin Scheidegger sowie Gemeinderat Martin Hunziker.

05.09.2025
Emmental

Schulkinder sorgen für Hoffnungsschimmer

Die Schulkinder von Heimisbach sorgen für einen Hoffnungsschimmer bei der kriegsgeplagten Bevölkerung in der Ukraine. Bis Ende Jahr beteiligen sie sich am humanitären Projekt «Minenräumer für die Ukraine». Mit zahlreichen Aktionen und Ver­anstaltungen werden Spendengelder für die Anschaffung eines Minenräumers gesammelt, der in der Ukraine zum Einsatz kommen soll. Regierungsrätin Christine Häsler (Grüne) unterstützt das Vorhaben persönlich und war bei der Lancierung in Heimisbach anwesend. «Was ihr leistet, ist grossartig», lobte die 62-jährige Regierungsrätin das Engagement der Schulkinder.

Heimisbach · Tagtäglich begleiten uns die schrecklichen Nachrichten und Kriegsbilder aus der Ukraine. Diese nehmen wir konsterniert zur Kenntnis, mittlerweile aber auch mit einer gewissen Resignation, weil wir kaum Einfluss auf die Ereignisse nehmen können. Einer, der sich damit nicht zufriedengibt, ist Martin Hunziker, Gemeinderat von Trachselwald (Ressort Bildung). Bereits zweimal begleitete er ein  humanitäres Projekt in die Ukraine. Dabei kam ihm die Idee, mit seiner Gemeinde einen konkreten Beitrag für die kriegsversehrte Bevölkerung zu leisten. «Ich habe mich gefragt, wie können wir den verstörenden Bildern und Nachrichten aus der Ukraine unseren Schulkindern gegenüber konstruktiv entgegen­wirken können», erläutert er gegenüber dem «Unter-Emmentaler». Es war der Startschuss zum humani­tären Schulprojekt «Minenräumer für die Ukraine» an der Schule Trachselwald-Heimisbach. Spendengelder sollen die Anschaffung eines Minenräumers ermöglichen (siehe auch Kasten). Damit will die Schule Heimisbach einen Beitrag leisten, um dem menschlichen Leid in der Ukraine vorzubeugen und anstelle von Zerstörung den Anbau von Lebensmitteln zu ermöglichen. Die Vision hinter dem Schulprojekt sieht vor, die Ukraine mit einem weiteren Minenräumer zu unterstützen, so dass weniger Leute Opfer von Minenexplosionen werden und das Land wieder bewirtschaftet werden kann.

Bildung ist mehr als Wissen
Martin Hunziker und Schulleiterin Viktoria Murgovska verfolgen aber noch ein weiteres Ziel, wie der Gemeinderat erwähnt: «Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, schlechte Nachrichten nicht passiv zu ertragen, sondern ins Handeln zu kommen. Es geht darum, zu verstehen, dass in einem gelebten, konstruktiven Miteinander eine grosse Kraft liegt, sie wortwörtlich neue Lebensfreude ermöglicht.» Die Beteiligten machen sich nichts vor: Für die kleine Schule ist es na­türlich nicht möglich, den Betrag für einen Minenräumer alleine auf­zu­bringen, denn dieser kostet rund eine Million Franken, inklusive Transport und Ausbildung des Personals in der Ukraine. Aber, die Schule wolle einen Beitrag leisten und damit ein «Puzzle-Teil» zum Gelingen des Projekts beitragen, bemerkt Hunziker. «In unserer Schule verstehen wir Bildung nicht nur als Vermittlung von Wissen, sondern auch als Förderung von Mitgefühl, Verantwortung und Menschlichkeit», betont die Schulleiterin. Mit der Teilnahme an diesem Projekt leiste die Schule nicht bloss einen gesellschaftlichen Beitrag, sondern trage auch dazu bei, dass junge Menschen Empathie entwickeln und Verantwortung übernehmen würden, aber auch lernen, dass gemeinsames Handeln eine grosse Wirkung haben kann, fügt Viktoria Murgovska hinzu.

«Man kann tatsächlich etwas tun»
Auch die Gemeindepräsidentin von Trachselwald, Kathrin Scheidegger, steht mit ihrem Gremium hinter dem Projekt, wie sie gegenüber dem «UE» bemerkte. «Mit dem Schulprojekt entsteht nicht nur eine Hilfe für das schwer geplagte Kriegsgebiet, sondern es zeigt auch, dass im Mit­einander in unserer Gemeinde etwas entstehen kann, das eine grosse Ausstrahlung hat.» In der Turnhalle beim Schulhaus in Heimisbach wurde das Projekt in Anwesenheit der rund 70 Schulkinder offiziell lanciert. Schulleiterin Viktoria Murgovska wies darauf hin, dass die Schülerinnen und Schüler bereits ei­nige Aktionen veranstaltet hätten. So haben die Kindergärtler Glückpilze und Friedenstauben gebastelt und verkauft. Die 3. und 4. Klasse führte ein Theater auf und die 5. und 6. Klasse hat Geschenkartikel hergestellt und verkauft. Die Schulleiterin überreichte im Namen der Schulkinder Regierungsrätin Christine Häsler, die in privater Mission zur Lancierung des humani­tären Schulprojekts erschienen war, einen Glückpilz sowie eine Friedenstaube. Die Bildungs- und Kulturdirektorin des Kantons Bern zeigte sich gerührt und beeindruckt zugleich. «Was ihr leistet, ist grossartig», sagte sie zu den Kindern, die andächtig ihren Worten lauschten. «Das Elend in der Ukraine ist schrecklich und wir sind schockiert. Aber die meisten Menschen bei uns sind der Meinung, dass wir nichts tun können. Ihr beweist jedoch das Gegenteil, ja, man kann tatsächlich etwas tun und ihr macht konkret etwas, das enorm wertvoll ist. Darauf dürft ihr stolz sein», lobte sie die Schulkinder für ihr Engagement.

Minenräumer kommt nach Heimisbach
Sie selber sei vor 30 Jahren oft in Bosnien gewesen, das von den Jugoslawien-Kriegen gezeichnet war. Zusammen mit weiteren Freiwilligen habe sie an Hilfslieferungen teilgenommen. Vor allem Schulmaterial habe man nach Bosnien gebracht. «Es war zweifellos ein kleiner Beitrag, den wir geleistet haben, aber für die Bevölkerung in Bosnien war es ein grosses Geschenk.» Ähnlich beurteilt sie das Schulprojekt in Heimisbach. «Mit Eurem Einsatz gebt ihr den betroffenen Menschen in der Ukraine neue Hoffnung. Ihr leistet damit einen wertvollen Beitrag zu einer besseren Welt.» Als Zeichen der Wertschätzung überreichte sie der Schule einen privaten Spendenbeitrag. Martin Hunziker zeigte sich anschliessend erfreut darüber, dass bereits 5 500 Franken aus privaten Spenden und Aktionen/Veranstaltungen der Schulkinder zusammengekommen sind. In den nächsten Wochen ist das humanitäre Schulprojekt auch an zwei grösseren Veranstaltungen in Heimisbach präsent: Beim Unteremmentalischen Jodlertreffen (Freitag, 26. September) sowie am Treichler- und Viehzucht-Event (26. bis 28. September sowie am 3./4. Oktober). Dabei wird sogar ein Minenräumer vor Ort zu besichtigen sein. Dieser war bereits im Einsatz und hat in 17 Ländern Millionen von Quadratmetern Minen geräumt und dabei in 27 Jahren keinen Unfall zu verzeichnen gehabt. Dieser Minenräumer wird anschliessend nach Angola verkauft. Der Erlös dieses Verkaufs fliesst ebenfalls in das humanitäre Schulprojekt in Heimisbach.

Von Walter Ryser