Institutionsleiter David Berger ist Sozialpädagoge und begleitet das «Elim» bereits seit 17 Jahren. · Bild: Christa Minder
Seit 20 Jahren Wert schöpfen
Was vor 20 Jahren in Wasen im Emmental begann, hat sich im Bereich Kindesschutz im Kanton Bern zu einer relevanten Grösse entwickelt: Mütter, schwangere Frauen und Väter, die in eine Notlage geraten sind, finden in der «Elim Stiftung für Eltern und Kind» professionelle Unterstützung und ein Zuhause auf Zeit. Mit einem Fest für das gesamte Personal und deren Familien hat sich die Stiftung diesen Sommer selbst gefeiert.
Emmental · «UE»-Korrespondentin Barbara Eggimann im Gespräch mit Daniel Berger, Institutionsleiter der «Elim Stiftung»
Das Haus Elim in Wasen hat ja bereits vor der Stiftungsgründung eine prägende Geschichte erlebt. Können Sie uns mehr davon erzählen?
Elim ist hebräisch und heisst Oase. Dieses Haus war lange ein Kur- und Erholungsheim, diente später als Versammlungsgebäude und war zuletzt der Firmen- und Wohnsitz von Christian und Therese Waber, den späteren Gründern der Stiftung Elim.
Was waren die Beweggründe von Herrn und Frau Waber, diese Stiftung zu gründen?
Herr Waber hat sich damals als Nationalrat politisch engagiert. Dabei hat er gemerkt, dass es für seine Argumente auch Taten brauchte. So ist in ihm die Idee, alleinerziehenden Müttern mit Kindern in schwierigen Situationen zu helfen, gereift. Im familiären Umfeld kamen die beiden mit einem Mutter-Kind-Haus in Kontakt. Dazu kam, dass ihnen ihr Haus zu gross geworden war und dass dieses im Jahr 2004 mit der Stiftungsgründung Elim zu einem Mutter-Kind-Haus wurde.
Mit welchem Angebot startete das Elim Emmental in Wasen?
Angeboten wurden zum Start vier Mutter-Kind-Plätze mit einer 24 Stunden Betreuung im Haus Elim. Dies mit viel Pioniergeist, gutem Willen, aber das entsprechende Fachwissen fehlte noch weitgehend.
Es blieb ja nicht lange bei diesem einen Standort in Wasen. Können Sie die Eckdaten der Weiterentwicklung der Stiftung nennen?
2007 übernahm ich zusammen mit meiner Frau die operative Leitung. Dank meiner Ausbildung zum Sozialpädagogen konnten wir die Vision Wabers auch professionalisieren, was für das Weiterbestehen und das Wachsen der Stiftung unabdingbar war. 2008 konnten zusätzlich zur 24 Stunden Betreuung Plätze für Betreutes Wohnen geschaffen werden. Bereits zwei Jahre später hatten wir die Gelegenheit, eine erste Aussenwohnung zu mieten, um einen externen Familienplatz anbieten zu können. Zwei weitere Aussenwohnungen standen ab 2012 zur Verfügung. In Wiedlisbach konnte ein weiteres Haus mit einem separaten Team für vier Familiensysteme gemietet werden. Zusätzlich können wir in Wiedlisbach seit 2014 auch eine ambulante Familienbegleitung anbieten. Ein grosser Schritt war die Eröffnung der Kita Wasen im Jahr 2018. Diese wird seither rege besucht. Mit der Eröffnung des Standortes Steffisburg 2020 mit neun Wohnungen und fünf Aussenwohnungen kann nun eine weitere Region abgedeckt werden. Seit 2022 ist das Elim dem Gesetz über die Leistungen für Kinder mit besonderem Förder- und Schutzbedarf (KFSG) unterstellt und es besteht ein Leistungsvertrag mit dem Kantonalen Jugendamt des Kantons Bern (KJA).
Das Elim bietet Müttern oder Vätern mit Kindern das Wohnen mit 24 Stunden-Betreuung. Wie darf man sich diese Wohnform vorstellen?
Im Wasen stehen eine Wohnung und WG-Zimmer mit Gemeinschaftsräumen und Aussenwohnungen zur Verfügung. In Wiedlisbach und Steffisburg sind es Wohnungen und Aussenwohnungen.
Seit der Gründung der Stiftung hat sich in vielerlei Hinsicht viel bewegt und verändert. Auch die Angebotspalette wurde erweitert. Welches sind aktuell Ihre Angebote in Wasen
Aktuell leben sieben Mütter mit Kindern im Wasen, vier in der 24 Stunden- Betreuung und drei in Aussenwohnungen und einige Kinder besuchen die Kita.
Damit ein solches Projekt gelingen kann, braucht es neben Mut, Freude, Leidenschaft auch ein Leitbild, welches die Haltung der Stiftung beschreibt und an welches sich alle Beteiligten halten können. Welches sind die Kernpunkte im Leitbild von Elim?
Individuelle Betreuung und Unterstützung, bedürfnisorientiert, lebensbejahend und wertschätzend miteinander umgehen. Es ist uns wichtig, gemeinsam mit den uns anvertrauten Menschen einen gangbaren Weg zu finden und dabei die Latte nicht zu hoch zu legen. «Gut genug ist perfekt» – so hat es Jesper Juul, ein Familientherapeut einmal treffend formuliert.
Sie begleiten das Elim bereits seit 17 Jahren und mit Ihnen kam es – wie es Christian Waber treffend ausgedrückt hat – zum Fliegen und wurde Schritt für Schritt stärker. Was war und ist Ihre Motivation, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen?
Mich fasziniert, wie lohnenswert und nachhaltig das Investieren in die Arbeit im Elim sind, mit wieviel Lebensmut, Motivation und Mut viele unserer begleiteten Menschen zurück in den Alltag finden und wie auch die Gesellschaft nachhaltig davon profitieren kann.
Ich bin sicher, Sie könnten uns abendfüllend über berührende Begegnungen, Geschichten aus dem Alltag mit Eltern und Kindern im Elim berichten. Gibt es, stellvertretend für ganz viele, eine Geschichte, welche der Leserin, dem Leser das Leben im und nach der Zeit im Elim nahe bringen kann?
Es ist die Vielfalt der Geschichten, die ich erlebe, die mir in Erinnerung bleiben. Was mir immer wieder schier unglaublich scheint, sind Geschichten von Menschen, sind Lebensumstände, welche eigentlich gar nicht möglich sein können. Allgemein berührt es mich, wenn ich sehe, wie sich mit einem bewussten «sich einlassen» mit starkem Willen Türen öffnen können und ein Zurück in den Alltag möglich werden kann. Zwei Zitate ehemaliger Elim Bewohnerinnen stehen sinnbildlich für viele Geschichten. «Heute sehe ich: Meine Zeit hier war keine Strafe, sondern eine Oase!» «Die liebevolle und wertschätzende Unterstützung hat mir geholfen. Ich wurde in meiner Mutterrolle immer ernst genommen und Ratschläge wurden stets respektvoll vermittelt.»
Sie lernten ein Führungsmodell kennen, welches Sie stark ans Elim erinnert hat und das Ihnen auf Anhieb zugesagt hat. Können Sie uns einen Einblick in dieses Modell geben und aufzeigen, wie es Sie in Ihrer Arbeit begleitet?
Es ist das Modell «Positive Leadership» von Ruth Seliger, welches besagt, dass professionelle Führung nur gelingen kann, wenn die Prinzipien Freude, Sinn und Stärken im Mittelpunkt des Handelns, des Führens stehen! In diesem Modell habe ich viele Parallelen zur Betreuungsarbeit im Elim gefunden und es begeistert mich, dass diese Prinzipien auch für die Führung unserer Organisation taugen! Gerade für unsere betreuten Menschen ist es entscheidend, dass wir an ihr Potenzial glauben, dass wir ihnen etwas zutrauen und den Blick auf ihre Stärken richten.
Wagen wir noch einen Blick in die Zukunft. Was wünschen Sie sich für das Elim, für all die Menschen, welche dieses Angebot nutzen werden, für Sie persönlich?
Unsere Grundhaltung, welche auf grossem Respekt für die Menschen basiert, soll bleiben. Wir wollen Einblick in ihr Leben bekommen, wir wollen zuhören und ihre persönlichen Lösungsansätze – auch wenn sie oft ziemlich speziell sind – miteinbeziehen und gemeinsam darauf aufbauen.
Zur Person – Daniel Berger
Aufgewachsen in: Bern
Heute wohnhaft in: Wasen
Familie/Kinder: verheiratet mit Andrea, Vater von drei erwachsenen Kindern
Ausbildung/Beruf: Ursprünglich Innendekorateur und Sozialpädagoge, heute tätig als Institutions-leiter der Elim Stiftung für Eltern und Kind
Sonstiges Engagement: Mitglied der Bildungskommission Sumiswald
Hobbys/Freizeit: Ist im Sommer und Winter gerne möglichst hoch in den Bergen.
Lebensmotto: Staunen können, neugierig bleiben und dankbar sein