Shaienne Zehnder.
Skijuwel kurvt ungebremst heran
Shaienne Zehnder vom Skiclub Ahorn-Eriswil wurde von Swiss Ski vom Nationalen Leistungszentrum direkt ins B-Kader selektioniert. Damit fährt die 18-Jährige Europacup-Rennen und kann sogar bereits mit Weltcupeinsätzen liebäugeln.
Ski Alpin · «Ich bin happy, dass es in meiner Karriere weiter voran geht», freut sich Shaienne Zehnder. Dank ihren starken Leistungen im Winter 2023/24 – mit den beiden Medaillen (Silber im Riesenslalom, Bronze im Super G) an den Olympischen Jugend-Winterspielen in Südkorea als Highlight – hat die Athletin des Skiclubs Ahorn-Eriswil den angestrebten Sprung in ein Kader von Swiss Ski geschafft. Schweizweit gelang dies im Alpin-Bereich 18 Athletinnen und Athleten.
Direkt ins B-Kader gehievt
Was die Verantwortlichen von Swiss Ski vom Talent der 18-jährigen Shaienne Zehnder halten, zeigt die Tatsache, dass sie vom Nationalen Leistungszentrum direkt ins B-Kader berufen wurde. Zehnder überspringt damit das C-Kader. «Das freut mich besonders, weil es mir ermöglicht, in diesem Winter viele Europacup-Rennen zu fahren.» In den Disziplinen Slalom und Riesenslalom gehört Zehnder als jüngste Athletin bereits fix der Europacup-Trainingsgruppe an.
Wohnort ins Oberland verlegt
Um die sportliche Karriere voran zu treiben, hat die Walterswiler Familie Zehnder ihren Wohnsitz in das Feriendomizil in Spiez verlegt. Schliesslich üben auch die Zwillingsschwester Leandra und der zwei Jahre jüngere Bruder Kjetil den Skirennsport ambitioniert aus. «Es war ein notwendiger Schritt. Vom Berner Oberland ist der Weg in die Berge einfach kürzer», erklärt Shaienne Zehnder. Treu geblieben ist die junge Athletin aber ihrem Club. Sie fährt weiterhin für den Skiclub Ahorn-Eriswil und behält damit den Kontakt zur Region, wo sie aufgewachsen ist.
Nun ein eigener Servicemann
Die Berufung ins B-Kader von Swiss Ski entlastet die Familie Bänz und Yolanda Zehnder. «Ich habe nun fast keine Auslagen mehr. Die Reisen an die Rennen werden ebenso bezahlt wie das Material», freut sich die junge Powerfrau. «Mein Vater kann sich nun auf die Betreuung meiner Schwester Leandra und meines Bruders Kjetil konzentrieren, weil ich nun von Swiss Ski betreut werde», informiert die Rossignol-Rennfahrerin. Neu verfügt das grösste Skitalent der Region auch über einen Servicemann. Der Bündner Cla Lanicca will dafür sorgen, dass Shaienne Zehnder stets mit dem bestmöglichen, weil auf die äusseren Bedingungen angepassten Material an den Start gehen kann. Zehnder, welche im August in Spiez ein zweijähriges KV-Praktikum begonnen hat, will sich auf die Disziplinen Riesenslalom, Slalom und Super G konzentrieren. «Der Abfahrt schenke ich diesen Winter etwas weniger Beachtung», so Zehnder. Grund dafür sind die Stärkeverhältnisse. In den technischen Disziplinen – insbesondere im Riesenslalom – ist Shaienne Zehnder besonders schnell.
Schon bald Weltcupeinsätze?
Mit den Trainern, dem Servicemann und dem Europacup-Team wird Shaienne Zehnder in ganz Europa an die Rennen reisen. «Die Vorbereitung lief ausgezeichnet. Wir konnten öfters mit dem Weltcupteam trainieren. So konnte ich viel von den absoluten Spitzenfahrerinnen der Schweiz profitieren.» Nun brennt die ehrgeizige Sportlerin darauf, das Geübte im Rennen umzusetzen: «Ich bin bereit, um gute Europacup-Rennen zu liefern. Damit kann ich mich für höhere Einsätze interessant machen.» Shaienne Zehnder könnte mit weiteren Exploits bereits in diesem Winter zu ihrer Weltcup-Premiere kommen. «Dies wäre natürlich fantastisch. Ich konzentriere mich aber ganz auf meine Aufgaben im Europacup.» Die Karrierekurve der talentierten Skifahrerin zeigt auf jeden Fall weiterhin steil nach oben.
Padel-Tennis mit dem Freund
Eine willkommene Abwechslung zum Skifahrerinnen-Leben bietet ihr Partner Aurelio Wyrsch (19). Oder? «Nur bedingt», lacht Shaienne Zehnder. «Er ist ebenfalls Skifahrer und gehört dem C-Kader an. Es dreht sich also viel ums Skifahren bei uns. Von Vorteil dabei ist, dass das gegenseitige Verständnis für die Fokussierung auf den Skisport da ist», so Zehnder. «Wegen zuviel Skifahren kriegen wir uns ganz sicher nie in die Haare.» Es gebe durchaus auch Momente in ihrer Partnerschaft, wo das Skifahren überhaupt keine Rolle spiele. Die Freude an der Bewegung ist aber allgegenwärtig. In der Freizeit übt Zehnder mit dem St. Galler Skitalent am liebsten Sport aus. «Wir spielen oft Tennis. Ausserdem haben wir das Padel-Tennis für uns entdeckt. Es macht so viel Spass.» Wie gut Shaienne Zehnder bereits wieder drauf ist, zeigte sie an den FIS-Rennen auf dem Schilthorn, welche als Vorbereitung für die bevorstehenden Europacup-Einsätze in Zinal (zwei Riesenslaloms) und Mayrhofen (Riesenslalom und Slalom) dienten. Obwohl ihr die «viel zu ebene» Strecke überhaupt nicht zusagte, konnte sie in beiden Slaloms den 2. Rang belegen. Ein toller Einstieg in die Rennsaison. Die arrivierten Schweizer Weltcupfahrerinnen müssen sich langsam, aber warm anziehen: Mit Shaienne Zehnder kurvt ein Skijuwel ungebremst auf sie zu.
Von Stefan Leuenberger