• Stallbesitzer Simone und Jürg Zürcher sowie Pächterin Anja Sanchez (Mitte) zusammen mit ihren Warmblutpferden. · Bilder: Karin Rohrer

  • Die grosse, lichtdurchflutete Reithalle direkt neben dem Stallgebäude.

  • Die Pferdeboxen sind mit einem direkten Zugang zum Auslauf versehen.

10.03.2026
Huttwil

Sport und Ausbildung auf dem Rüttistalden

Die Reithalle in Huttwil wurde 1969 auf dem Land von Walter Zürcher gebaut, dem Grossvater von Jürg Zürcher, der heute zusammen mit seiner Frau Simone Besitzer der ganzen Anlage ist. Anja Sanchez ist aktive Springreiterin, hat sich auf die Ausbildung junger Pferde spezialisiert und ist Pächterin des Pferdestalls. Zusammen ziehen die drei am selben Strick und stellen das Wohl der Tiere an erste Stelle.

Jürg Zürcher ist mittlerweile Pferdehändler in der vierten Generation. Schon sein Ur-Ur-Grossvater hat auf der Uech in Huttwil dem «Rosshandel» gefrönt. Später wurden die Pferde dann an der Hofmattstrasse gehalten, vorwiegend Bundespferde für die Armee und Reitpferde aus Polen: «Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Strasse gesperrt wurde für den Militärpferde-Ankaufsanlass. Wir haben jeweils um die 35 Freiberger an die Schweizer Armee verkauft. Ich erinnere mich auch daran, wie die importierten Warmblutpferde aus Polen mit der Eisenbahn nach Basel kamen, wo wir sie am Bahnhof abgeholt und zu Reit- und Fahrpferden ausgebildet haben.» Im Jahr 1985 erfolgte ein weiterer Meilenstein mit dem Bau des Pferdestalls an der Rüttistaldenstrasse, gleich neben der Reithalle. Ab diesem Zeitpunkt wurden aus Holland und Irland Pferde für den Springsport importiert und es kamen immer mehr Pensionspferde von Privaten dazu. Das «Rösseler-Gen» hat Jürg Zürcher definitiv geerbt, sass von klein auf im Sattel und als 18-Jähriger war er stolzer Pferdebesitzer. Nach seiner Banklehre, «auf deren Absolvierung meine Mutter damals bestanden hat», erklomm er eine militärische Karriereleiter, beginnend mit der Rekrutenschule beim Train und abgeschlossen als Oberleutnant mit Führung einer Stabskompanie von 150 Mann.

Parcoursbauer, Springreiter und Familienvater
Was 1989 als Hobby mit dem Aushelfen an der berühmten Springkonkurrenz CSI in Zürich anfing, entwickelte sich zu einer richtigen Leidenschaft von Jürg Zürcher: das Funktionärsamt als Parcoursbauer. «Man plant und baut Springparcours, die guten Sport und gerechte Klassierungen ermöglichen und das erfordert viel Fachwissen sowie Erfahrung.» Jürg Zürcher hat natürlich auch die andere Seite, nämlich die des Springreiters, ausführlich kennengelernt, war häufig mit jungen (Handels-)Pferden am Start, holte etliche Klassierungen und Siege. «Das Turnierreiten habe ich zwar an den Nagel gehängt, aber ich trainiere noch regelmässig und reite gerne aus», erzählt der 62-Jährige, der früher Eishockey spielte und Vater von drei Kindern ist. Im Jahr 2012 heiratete er Simone, die ebenfalls begeisterte Reiterin ist und hier und da als Speakerin an Springprüfungen anzutreffen ist. Den beiden gehören die Stute Isis und der Wallach Uriel. Michael, Sohn aus der ersten Ehe von Jürg Zürcher, ist Spezialist Pferdebranche mit eidgenössischem Fachausweis und betreibt im luzernischen Retschwil einen eigenen Betrieb. 1996 übernahm Jürg Zürcher den ganzen Betrieb mit rund 30 Pferden von seinem Vater. «Lange habe ich den Stall mit den Pensions- und Handelspferden geführt und gleichzeitig einen Job als Allrounder in der Ziegelei in Gettnau wahrgenommen.» Das wurde für ihn jedoch mit der Zeit zu viel und so blieb er Vollzeit in der Ziegelei und verpachtete den Stall an verschiedene Parteien.

Pferde mit Geduld und Einfühlungsvermögen fördern
Seit Anfang Dezember 2023 hat er nun eine Pächterin im Stall, welche selbst aktive Springreiterin ist, und sein Gedankengut in Sachen Pferdetraining und Pferdesport teilt. Anja Sanchez ist in Ettiswil aufgewachsen, nahm mit zehn Jahren die ersten Reitstunden und konnte sich nur einen Beruf mit Pferden im Fokus vorstellen. Die gelernte Bereiterin (heute heisst dieser Beruf Pferdefachfrau EFZ) war auf mehreren Betrieben angestellt und in Aedermannsdorf sammelte sie während fünf Jahren Routine, ritt unzählige Pferde und machte sich selbstständig: «Nachdem ich noch zwei Jahre in Ettiswil gearbeitet hatte, zog ich mit Pferden und Hund nach Huttwil und pachtete hier 20 Pferdeboxen.» Fünf eigene Pferde, fünf Pensionspferde und immer so um die zehn Ausbildungspferde betreut sie hier zusammen mit zwei Lehrlingen. Der Stall ist voll. «Ich bilde auch dreijährige Warmblutpferde für den Feldtest aus – eine Zuchtprüfung, in der Körperbau, Gangarten und Freispringen bewertet werden», erklärt die 32-Jährige, die mit Schwerpunkt Springen ausbildet, aber auch Dressurpferde anreitet und ein gutes Gespür für junge oder sensible Pferde hat. Sie ist mit eigenen Pferden wie auch mit Berittpferden im Springsport am Start und wird darin und auch im Stall unterstützt durch ihre Familie, was sie sehr zu schätzen weiss. Anja Sanchez erteilt auf der Anlage in Huttwil rund zehn oder mehr Reitstunden pro Woche an Kunden mit eigenen Pferden und dann kommen noch Reitkurse für Vereine hinzu sowie das Vorstellen von Kundenpferden an Turnieren: «Auch wenn es manchmal vollgepackte Tage sind, so brauche ich keine Ferien, weil dieses Leben für mich Ferien bedeutet.»

Von Karin Rohrer