• Der Sportchef der Rapperswil-Jona Lakers, Claudio Cadonau, ist in Langenthal zu Hause. · Bilder: Leroy Ryser

  • Emotionen, die in Erinnerung bleiben: Im Jahr 2012 und auf dem Bild im Jahr 2017 wurde Claudio Cadonau mit dem SC Langenthal zweimal Schweizer Meister in der Swiss League.

24.03.2026
Sport

«Sportchef zu sein, ist ein anderes Privileg»

Claudio Cadonau hat eine bewegte Eishockeykarriere hinter sich. Der 37-Jährige hat im Schweizer Eishockey für viele Clubs gespielt und alle Titel gewonnen, die man gewinnen kann. Seit vergangenem Mai steht er als Sportchef bei den Rapperswil-Jona Lakers im Einsatz. Zu Hause ist er aber dort geblieben, wo er einst zwei Swiss-League-Titel gewann: in Langenthal.

 

Claudio Cadonau aus Langenthal, Sportchef SC Rapperswil-Jona Lakers · Claudio Cadonau hat in seiner Eishockeykarriere alles erlebt: Als 21-Jähriger gehörte er zum Team der ZSC Lions, die nach dem Schweizer Meistertitel 2008 auch den Titel in der Champions Hockey League gewannen. Später wurde er einmal mit Lausanne und zweimal mit Langenthal Swiss-League-Champion. Mit Biel gewann er 2014 die Ligaqualifikation und in den Jahren 2021 und 2022 gewann er zweimal mit dem EV Zug den NL-Titel. Und: Als Junior der GCK Lions wurde er sogar Schweizer Meister der ältesten Junioren. Zuletzt spielte der in Zürich aufgewachsene Verteidiger für Langnau, ehe er nun als Sportchef in Rapperswil-Jona den Übertritt ins «gewöhnliche» Berufsleben schaffte und seine eishockeytechnische Tour de Suisse vorerst komplettierte. «Sportchef zu sein, ist ein anderes Privileg», sagt er heute. Als Eishockeyspieler habe er oft freie Nachmittage mit der Familie geniessen können, als Sportchef sei er durch seine Führungsfunktion in einem Business, das keine geregelten Arbeitszeiten kennt, ständig erreichbar und im Einsatz. «Mein jetziger Job kommt einem ‹normalen› Job natürlich viel näher», sagt er lachend, hängt dann aber an, dass «ich dennoch weiterhin unglaublich nahe dran sein darf an dem Sport, den ich liebe.» Er habe weiterhin Kontakt zur Garderobe, spüre die Privilegien, die diese Branche mit sich bringe, müsse dann aber auch ab und zu am Sonntagabend um 22 Uhr ans Telefon gehen. «Ich habe diesen Schritt nie bereut. Die Arbeit ist unglaublich spannend», sagt der  37-Jährige weiter. Der Übertritt von der Sportler Karriere in das mehr oder weniger geregelte Berufsleben scheint ihm gelungen.

Langenthal – wegen der Liebe
Im Rückblick auf seine Eishockey-Karriere kann Claudio Cadonau wenig überraschend viel erzählen. Die grössten Höhepunkte sind aber die beiden National-League-Meistertitel mit Zug. «Den Titel zu verteidigen, war speziell. Dass wir damals im Final gegen die ZSC Lions auch noch mit 0:3 in Rückstand lagen und niemand mehr an uns geglaubt hat, wir es aber dennoch geschafft haben, macht dieses Erlebnis einzigartig», sagt Cadonau. Zugleich hat auch Langenthal einen speziellen Platz in seinem Leben eingenommen, ist er doch hier seit vielen Jahren wohnhaft – und ist dies auch nach seinem Wechsel zu «Rappi» geblieben. «Meine Frau Chantal lebt hier und hat eine Sport-Physio-Praxis in Langenthal. Ausserdem haben wir eine Familie, gerade für die Kinder wäre das ständige Umziehen nicht ideal gewesen», erklärt Claudio Cadonau. In Langenthal zu bleiben, sei deshalb eine einfache Entscheidung gewesen, zugleich auch, weil es sehr zentral liegt. «Weiterhin ist über die Hälfte der Auswärtsspiele für mich aus Langenthal nähergelegen, als für jene, die in Rapperswil wohnen», sagt er, vor allem habe er hier aber längst auch Freunde gewonnen. «Ehemalige Mitspieler wie zum Beispiel Yves Müller wohnen auch immer noch hier. Ausserdem kenne ich mittlerweile so viele Leute, dass ich am Samstag auf dem Markt ganz oft in Gespräche verwickelt werde.» Nicht zuletzt auch durch die Titelgewinne in den Jahren 2012 und 2017 werde er auch eishockeytechnisch und emotional immer mit Langenthal verbunden sein, sodass er sich hier längst pudelwohl fühle. Dass im letzten Spätfrühling das Gerücht aufkam, dass der Verteidiger sich noch einmal für den SCL die Schlittschuhe schnüren könnte, war deshalb nicht aus der Luft gegriffen. «Es war tatsächlich ein Thema, die Karriere hier zu beenden, auch, weil ich durchaus gerne weitergespielt hätte», gibt Cadonau zu. Die Chance, Sportchef bei den Rapperswil-Jona Lakers zu werden, sei aber schlichtweg zu gut gewesen, um sie nicht zu ergreifen. «Jetzt bin ich noch ab und zu mit den SCL-Senioren auf dem Eis. Das fägt auch.»

Die Playoff-Qualifikation geschafft
Spass macht es auch bei den Lakers – nicht zuletzt wegen der kürzlich erfolgten Playoff-Qualifikation. Nach zwei schwierigen Saisons konnten die «Rosenstädter» zu Beginn dieser Saison wieder ganz vorne mitmischen. «Da hat vieles gepasst, plötzlich waren wir zwischenzeitlich sogar auf Rang 2», erinnert sich Cadonau. Danach hätten Verletzungen die Situation erschwert und die Realität habe sie ein bisschen eingeholt. «Via Play-Ins die Playoffs zu schaffen – da hätten wir vor der Saison unterschrieben», sagt der Rappi-Sportchef zufrieden. Der erste Teil der Saison sei gelungen, nun finden seit vergangenen Freitag die Playoff-Viertelfinals gegen Fribourg-Gottéron statt (Zwischenstand: 2:0 für «Rappi»). Auch dank dem sportlichen Erfolg war der Start in sein neues Amt für Claudio Cadonau turbulent, für bleibende Erinnerungen hat zudem schon der erste Arbeitstag gesorgt. «Am 1. Mai wurde mir die Stelle zugesichert, am 2. Mai war ich gleich bei einer Verwaltungsratssitzung mit dabei», erinnert er sich. Für ihn war das speziell, ein bisschen Nervosität sei ebenso mit dabei gewesen. «Allgemein war natürlich vieles neu. Als ich von der Stelle gehört habe, wusste ich nicht einmal genau, wie ich mich bewerben soll», blickt er mit einem Lachen zurück. Auch deshalb habe er Marc Eichmann angerufen, mit dem er in Langenthal einst die beiden Titel gewann. «Ich habe ihn gefragt, ob die Stelle überhaupt noch verfügbar sei – und wenn ja, wie ich mich denn bewerben soll.» Letztlich habe er ein Dossier eingereicht, wie er es in der Schule gelernt hatte, mit Motivationsschreiben und Lebenslauf – und nach mehreren Vorstellungsrunden habe er sich im Auswahlverfahren durchsetzen können. 

Beim Weggefährten erhält er Hilfe
Und mittlerweile steckt er mitten im Arbeitsalltag und kennt auch ein bisschen die Schattenseiten. «Jemandem zu sagen ‹hey, dich will ich nicht behalten›, ist nicht einfach. Hier frage ich mich dann einfach, wie ich mir diese Kommunikation als Spieler gewünscht hätte», erzählt Claudio Cadonau. Vereinsintern könne er zudem auf die Unterstützung von vielen Personen zählen. Marc Eichmann beispielsweise, der als Geschäftsführer des Nachwuchses bei den Lakers angestellt ist, frage er immer mal wieder, wie er denn gewisse Dinge tun würde. «Ich bringe sicherlich viel Erfahrung mit, was den eishockeytaktischen Bereich betrifft. Daneben ist aber vieles ein Lernprozess. Von gewissen Dingen erfährt man als Spieler gar nicht, von denen  man dann erst als Sportchef erfährt», sagt Claudio Cadonau. Da gebe es auch für ihn als ehemaligen Spieler, der das Business schon lange kennt, viel zu lernen. Die Verantwortung trägt er aber längst vollständig. Mit dem so oder so nahenden Saisonende geht auch die Planung der neuen Saison und somit auch die Kaderzusammenstellung in die finale Phase. Auch dort kennt er die Herausforderungen längst; und daran, wie er und sein Trainer Johan Lundskog die Mannschaft zusammenstellen, wird er bald auch gemessen. «Letztlich geht es um richtig viel Geld», ist er sich bewusst, dass auch Druck auf ihm lastet. Damit lernte er aber schon als Spieler umgehen. «Es braucht zwischendurch eine harte Haut. Aber die habe ich», lacht Claudio Cadonau, der als Spieler unter anderem für seine harte Spielweise bekannt war. Dennoch bleibt für ihn klar: Sportchef zu sein begeistert ihn, weiterhin im Eishockey zu Hause zu sein, das geniesst er. Das Privileg, das sein Job mit sich bringt, hat sich nach seiner Aktiv-Karriere einfach ein bisschen verändert.

Von Leroy Ryser