• «Heute handelt es sich um Breiten- und nicht mehr Spitzensport.» Roland Fiechter, Präsident SC Ahorn-Eriswil

  • Flashback: Die Champions des Eriswiler Schülerskirennens 1984.

  • Das Nachtskifahren gehört zu den zahlreichen Aktivitäten beim Skiclub Ahorn-Eriswil. · Bilder: Stefan Leuenberger, Keystone, zvg

  • Immer ein gelungener Anlass beim SC Ahorn-Eriswil ist der Familienskitag.

  • Jeden Montag findet in der Eriswiler Turnhalle ein Fitnesstraining statt.

  • Trägt aktuell den Namen SC Ahorn-Eriswil in die Welt hinaus: Ski-Supertalent Shaienne Zehnder.

  • Lange ein Jahreshighlight im Kalender des Skiclubs Ahorn-Eriswil: Der Ahorn-Berglauf (auf dem Bild Konrad Eggimann bei der Austragung 2007 kurz vor dem Ziel).

  • Die dreifache Skicross-Olympiateilnehmerin Sanna Lüdi vom Skiclub Ahorn-Eriswil.

26.11.2025
Sport

Starker Wandel, aber immer noch lebendig

Der Skiclub Ahorn-Eriswil war während Jahrzehnten eine Talentschmiede im Skirennsport und Organisator von verschiedenen Wettkämpfen. Heute existiert kein Rennbetrieb mehr. Gesellige Skianlässe wie auch das wöchentliche Fitnessturnen existieren aber immer noch im Jahres­programm.

Skiclub Ahorn-Eriswil · Die erst 19-jährige Shaienne Zehnder rückte mit ihrem Weltcup-Debüt beim Riesenslalom in Sölden Ende Oktober in den Fokus der Medien. Das Schweizer Fernsehen und der Blick – führende Medien in der Schweiz – berichteten ausführlich. Mit dem grossen Oberaargauer Skitalent rückte automatisch auch der Skiclub Ahorn-Eriswil ins Scheinwerferlicht. Seit Beginn ihrer Skikarriere startet die in Walterswil aufgewachsene Skifahrerin für den Eriswiler Verein. «Das macht uns natürlich extrem stolz», sagt Roland Fiechter, Präsident des Skiclubs Ahorn-Eriswil. «Es ist die zweite Athletin nach Sanna Lüdi, der dreifachen Olympiateilnehmerin im Skicross, die den Namen unseres Skiclubs in die Welt hinausträgt.» Dazu hatte der Skiclub Ahorn-Eriswil in den 1980er- und 1990er-Jahren zahlreiche über die Region hinaus bekannte Skifahrerinnen und Skifahrer.   

Gründung im Jahr 1958
Wie steht es anno 2025 um diesen Skiclub, der bereits etliche ausgezeichnete Skifahrerinnen und Skifahrer sowie die Ausnahmeerscheinungen Lüdi und Zehnder hervorgebracht hat? Gegründet wurde der Eriswiler Skiclub  am 20. Dezember 1958. Der Eriswiler Verein zeichnete sich fortan als Organisator von Wettkämpfen aus. Ab 1968 fand während vieler Jahre der Ahorn-Langlauf statt. Dann rückte das Skifahren ins Zentrum. Der SC Ahorn-Eriswil organisierte viele Skirennen (meist im Berner Oberland), während vieler Jahre auch in Eriswil an der Geiss das Schülerskirennen. 1978 konnte an der Lenk ein eigengebautes Clubhaus eingeweiht werden. Von dieser Unterkunft konnten über Jahrzehnte hinweg kurze Skiausflüge ins Gebiet Adelboden-Lenk unternommen werden. Ausserdem fanden im Clubhaus viele legendäre Anlässe und Feiern statt. Das Clubhaus wurde auch an Nichtmitglieder vermietet, um die Vereinskasse im Lot zu halten.  Von 1987 bis 2008 trat der Skiclub auch als Organisator eines Laufsportspektakels in Erscheinung. 22 Mal fand der beliebte Ahorn-Berglauf hoch auf den Eriswiler Hausberg statt. Ab 2010 wurde dieser von den «Ahorn-Masters» abgelöst, die zehnmal stattfanden. Bei diesem Wettmessen für den Nachwuchs mussten spezielle Disziplinen wie «Holzstammwerfen» oder «Sackhüpfen» ausgeübt werden. Der Spassfaktor stand im Zentrum. 

Kein eigener Rennbetrieb mehr
In all den Jahren blieb das Skifahren stets das Kerngeschäft des Skiclubs Ahorn-Eriswil. Jeden Winter standen unzählige Trainings und Skirennen auf dem Jahresprogramm. Dazu gehörten auch immer gesellige Skiweekends auf Funbasis. Im Jahr 2007 schlossen sich die drei Emmentaler Skiclubs Ahorn- Eriswil, Eggiwil und Schangnau zusammen, um die Kräfte in der Nachwuchsförderung zu bündeln. Immer mehr verlagerte sich der Rennbetrieb zum Verein Ski Emmental. «Wenn heute ein Junge oder ein Mädchen zielorientiert und rennmässig Ski fahren will, übergeben wir sie, ihn an Ski Emmental. Wir führen selbst keine Renntrainings und Ausbildungen mehr durch», bestätigt Roland Fiechter. Damit steht fest, dass der Name Skiclub Ahorn-Eriswil in den Ranglisten der Nachwuchsskirennen im Winter 2025/26 nicht mehr auftaucht. «Die Zeit hat sich gewandelt.» Dieser Wandel führte 2014 auch dazu, dass – schweren Herzens – das nicht mehr rentierende Chalet Ahorn, das Clubhaus an der Lenk, verkauft wurde. 

Wöchentliches Fitnesstraining
Obwohl die Anzahl Veranstaltungen zurückgegangen ist und der Rennbetrieb ausgelagert wurde, ist der Skiclub Ahorn-Eriswil immer noch lebendig. Ein fünfköpfiger Vorstand sorgt dafür, dass ein reichhaltiges Jahresprogramm (einzusehen auf www.sc-ahorn.ch) auf die Beine gestellt wird. In den angepassten Statuten von 2016 steht, dass der Skiclub Ahorn-Eriswil «die Förderung und Pflege des Schneesports, der Kameradschaft und der Geselligkeit bezweckt». Und genau dies tut er auch im 67. Jahr seines Bestehens noch. Fit halten sich die Mitglieder im wöchentlichen Montagtraining, das unter dem Motto «Freude an der Bewegung» polysportlich gestaltet wird. Die Trainings werden jede Woche von einer anderen Person geleitet. «Es handelt sich um Breiten- und nicht Leistungssport», ergänzt Fiechter. 

Auch Aktivitäten neben der Piste
Die Aktivitäten an den Winter-Wochenenden sind im Vergleich zur Blütephase ein bisschen weniger geworden. «Wir müssen nicht mehr jedes Wochenende auf den Skiern stehen», lacht Roland Fiechter. «Wenn wir zusammen in den Schnee reisen, steht der Genuss im Zentrum.» Das Jahresprogramm umfasst Aktivitäten wie ein Skiweekend (heuer in Saas-Fee), Nachtskifahren, eine Schneeschuhwanderung oder einen Familienskitag. «Wir achten darauf, dass wir in der schneelosen Zeit ebenfalls Sachen unternehmen», erklärt der 52-Jährige. Im aktuellen Vereinsjahr waren die Mitglieder des SC Ahorn-Eriswil beispielsweise im Sommer beim Stand-up-Paddling auf dem Sempachersee. Im Herbst führte ein Ausflug nach Zürich, wo ein besonderes Gruppenerlebnis bei der Indoor-Aktivität «Boda Borg» – einer fortgeschrittenen Version der Escape Rooms – auf die «Ahörnler» wartete. Hinzu kam der Clubhöck in Motto-Verkleidung im Restaurant. «Diese verschiedenen Erlebnisse auf und neben der Skipiste schweissen zusammen und erhalten, was der Skiclub Ahorn-Eriswil schon immer war: ein Verein mit familiärem Charme», weiss Roland Fiechter. Wie bei allen Vereinen gestaltet sich die Suche nach neuen Mitgliedern nicht einfach. «Wir würden uns natürlich über neue Gesichter – sowohl bei unserem wöchentlichen Training als auch unseren skimässigen Aktivitäten – enorm freuen. Ein unverbindliches ‹Reinschnuppern› ist immer möglich», schliesst Roland Fiechter.    

Von Stefan Leuenberger