Die Handdruckspritze No. 3 hat im Spritzenhaus No. 3 beim Standort No. 2 (Ausserhof) ihr neues Zuhause gefunden. Von links: Markus Käser (Projektteam), Martin Ryser (Feuerwehrinspektor A.D.), Gotte Katja Riem (Jung-Nationalrätin SVP), Roland Ryser (Co-Präsident Projektteam und Gemeindepräsident), Götti Johann Schneider-Ammann (Alt-Bundesrat) und Fritz Weyermann (Vertreter der Gemeinde Affoltern). · Bilder: Marion Heiniger
Startschuss für Feuerwehrmuseum «FüürSchüür»
Am Wochenende startete in Affoltern auf dem Gelände der Emmentaler Schaukäserei offiziell die Finanzierungsrunde des Museumsprojekts «FüürSchüür – Berner Wehr Geschichte». Zelebriert wurde der Projektstart mit der Heimkehr der 99 Jahre alten Handdruckspritze Affoltern No. 3 und deren Taufe durch den Götti AltBundesrat Johann Schneider-Ammann sowie der Jung-Nationalrätin Katja Riem als Gotte.
Emmental · Die Idee, in Affoltern ein Feuerwehr-Museum zu eröffnen, hatten die Zwillingsbrüder Roland und Martin Ryser, während sie vor einiger Zeit in den Kanton Jura reisten, um eine alte Handdruckspritze abzuholen. Wohin mit all dem alten Material, das sich in den vergangenen Jahren angesammelt hat, fragten sich die «Feuerwehr-Brüder». Sie wussten aber auch, dass es im ganzen Kanton Bern noch keine Feuerwehrausstellung gab. Der Gedanke reifte und irgendwann suchte man das Gespräch mit der Emmentaler Schaukäserei, da die Löie-Schüür, welche sich für ein solches Vorhaben eignen würde, in deren Besitz ist. Kontakt wurde auch mit der Gebäudeversicherung Bern (GVB) aufgenommen, welche die strategische Aufsicht über die Berner Feuerwehren hat. «Wir konnten daraufhin unser Projekt der Kulturstiftung der GVB vorstellen», erzählte der Affolterer Gemeindepräsident Roland Ryser und Co-Präsident des Projektteams zum Projektstart am vergangenen Wochenende den zahlreich erschienenen Gästen.
Synergien nutzen
Dieses Projekt, ein kantonales Feuerwehrmuseum, sei auch für ihn und die ganze GVB eine Herzensangelegenheit, erklärte Stefan Dürig, Vorsitzender der Geschäftsleitung GVB. «Ihr habt das Projekt mit dem gleichen Enthusiasmus vorgestellt, wie ihr auch den heutigen Tag gestaltet habt», sagte Dürig anerkennend an Roland und Martin Ryser gewandt. Er freute sich, dass für das geplante Museum zusammen mit der Emmentaler Schaukäserei wichtige Synergien genutzt werden könnten. «Eine Zukunft braucht auch Herkunft, deshalb ist es wichtig, dass man zeigen kann, wie die Feuerwehr im Kanton Bern entstanden ist und wie sie weiter professionalisiert wurde», erklärte Stefan Dürig in seiner Kurzrede abschliessend. Die Nutzung der Synergien für das Museumsprojekt «FüürSchüür Berner Wehr Geschichte» hob auch Frank Jantschik, Geschäftsführer der Emmentaler Schaukäserei hervor. «Das Projekt ist vor etwa eineinhalb Jahren entstanden. Es gibt drei gute Gründe, warum die ‹FüürSchüür› entstehen sollte. Erstens Synergie, zweitens Synergie und drittens Synergie.» Der erste Synergieeffekt spreche für den Ort Affoltern als bekannter Standort der Emmentaler Schaukäserei. Die Gemeinde wie auch die Schaukäserei würden damit eine weitere Attraktion erhalten. Der zweite Synergieeffekt sei die Löie-Schüür an sich, als historisches Gebäude in bester Lage des Ortsbildes. Sie werde durch das Museum aufgewertet. Als dritten, für die Schaukäserei wichtigsten Synergieeffekt nannte Frank Jantschik das bestehende Potenzial, das in das Projekt miteingebracht werden könne. «Knapp 300 000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr sind auch potenzielle Besuchende für die FüürSchüür.» So würde die Emmentaler Schaukäserei auch das Museum in sämtliche Marketingaktivitäten einbetten.»
Rückkehr der Handdruckspritze
«In der Feuerverordnung von 1819 stand geschrieben: Da die Feuerspritze das wesentliche Hilfsmittel zur Hemmung und Bekämpfung von Bränden ist, ordnen wir, Schulthess und Rate der Stadt und Republik Bern, an, dass jedes Kirchenspiel, wo noch keine vorhanden ist, eine tüchtige Feuerspritze anzuschaffen hat. Grössere Kirchenspiele, über 200 Gebäude, deren zwei. Und ja, Affoltern hat das natürlich auch gemacht, längst vor der Handdruckspritze, die heute hier steht», sagte Martin Ryser und zeigte auf die 99 Jahre alte Handdruckspritze, die durch ihre Rückkehr nach Affoltern den Mittelpunkt des Anlasses bildete. Damals habe es in der Gemeinde Affoltern drei Handdruckspritzen gegeben, erzählte der ehemalige Feuerwehrinspektor weiter. Eine war im Dorf (No. 1) stationiert, eine im Ausserhof (No. 2) und eine im Schweikhof (No. 3). «Ich wollte wissen, wo unsere Handdruckspritze vom Schweikhof ist und fand heraus, dass sie im Jahr 1972 von Fritz Wanner, einem ehemaligen Feuerwehrkommandanten aus Baden (AG), gekauft wurde.» Frisch getauft von Götti Johann Schneider-Ammann und Gotte Katja Riem wurde sie zum Schluss des bedeutungsvollen Anlasses in das restaurierte Spritzenhüsli No. 3 vom Schweikhof, welches man vorgängig an den Standort No. 2 beim Ausserhof dafür platziert hatte, feierlich eingefahren.
Auf Spenden angewiesen
Schwung in das Vorprojekt «FüürSchüür» brachten Partner und Unterstützer, namentlich die Kulturstiftung der GVB, die Gemeinde Affoltern, der Feuerwehrverband des Kantons Bern sowie die Emmentaler Schaukäserei. Für die Umsetzung des rund 3,25 Millionen Franken teuren Projekts ist die Projektgruppe weiterhin auf Spendengelder angewiesen. «Dafür werden wir Firmen in der Region und im ganzen Kanton Bern persönlich besuchen und versuchen, unsere Begeisterung weiterzugeben», versprach Roland Ryser. Zusätzlich weisen bei der Emmentaler Schaukäserei zwei grosse Tafeln darauf hin, was genau geplant ist und wie gespendet werden kann. Ab sofort können auch Kleinstbeträge gespendet werden, dafür steht in der Emmentaler Schaukäserei auf einem Podest ein alter Feuerwehrhelm mit einem Geldschlitz und einem Drehlicht, das bei jeder Spende zu leuchten beginnt.
Von Marion Heiniger