• Die Huttwiler Firma Flyer steckt in einem Absatzloch. Der Lagerbestand ist hoch. 155 Mitarbeitenden droht nun die Entlassung. · Archivbild: Thomas Peter

01.11.2024
Huttwil

Stellt «Flyer» die Produktion in Huttwil ein?

Beim E-Bike-Produzenten Flyer in Huttwil steht offenbar eine grosse Restrukturierung an. Die deutsche Muttergesellschaft ZEG hat das Konsultationsverfahren eingeleitet. Rund 155 der noch 170 Mitarbeitenden könnten auf der Strasse stehen.

Flyer beschäftigt in Huttwil 170 Angestellte. Im Zuge der geplanten Restrukturierung werde der Abbau grosser Teile der aktuellen Belegschaft geprüft, heisst es in einer Mitteilung der ZEG. SRF berichtete unter Berufung auf eine interne Quelle von 155 geplanten Entlassungen. Die Mitarbeitenden wurden am Mittwoch informiert. Die Besitzerin prüft, die Verwaltung von Flyer auf ein Minimum zu reduzieren und die Produktion auszulagern. Mit diesem Schritt reagiert das deutsche Mutterhaus auf die «schwierige Marktsituation in der Fahrradbranche». Allfällige Massnahmen seien «ein unumgänglicher betriebswirtschaftlicher Schritt», um die Eigenständigkeit des Unternehmens in einem hart umkämpften Markt zu erhalten. Den endgültigen Entscheid über die Restrukturierung will ZEG nach dem Konsultationsverfahren treffen, wie das Unternehmen in seiner Mitteilung weiter schreibt. Sollte es zu Entlassungen kommen, würden die betroffenen Mitarbeitenden mit einem Sozialplan unterstützt. Die Direktion für Wirtschaft, Energie und Umwelt des Kantons Bern erklärte, von Flyer über Veränderungen in Huttwil vorab informiert worden zu sein. Wie viele Stellen betroffen seien, wollte der Amtssprecher indes nicht sagen. Das dürfe er aus rechtlichen Gründen nicht.

Überrascht und enttäuscht
Gemeindepräsident Walter Rohrbach, zeigte sich im Regionaljournal von Radio SRF «überrascht und enttäuscht».Er habe aus den Medien vom geplanten Stellenabbau erfahren. Auf eine erste Restrukturierung vor rund einem Jahr folge eine zweite, ebenfalls unangekündigt. Das tue weh und sei traurig für die betroffenen Mitarbeitenden. Das Flyer-Werk sei für Huttwil ein Flaggschiff gewesen, insbesondere auch im Standortmarketing. Huttwil stecke in einer Wohnungsentwicklung, es sei viel gebaut worden. Nun gingen wieder Arbeitsplätze verloren. Flyer sei in der Region ein wichtiger Arbeitgeber. Wie es nun weitergehe, könne er im Moment noch nicht sagen, betonte Walter Rohrbach. «Wir können ja nicht in die Privatwirtschaft eingreifen.» Der Gemeinderat werde nun ausloten, was er tun könne. Der E-Bike-Pionier Flyer profitierte während der Coronapandemie vom Veloboom. Seither ist der Markt aber gesättigt und der Umsatz im Krebsgang. Im «Velojournal» sagte Flyer-CEO Andreas Kessler vor rund einer Woche, dass man zwar Lagerbestände habe abbauen können, sie seien aber noch immer auf einem hohen Niveau. Für 2025 erwarte er kein Wachstum. Kessler sprach im Interview von einem «Tal der Tränen», das 2025 noch durchquert werden müsse. Konkret von Stellenabbau sprach der CEO aber nicht. Bereits vor einem Jahr hat Flyer rund 80 Stellen abgebaut.

Stetiges Wachstum endete abrupt
Erste Anfänge von Flyer reichen in die 1990er-Jahre zurück. Damals produzierte die Firma BK Tech eine erste Kleinserie mit E-Bikes namens «Flyer Classic». In den 2000er-Jahren zog die Nachfrage nach Elektrovelos an. Das Unternehmen baute 2009 in Huttwil ein Werk, das kontinuierlich ausgebaut wurde. 2017 stieg die Deutsche ZEG bei Flyer ein. sda/UE