• Gute Nachrichten für Huttwil: Nachdem die dahlia oberaargau ag ihren Standort im ehemaligen Spital in Huttwil vor einem Jahr geschlossen hat, wurde das Areal nun von der Stiftung Lebensart erworben. Die Stiftung plant dort in Zusammenarbeit mit der SRO AG und der Gemeinde Huttwil eine zukunftsgerichtete Nutzung mit zahlreichen Wohnungen und rund 50 Pflegeplätzen. · Archivbild: Thomas Peter

  • Zufriedene Gesichter nach dem beschlossenen Verkauf (v.l.): Walter Grossenbcher, Stiftungsratspräsident Stiftung Lebensart, Rolf Hayoz, Direktor ad interim SRO AG, Daniel Schmid, Verwaltungsratspräsident SRO AG, Lukas Bär, Geschäftsführer Stiftung Lebensart, Karin Moser, Geschäftsleiterin dahlia oberaargau ag und Christian Witschi, Verwaltungsratspräsident dahlia oberaargau ag. · Bilder: Gabriela Graber

08.08.2025
Huttwil

Stiftung Lebensart kauft altes Spitalareal

Bei der SRO geht es Schlag auf Schlag: Erst die angekündigte Schliessung der Geburtenabteilung in Langenthal – und jetzt verkauft die Spital Region Oberaargau AG (SRO) 100 Prozent der Aktien der dahlia oberaargau ag an die Stiftung Lebensart. Diese übernimmt per 1. Januar 2026 auch alle Standorte in Her­zogenbuchsee, Niederbipp, Wiedlisbach und Attiswil. Bereits Ende Juli verkaufte die SRO das Spitalareal Huttwil an die Stiftung – dort soll ein neues Pflege- und Wohnangebot entstehen.

«Ziel ist es, die langjährige Zusammenarbeit mit der SRO AG zu vertiefen, Synergien zu nutzen und gemeinsam die integrierte Versorgung in der Region zu stärken», sagt Walter Grossenbacher, Stiftungsratspräsident von Lebensart. Die Stiftung mit Sitz in Bärau (Langnau i.E.) ist auf Langzeitpflege und betreutes Wohnen spezialisiert. 

Arbeitsplätze und Gesundheitszentren bleiben erhalten 
Wie die Stiftung mitteilt, übernimmt sie sämtliche Mitarbeitenden und Kaderpersonen von dahlia oberaargau. Für die Bewohnenden und das Personal soll sich im Alltag grundsätzlich nichts verändern. Neu soll innerhalb von Lebensart eine Führungsregion Oberaargau mit über 300 Pflegeplätzen gebildet werden. Gleichzeitig werde auch die Führungsregion Emmental neu strukturiert – mit 450 Plätzen. «Wir sind sehr glücklich mit dieser Lösung», so Daniel Schmid, Verwal-tungsratspräsident der SRO. Bereits vor über einem Jahr habe sich die SRO Gedanken zur strategischen Ausrichtung gemacht. Es sei zur Debatte gestanden, ob sie dahlia behalten oder mit einem starken Partner weiterentwickeln wolle. Die Gespräche mit Lebensart hätten vor rund neun Monaten begonnen und seien von Anfang an positiv verlaufen. «Dass dahlia oberaargau künftig zu Lebensart gehört, ist kein Ende – sondern der Startschuss für eine vertiefte Zusammenarbeit», so Schmid. Die neue Struktur steht im Einklang mit dem 4+Regionen-Versorgungsmodell des Kantons Bern, das vier regionale Zentren für die Grundversorgung sowie spezialisierte Zusatzangebote vorsieht. «Die SRO konzentriert sich künftig auf ihre Rolle als Anbieterin der Akutversorgung und Psychiatrie, während wir die Langzeitpflege in spezialisiertere Hände geben», so Schmid. Weiter betont er, dass auch die Gesundheitszentren weiterhin bestehen bleiben – inklusive Physiotherapie, Psychiatrie und Gynäkologie. 

Innovative Pläne für Huttwil
Das dahlia in Huttwil wurde bereits vor über einem Jahr eingestellt (der UE berichtete). Gemeinsam mit Lebensart wurde eine Nachfolgelösung für das ehemalige Spital-Areal gesucht. Am 30. Juli ging das Grundstück an die Stiftung Lebensart über. «Diese plant dort ein neues Angebot mit Wohnen, Pflege und Dienstleistungen – in Zentrumsnähe und gleichzeitig im Grünen», so Schmid. So sollen in Huttwil Dutzende Wohnungen und 50 neue Pflegeplätze entstehen. «Lebensart plant dort ein innovatives Angebot, das es innerhalb der Stiftung so noch nicht gibt», erklärt Grossenbacher. Das Projekt in Huttwil sei ein wichtiger Entwicklungsschritt innerhalb der Stiftung, betont er: «Wir freuen uns sehr, dahlia bei uns zu begrüssen. Letztlich geht es darum, den Menschen in der Region bestmögliche Bedingungen und moderne Gesundheitsdienstleistungen zu bieten – und unseren Mitarbeitenden eine Perspektive in einem zeitgemässen Umfeld.» Auch für die SRO ist der Verkauf ein bedeutender strategischer Schritt, wie Daniel Schmid erklärt: «Der Verkauf der dahlia oberaargau ag und des Areals in Huttwil sowie die Schliessung der Geburtenabteilung – aufgrund tiefer Zahlen – sind wichtige Massnahmen zur Stärkung unserer Eigenständigkeit. Wir steigern damit unsere Organisation massiv. Auch politisch ist dieser Kurs breit abgestützt.» Dank des Verkaufs hätten zudem die vom Kanton bereitgestellten vier Millionen Franken zur Überbrückung von Engpässen zurückgezahlt werden können. 

Huttwil profitiert – Gemeinde erleichtert
Auch Adrian Wüthrich, Gemeinde-präsident von Huttwil, zeigt sich erfreut: «Der Deal ist für Huttwil ein Glücksfall. Die Kombination aus altersgerechtem Wohnen, Pflege und dem bestehenden Gesundheitszentrum ist zukunftsweisend – und ideal, um Huttwil für Menschen im Pensionsalter attraktiv zu machen und weiterzuentwickeln.» Der Gemeinderat sei früh über die Entwicklung informiert gewesen: «Es war klar, dass die SRO das Gebäude verkaufen möchte, und wir wussten, dass die Stiftung Lebensart interessiert ist. Wir haben die Verhandlungen aufmerksam verfolgt und sind als Gemeinderat sehr froh, dass der Verkauf nun über die Bühne gegangen ist – auch, weil auf dem Areal so keine Brache entsteht», so Wüthrich. Das Thema sei sogar in die Legislaturziele aufgenommen worden – in der Hoffnung, dass das Projekt zustande komme. «Wir rechnen mit einer älteren Bevölkerung in diesem neuen Quartier und wollen deshalb auch den Verkehr ins Städtli verbessern – zum Beispiel mit einem Bürgerbus oder Mobility-on-Demand-Angeboten.» Die Planung läuft: Die Gemeinde hat ein qualitätssicherndes Verfahren gestartet, um baurechtliche Fragen zu klären. «Lebensart plant, bereits Anfang des kommenden Jahres ein Baugesuch einzureichen – das zeigt, wie ernst sie es meinen», sagt Wüthrich.

Von Gabriela Graber