Christoph «Gesa» Geiser (Bildmitte) leitet den Kurs in Langenthal: Der passionierte Tänzer hat in Langenthal die erste Salsatanzschule Conjunto de Salsa gegründet, die bis heute besteht. · Bilder: Brigitte Meier
Tanzen weckt pure Lebensfreude
Im Conjunto de Salsa auf dem Areal der Porzellanfabrik Langenthal wird neben Salsa auch Everdance® unterrichtet. Das Solotanzkonzept ermöglicht Menschen, unabhängig von Alter oder Erfahrung, ihre Tanzfreude auszuleben. Es braucht keine Tanzpartnerin oder keinen Tanzpartner; getanzt wird allein und dennoch entsteht ein schönes Gemeinschaftsgefühl in der Gruppe. Zu schwungvoller Musik werden einfache Grundschritte aus Paartänzen wie beispielsweise Walzer, Jive oder Rumba geübt. Nicht nur Rücken, Hüften und Knie bleiben dabei beweglich, sondern auch der Kopf.
Unkomplizierte Schrittfolgen kombiniert mit kleinen Choreografien machen es leicht, die verschiedenen Tanzschritte zu lernen und gemeinsam in der Gruppe das Tanzbein zu schwingen. In Langenthal wird der Kurs von Christoph «Gesa» Geiser geleitet, der sich in Zürich zum Ever-
dance®-Lehrer ausgebildet hat. Der passionierte Tänzer hat in Langenthal die erste Salsatanzschule Conjunto de Salsa gegründet, die bis heute besteht. In diesen Räumen auf dem Porziareal findet das Solotanzangebot grossen Anklang. Inzwischen werden bereits sechs Kurse durchgeführt, davon werden zwei von Sandra Muheim geleitet.
Einzeltanz für alle
Für den Einstieg werden Hits aus allen Musikstilen gespielt. Danach folgt der Hauptteil mit Grundschritten aus dem Paartanz, kombiniert mit zusätzlichen Bewegungselementen. Neben dem eigentlichen Tanzen wird auch Wert gelegt auf Gymnastik und das Körpergefühl. Jede Stunde endet mit Dehnübungen, welche die Beweglichkeit steigern und die Muskulatur lockern. «An den grundlegenden Aufbau muss ich mich halten. Beim Tanzen im Raum bin ich flexibel und kann die Choreo inhaltlich frei gestalten. Am meisten Zeit beansprucht das Zusammenstellen der Musik», erklärt Christoph Geiser, während er die eintreffenden Teilnehmenden der Donnerstagsgruppe begrüsst.
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Als tanzbegeisterte Autorin mache ich spontan eine Stunde mit, um möglichst lebhaft und authentisch über dieses Solotanzangebot zu berichten. Kurz fällt mein Blick auf ein Bild mit einem Zitat des Philosophen Friedrich Nietzsche «Man muss das Leben tanzen» und ich sinniere, wieviel Leichtigkeit und Freude wir erleben könnten, wenn wir tanzend durchs Leben gingen – oder ab und zu einfach aus der Reihe tanzen würden.
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Das lockere Aufwärmen zur Musik von Johnny Cash erinnert an eigene Erfahrungen im LineDance. Stühle beiseite räumen und schon geht’s los. Nicht «Walk the Line», sondern Tanzen im Kreis. Das macht allen sichtlich Spass. Elegant zeigt «Gesa» einige Schritte vor und schaut fragend in die Runde: Wer erkennt den nächsten Tanz? Sofort kommt die richtige Antwort «Tango». Zuerst konzentrieren wir uns nur auf die Schritte. Das Timing muss stimmen und klappt ganz gut, so dass wir die Schritte mit Körper- und Armbewegungen verbinden können. Während wir mehr oder weniger gewandt durch den kleinen Raum schreiten, achten wir darauf, niemandem auf die Füsse zu treten. «Lächeln, einander anlächeln», ruft «Gesa» mit aufmunternder Stimme. Er arbeitet gerne mit Menschen und seine aufgestellte Art überträgt sich auf die Teilnehmenden. «Sie kommen alle freiwillig und brauchen nicht motiviert zu werden. Alltag und Sorgen verfliegen ohnehin mit den ersten Tönen», sagt Christoph Geiser. Da er bald pensioniert wird, kann er sich vorstellen, einen weiteren Kurs am Vormittag anzubieten.
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Seitwärts drei schnelle Schritte: links, rechts, links oder Cha-Cha-Cha. Der lateinamerikanische Tanz im Viervierteltakt steht als nächstes auf dem Programm. Augenblicklich verbreitet sich eine fröhliche Atmosphäre auf der Tanzfläche. «Kleine Schritte, Gewicht nach vorne verlagern und das Tempo erhöhen», ruft «Gesa», während er die Schlusspose demonstriert. Dann folgt die Cumbia, ein dynamischer kolumbianischer Tanz, bei dem Rhythmusgefühl und Koordination gefragt sind. «Traut euch, die Hüften kreisen zu lassen», motiviert der Lehrer. Abschliessend gleitet man zu den sanften Klängen von Simon & Garfunkel durch den Raum. Durch Dehnen wird die Muskulatur gestärkt und die Beweglichkeit verbessert.
Zielgruppe 60plus
Paul Schaad aus Herzogenbuchsee besucht den Kurs regelmässig. Er fühlte sich von einem Everdance®-Inserat in der Zeitung angesprochen, und die Teilnahme am Infoabend hat ihn vollends überzeugt. Für ihn ist es kein Problem, dass er in dieser Gruppe der einzige Mann ist. Während er zufrieden seine Tanzschuhe einpackt, betont der 84-Jährige: «Unser Leiter macht das grossartig; er ist nicht streng, stets gut gelaunt und seine Leidenschaft ist ansteckend. Ich freue mich jede Woche auf die Tanzstunde.» Eine Teilnehmerin erinnert sich daran, dass sie zuletzt anlässlich ihrer Hochzeit vor 50 Jahren getanzt hat. Umso mehr freut sie sich, dass es dieses Solotanzangebot gibt. «Wenn man individuell tanzt, kann man sich voll auf sich konzentrieren und ist trotzdem in einer Gruppe», schwärmt die Langenthalerin. Längst wollte sich Hanna anmelden und hat es jeweils wieder hinausgeschoben: «Dann habe ich ‹Gesa› in der Badi getroffen und nun mache ich schon den zweiten Kurs. Die Koordination von Bewegung mit Musik macht unglaublich Spass; gleichzeitig ist es eine Art ‹Gehirnjogging›.»
Tanzen ist gesund
Tanzen beeinflusst die Stimmung, sorgt für positive Gefühle und weckt pure Lebensfreude. Körper und Seele entspannen. Gleichzeitig aktiviert Tanzen beide Gehirnhälften. Die Musik, die Bewegung, die Schrittfolge, das Gleichgewicht: Hier wirken viele Reize simultan auf das Gehirn ein und fordern es dadurch maximal. Dies wiederum fördert die Ausschüttung von Endorphinen, sogenannten Glückshormonen. Dank den rhythmischen Bewegungen fühlt man sich leichter und nimmt den Körper intensiver wahr.
Von Brigitte Meier