• Der Rüegsauschacher Andrea Salvisberg musste die Ironman-WM auf Hawaii auf dem Radabschnitt wegen einer Verletzung und eines Defekts aufgeben. · Archivbild: Keystone

16.10.2026
Sport

Trotz Hawaii-Aufgabe ein Ironman

Der 37-jährige, im Kanton Aargau wohnhafte Rüegsauschacher Andrea Salvisberg hat einen unglaublichen sportlichen Werdegang hinter sich. Eine schwere Krankheit warf den Spitzentriathleten aus der Bahn. Mit grossem Willen kämpfte er sich zurück – und startete bei der Ironman-WM auf Hawaii. Trotz der verletzungsbedingten Rennaufgabe auf dem Radabschnitt ist der Jungvater ein Ironman. Und: Der unermüdliche Kämpfer wird 2027 auf Hawaii einen erneuten Anlauf nehmen.

Triathlon · Andrea Salvisberg aus Rüegsauschachen ist einer der besten Schweizer Triathleten. 2008 lancierte er seine professionelle Triathlon-Laufbahn. Er startete 2016 in Rio und 2021 in Tokio an den Olympischen Spielen. Dann folgte der Albtraum eines jeden Sportlers. Völlig unerwartet erkrankte er an einer bis heute nicht exakt definierten Form der Hirnhautentzündung. Sie fesselte den Bewegungsmenschen Salvisberg während elf Monaten ans Bett. Kopfschmerzen und dauerhaftes Fieber machten dem Musterathleten das Leben zur Hölle. «Es war die schwierigste Zeit meines Lebens», sagte Salvisberg im Juni 2024 gegenüber dem «Unter-Emmentaler». 

Je wieder einmal Sport treiben?
Zu dieser Zeit war es schlicht undenkbar, dass der Leistungssportler je wieder auf hohem Niveau aktiv sein könnte. Für Andrea Salvisberg, der in seinen Kinderjahren gemeinsam mit seinen Brüdern Lukas, Florin und Fabian an vielen Triathlon-Wettkämpfen für Furore sorgte, galt aber immer die Lebensdevise «Aufgeben gibt es nicht». Unter tatkräftiger Mithilfe seiner Trainer Ben Reszel und Brett Sutton, seiner Partnerin und seines gesamten familiären Umfelds kämpfte sich Andrea Salvisberg zurück. Der 37-Jährige schaffte seinen grössten «Ironman» fernab eines Wettkampfs. Die Rückkehr zum Spitzensport ist seine grösste Leistung überhaupt. Diese lieferte er nach dem Comeback auch sportlich ab. Nachdem sein grosser Traum, einmal bei der Ironman-WM auf Hawaii am Start zu stehen, durch seine Erkrankung jäh platzte, fasste er Kona erneut ins Auge. Am 15. August 2026 verblüffte er beim Ironman Schweden die Triathlonwelt. In der historischen Küstenstadt Kalmar zeigte Salvisberg sein bestes Langstreckenrennen überhaupt. 44:59 Minuten für die 3,8 km Schwimmen, 4:02 Stunden für die 180 km Radfahren und 2:38 Stunden für den abschliessenden Marathon über 42,2 km sowie flinke Zeiten in der Wechselzone ergaben eine Zeit von 7:28:54 Stunden. Damit verbesserte er den Schweizer Rekord über die Ironman-Distanz des Richterswilers Ruedi Wild um über sieben Minuten. Das Ticket für Hawaii war gelöst, das letzte grosse Karriereziel trotz zunächst scheinbar unüberwindbarer Hürden geschafft. Mit grosser Vorfreude bereitete sich Andrea Salvisberg auf Hawaii vor. Allerdings galt nicht die volle Aufmerksamkeit dem Sport, da er die Zeit mit seinem erst wenige Monate alten Töchterchen auf keinen Fall missen wollte. «Ich hatte als Ziel drei Meilensteine in meinem Leben: Olympia, Hawaii und Vater werden. Als ich Vater geworden bin, ist Hawaii etwas zweitrangig geworden. Ich habe gemerkt, wie schön es ist, das Kind grosszuziehen», meinte er gegenüber dem Schweizer Fernsehen. 

Ganz starkes Schwimmen
Am letzten Samstag war es so weit: Salvisberg stand in Kona zusammen mit 110 Triathlon-Profis, die sich qualifiziert hatten, am Start der Weltmeisterschaft über die Triathlon-Langdistanz. In einer 13-tägigen Akklimatisierungsphase hatte sich der routinierte Athlet an die berüchtigte Hitze gewöhnt. Und der Jungvater legte los wie die Feuerwehr. Das Schwimmen im welligen Pazifik beendete der in Ehrendingen im Kanton Aargau lebende Salvisberg in 48:29 Minuten an der achten Position. Er stieg zusammen mit dem späteren Weltmeister Vincent Luis aus Frankreich in der Spitzengruppe auf das Rad. 90 km lang lief es hervorragend. «Dann kam ein plötzlicher Schmerz in der Hüfte. Er wurde stärker und stärker und wollte nicht nachlassen. Ich hörte auf zu treten, stellte mich hin, dehnte mich drei- oder viermal. Nichts half. Jede Kurbelumdrehung links jagte einen unerträglichen Schmerz durch meine Hüfte», beschreibt Salvisberg. Während 15 Minuten trat er nur noch mit dem rechten Bein in die Pedale. Salvisberg wollte unbedingt finishen. Dieses geplante Unterfangen, das dann spätestens beim Laufen – eventuell mit körperlichen Langzeitfolgen – endgültig gescheitert wäre, wurde durch einen platten Reifen schliesslich vorzeitig beendet. «Ich war am Boden zerstört, wütend und völlig leer. Mit ein paar Tagen Abstand ist es aber gut, wie es ist», sagt Salvisberg. «Ich habe gesehen, dass alles funktioniert – dass es möglich ist, mit einem starken Resultat Hawaii zu beenden. Darum werde ich 2027 zurückkehren.»

Von Stefan Leuenberger