Projektverantwortliche Helena Jordi bespricht sich mit Mädchen.
Unterricht mit Erde unter den Fingernägeln
Schülerinnen und Schüler der Klassen 5b und 6a des Schulzentrums Elzmatte waren kürzlich im Schulgarten aktiv. Mit viel Freude bereiteten sie Beete für Gemüse, Kräuter und Beeren vor.
«Cool» ist das meistgehörte Wort an diesem Freitagvormittag beim Besuch im Schulgarten der Elzmatte in Langenthal. Dies vor allem bei den Jungs. «Das ist cool und spannend, was wir hier machen, und eine gute Abwechslung», findet Frederic. Der Zwölfjährige hilft nach eigener Aussage auch zu Hause im Garten. «Ich mache das gerne.» Dem schliesst sich Leon (12) an. Auch er hilft zu Hause mit und ist dort für die Tomaten zuständig. Im Schulgarten werkelt er bei den Heidelbeeren. Levi und Valentin (11) finden die Idee, zu gärtnern, nicht nur cool, sondern eine gute Idee der Lehrerschaft. «Das macht Spass», sagen sie, und Remo (10) betont, dass es lustig sei und man dabei zudem viel lerne. Leyna (12) freut sich ebenfalls, draussen zu sein und vor allem darauf, das Angepflanzte später essen zu können. Zum Beispiel die Kräuter zusammen mit Quark als Brotaufstrich.
Projekt Bauerngarten
Sie alle sind Schülerinnen und Schüler der 5b und der 6a im Schulhaus Elzmatte. Verantwortlich für den Aussenunterricht sind Helena Jordi, Sarah Mathys und Schulleiterin Lucienne Marending. Letztere, seit 20 Jahren Lehrerin und seit anderthalb Jahren Schulleiterin in der Elzmatte, wurde vor rund einem Jahr von Projektleiter Pascal Pauli vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID angefragt, ob sie am Projekt «Bauerngarten» interessiert sei. Mit diesem Projekt will der «LID» Kindern den Zugang zu landwirtschaftlichen Themen und nachhaltiger Ernährung ermöglichen – praxisnah in einem Garten auf dem Schulareal, wie das Angebot auf der Homepage umschrieben wird.
Anschubfinanzierung vom LID
Da Lucienne Marending aus Erfahrung weiss, dass Kinder auf unterschiedliche Unterrichtsmethoden ansprechen, zögerte sie nicht. «So können wir alle abholen und ihnen die Natur näherbringen.» Das sei ein Thema des NMG-Lehrplans (Natur, Mensch und Gesellschaft). Nach ersten Überlegungen, einen Schulgarten beim bäuerlichen Ausbildungszen trum Inforama Waldhof anzusiedeln, habe man sich aus logistischen Gründen für das Areal zwischen den Schulhäusern entschieden, so die Schulleiterin. Das Pilotprojekt – im Kanton Bern sind es 2025 und 2026 vier bis fünf Schulen – wird mit rund 1000 Franken finanziert. Die Schule selbst hat einen wiederkehrenden Betrag von ein paar hundert Franken für die Finanzierung von weiterem Material budgetiert.
Nicht nur im Schulzimmer unterrichten
Handwerkliche Projekte sind für die Schule Elzmatte nichts Neues. «Bereits vor zwei Jahren haben wir mit Sechstklässlern Hochbeete angelegt», erzählt Lucienne Marending. «Für den Schulgarten haben die Lehrpersonen im Rahmen einer dreiteiligen schulinternen Weiterbildung mit Unterstützung des Bildungsgartens der Pädagogischen Hochschule Bern pädagogische und gartenpraktische Tipps erhalten», erklärt Pascal Pauli. Jetzt stehen zwölf No-Dig-Beete bereit. Das heisst, die Beete werden ohne vorheriges Umgraben der Fläche angelegt. Im Herbst wurden diese bereits unter Mithilfe von Eltern mit Humus aufgefüllt. «Mit dem Schulgarten können wir den Kindern die Natur und den Kreislauf näherbringen, ihnen also erklären, was wann wächst.» Die Kinder lernen, ohne Pestizide zu arbeiten, und befassen sich mit Schädlingen und Nützlingen und Kompost. Bereits im Herbst wurden Obstbäumchen gepflanzt, welche die Kinder ebenfalls betreuen.
Die Nachbarschaft miteinbeziehen
Mit Flyern hat die Schule die umliegenden Bewohnerinnen und Bewohner auf das Projekt aufmerksam gemacht und um Unterstützung gebeten. «Vier Frauen haben sich gemeldet», so Lucienne Marending. Diese wurden kontaktiert und zur Mithilfe an diesem Freitag eingeladen. Zwei davon haben zugesagt. Daniela Weber (41) wohnt am Hinterberg und fand die Idee gut: «So lernen die Kinder, woher die Lebensmittel kommen.» Sie selbst hat keinen Garten, arbeitet jedoch gerne handwerklich. Judith Stocker wohnt nach längerer Abwesenheit wieder im Elternhaus in der Nähe. Die 65-jährige Sozialpädagogin und Lehrerin ist seit einem Jahr pensioniert. «Ich weiss, was es heisst, mit Kindern zusammenzuarbeiten, und kann die Lehrpersonen gut unterstützen», sagt sie. Zudem habe sie während ihrer Berufszeit selbst Schulgärten gestaltet.
Greifbares statt Theorie
Den Kindern etwas Greifbares zu geben, ist für die Schulgarten-Verantwortliche Helena Jordi wichtig. Gerade in der 5. und 6. Klasse hätten die Schülerinnen und Schüler oft Mühe mit der theoretischen Schule. «Wenn sie jedoch ausrechnen müssen, wie viel Erde es für wie viele Quadratmeter Beet braucht oder wie viel und welche Farbe für das Streichen des Zauns, macht das für sie Sinn», ist sie überzeugt. Schon jetzt freuen sich die Kinder, das Gemüse, die Kräuter und die Früchte zu ernten und zu kosten.
Gut zu wissen · Das Schulzentrum Elzmatte/Steckholz sucht nach wie vor Freiwillige, die sich im Schulgarten engagieren möchten, unter anderem während der Schulferien. Interessierte können sich unter [email protected] oder 062 922 54 44 melden.
Von Irmgard Bayard